Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 5 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 175 (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 175 Braucht der Frankfurter Kulturbund ein Orchester? Welch* lächerliche Frage! -werden viele sagen. Ist sie nicht längst bejaht durch die Massen, die zu den Konzerten und Opernabenden des Kulturbundes strömen und haben nicht Vorstand und Gemeindevertretung durch die alljährliche Bewilligung einer Subvention das allgemeine Interesse an der Erhaltung des Kulturbundes in seiner jetzigen Form bekundet? Hat nicht darüber hinaus das zuhörende Publikum seiner Begeisterung und Ergriffenheit in der dem jeweiligen Kaum angemessenen Form überzeugenden Ausdruck gegeben und bedarf es -wirklich noch weiterer Beweise zur Bejahung der gestellten Frage? Das alles ist unbestreitbar richtig mit der leisen Einschränkung, daß es auch Konzerte gegeben hat, die unter massigem Besuch zu leiden hatten, wenn auch äusserlich durch Vergebung von Freikarten dieser Eindruck gemildert werden konnte. Aber warum ist Frankfurt neben Berlin die einzige Stadt, wo der Kulturbund sein eigenes aus Berufsmusikern gebildetes Orchester geschaffen hat und warum begnügen sich z. B. Hamburg, Köln mit dem Kuhrgebiet mit Gastspielen unseres oder des Berliner Orchesters und warum sind Stuttgart, Mannheim, München mit den aus Dilettanten zusammengesetzten Ensembles zufrieden? Die Antwort ist einfach: Ein Orchester von Berufsmusikern, selbst wenn es nur massigen Umfangs ist, wie hier und sehr niedrige Gehälter zahlt, kann aus Abonnement und Eintrittsgeldern allein nicht erhalten werden, auch dann nicht, wenn die Spielzeit auf 7 Monate — einschliesslich Vorbereitungszeit — beschränkt wird. Anders als hier, hat man daher in den genannten grossen Städten von vorneherein an der Möglichkeit verzweifelt, durch eine grosse Zahl von freiwilligen Förderern den Fehlbetrag "aufzubringen. In Frankfurt dagegen glaubte eine kleine Gruppe begeisterter Musikfreunde im Vertrauen auf die jähr zehnte alte starke Förderung. aller musikalischen Veranstaltungen durch unsere jüdischen Glaubensgenossen, eine ausreichende Gefolgschaft zu finden, wenn sie selbst mit dem guten Beispiel an Opferbereitschaft voranging. Es sei nicht verschwiegen, daß der Versuch durch das Vorhandensein einer überragenden Persönlichkeit für die Schulung und Leitung des Orchesters ermutigt wurde, »und daß man gleichzeitig den aus ihrem Beruf verdrängten Musikern helfen wollte. Ueber den künstlerischen Erfolg dieser Absicht braucht kein Wort verloren zu werden: Aufführungen, wie das Awodath Hakodesch von Bloch, die I. Mahlersymphonie, die C-mol] Symphonie von Beethoven u. a. m. sind nur bei einem Berufsorchester unter bester Leitung möglich und sie haben auch den stärksten Eindruck bei den Hörern hinterlassen. Dagegen muß leider gesagt werden, daß trotz der grossen Opferwilligkeit Einzelner die Einnahmen aus freiwilligen Spenden weder im ersten, noch im zweiten SpieVahr ausgereicht haben, um ein sorgenfreies Arbeiten zu ermöglichen. Allzuviele sind abseits geblieben, die trotz sonstiger Belastung auch für die Erhaltung dieser in künstlerischer, wie sozialer Beziehung hervorragenden Frankfurter Schöpfung ihr Scheri'loin hätten beitragen können und ebenso wenig Gegenliebe ist bei den auswärtigen Gemeinden gefunden worden, die mit der gelegentlichen Abnahme eines Orchester- oder Kammermusikabends ihre Schuldigkeit voll zu tun glaubten. Im Lichte dieser nüchternen Tatsachen wird die eingangs gestellte Frage vielleicht etwas weniger frivol erscheinen, doch wiederholen wir sie in etwas anderer Form: Wenn Frankfurtdas Orchester des Kulturbundes braucht, ist es bereit, die dafür erforderlichen Opfer zu bringen? Wir wissen, daß das Orchester erhalten werden kann, -wenn jeder sich prüft, ob er seiner Leistungsfähigkeit entsprechend dieses Werk gefördert hat, wir wissen leider aber auch, daß im anderen Falle Frankfurt dieser Quelle geistiger Erhebung verlustig gehen muß. Man melde also seine Fördererspende unverzüglich dem Jüdischen Kulturbund, Gärtnerweg 62. E. O. Männer in der Hauswirtschaft von Lucie Laquer Ende Oktober hatte die Berufsberatung und der Arbeitsnachweis für Juden das Bestreben, junge erwerbslose Angestellte für Haushaltsstellen vorzubilden, um sie wieder in den Arbeitsprozess einzuordnen und um die Nachfrage nach Hausangestellten dadurch zum kleinen Teil zu befriedigen. Nachdem man die jungen Leute zunächst in den Synagogen mit Eeinigungsarbeiten beschäftigt hatte, machte die jüdische Haushaltungsschule den Vorschlag, sie für den kleinen Privathaushalt sachgemässer zu schulen. In Anlehnung an Versuche in der Schweiz hatten in der genannten Schule in den Sommerferien 12-14 Schuljungen an einem kurzen Lehrgang teilgenommen, und die Lehrkräfte sahen bereits die Erfahrung bestätigt, dass grundsätzlich kein Unterschied besteht, männliche oder weibliche Kräfte in der Hauswirtschaft anzulernen und zu verwenden. Während allerdings die Jungens halb spielerisch das lernten, was sie auf Wanderung an Koch- und Nähkenntnissen brauchten, war das Lehrziel bei dem Umschichtungskurs für männliche Hausangestellte anders und ernster: sie sollten in möglichst kurzer Zeit die Grundlagen ihrer späteren Tätigkeit kennenlernen; sie mussten ein Höehstmass von Kenntnissen und Fertigkeiten erwerben, soweit man überhaupt von einem Höehstmass sprechen kann, wenn es sich um einen einmonatigen Kursus handelt, der wöchentlich 3 mal abends je S-3V2 Stunden und 1 mal morgens 4V2-5 Stunden lang stattfand. Der Lehrplan konnte deshalb auch nicht alle im Haushalt vorkommenden Arbeiten umfassen, sondern man beschied sich mit Kochen, Backen, Re ini g un g s a r b e i t e n, Servieren und Bügeln, um nicht durch ein Zuviel ein Zuwenig zu erzielen. — Auch innerhalb dieser Gebiete konnte natürlich nicht all das gelehrt werden, was ein perfekter Hausangestellter beherrschen muss; es handelte sich durchweg um ein erstes FERDINAND FREUDENSTEIN KAISERSTRASSE 41 TELEFON 34026 Englifche und deutfzhe Hd^l^GHStoffC in grofrer Auswa h!