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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-02-01 · 5 (2.1936) · p. Seite 171

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
5 (2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 171 (sequence 9)
Language
German
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Seite 171 steht ihm sein Geld auf Lebensdauer zur Verfügung. — Durch den Kauf einer Leibrente sind die Alten sichergestellt, und die Kinder und Enkel können nunmehr unabhängig ihre wirtschaftlichen Entschliessungen treffen. Hier scheint eine Methode der Sicherung vorzuliegen, die es verdient, zum System erhoben zu werden: Rentenversicherung ist planvolle Gestaltung und Sicherung der Zukunft alternder und alter Menschen und bedeutet zugleich materielle und seelische Entlastung der Jungen. Gerade diese beiden Gesichtspunkte sind für das Leben und Gesicht der jüdischen Familie entscheidend. Unser stark entwickeltes Gefühl für die untrennbare Einheit der Familie, für gegenseitige Verantwortung und Hilfe, wirkt sich in Zeiten, die grosse und mutige Entschlüsse erfordern, oft hemmend aus. Um unserer Gefühle willen versäumen wir vielleicht die rechtzeitige Tat. Hier ist und will uns scheinen, eine Möglichkeit gegeben, unserer Wesensart treu zu bleiben und doch das Notwendige zu tun, hier eröffnet sich uns ein Weg, menschliches Gefühl der Verpflichtung mit den strengen Forderungen der Zeit glücklich in Einklang zu bringen, auf die Frage des Schicksals klar zu antworten und uns mutig seinen Entscheidungen zu stellen. Bachurim an der Arhoit Die Rabbinischc Lehranstalt Jeschiwa Nach den Erschütterungen des Jahres 1933 haben sich in der deutschen Judenheit neue und starke Bildungsbedürfnisse geltend gemacht. Was in Jahrzehnten vernachlässigt worden war, wurde als Lücke schmerzlich empfunden. Bildungsvereine, Lehrhäuser, Kulturorganisationen aller Art haben, zum Teil mit sichtbarem Erfolg, den jüdischen Menschen jüdische Bildungswerte vermittelt. Neben diesen durch Erfordernisse der Gegenwart geschaffenen Bildungszentren, gibt es im deutschen Judentum einige Stätten jüdischer geistiger Arbeit, die nicht erst aus den Erfahrungen unserer Zeit geboren wurden. Ihre Wurzeln sind so alt, wie die abendländische Judenheit, vielleicht sogar so alt wie das Judentum selbst: die Stätten des „Lernen s". Unsere Gemeinde ist in der ehrenvollen und verpflichtenden Lage, eine solche Stätte jüdischer Bildungsarbeit, im ursprünglichsten Sinne des Wortes, mitbetreuen zu dürfen.BabbinerMarcus Horovitz s. A. hat vor vielen Jahrzehnten die „Rabbinische Lehranstalt Jeschiwa" gegründet, Babbiner Dr. Nobel s. A. diese Pflanzstätte jüdischen Wissens gefördert und in xinseren Tagen, im Jahre 1924, bat Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann die Rabbinische Lehranstalt Jeschiwa zu neuem Leben erweckt. Für eine Schule wird „neues Leben" immer bedexiten: Zuwachs an Jugend. Getragen von dem Willen einer jungen jüdischen Generation, gefördert von der Einsicht der führenden Organisationen des deutschen Judentums, ist die ehrwürdige Tradition des jüdischen Lernens über ihren Rahmen hinaus zu einer weltanschaulichen Bindung, ja, zxi einer Lebensgemeinschaft geworden. Denn der Kreis von Jungen, die die Lehranstalt Jeschiwa besuchen, ist in jeder Hinsicht eine Gemeinschaft. Hier gibt es keine Trennung zwischen Arbeit und Gemeinschaftsleben Nicht nur deshalb, weil die Jungen in dem der Jeschiwa angegliederten Internat wohnen, sondern weil die Gestaltung des Lebens dieser jungen Menschen bestimmt wird, von dem Geist, der ihnen durch ihre Ausbildung vermittelt oder in ihr vertieft wird. Das Ideal des jüdischen bündischen Lebens ist hier nahe vor seiner Erfüllung: Bindung eines Menschen kreises aus den Gesetzen gleicher weltanschaulicher Ideen. Diese weltanschaulichen Kräfte sind die alten starken Kräfte jüdischer Religiosität. Wir hatten Gelegenheit, einen Tag in der Rabbinischen Lehranstalt Jeschiwa verbringen zu dürfen und uns zu überzeugen, wie ungekünstelt und echt die Begeisterung und die Hingabe sind, mit der hier Lehrende und Lernende „lernen". Die fast hundert Jungen arbeiten nach der Weisung von fünf Lehrkräften, unter ihnen Herr Rabbiner Dr. Hoffraann, in drei nach Kenntnissen gegliederten Abteilungen. Gemeinsam für alle ist die Unterweisung in jüdischer Geschichte und Palästinakunde. Daß Iwrith von allen Bachurim betrieben wird, erscheint selbstverständlich, wenn man erfährt, daß die überwiegende Mehrzahl der Jungen dem Bachad angehört, d. h. also dem Bunde der gesetzestreuen Palästinapioniere, und beabsichtigt, nach der Berufsausbildung, die sich an .die Jeschiwa anzuschliessen pflegt, zur Alijah zu kommen. Diese Fächer jedoch werden fast nur am Rande des eigentlichen Studiums vermittelt. Die Aufgabe der Jeschiwa-Ausbildung wird in traditioneller Weise durch die Mittel der Durchdiingung des talmudischen und biblischen Schrifttums angestrebt. Mischnajoth, Gemarah, Raschi und andere klassische Erklärer, die Propheten werden in den Kursen in jener einzigartigen jüdischen Weise erklärt und besprochen, die nicht nur eine ungeahnte Bereicherung des Wissensstoffes bedeutet, sondern zugleich eine Denkschulung ist und eine Schärfung der intelektuellen Anlagen, wie sie keine andere geistige Beschäftigung auch nur ähnlieh zu bieten vermag. — Was in den Vormittagsstunden in Gemeinschaft durch Lehrer und Schüler erarbeitet wird, wird nach einer gemeinsam verbrachten Mittagspause von den Schülern einzeln oder in kleinen Gruppen wiederholt. (Die Mahlzeiten für die Bachurim werden in der Lehranstalt von Bachad-Mädchen auf Hachscharah zubereitet.) In allen Zimmern des Hauses findet man dann die Bachurim, wie sie in wahrer Versunkenheit vor ihren Büchern sitzen und mit dem singelnden Ton, der eine Folge dieser konzentrierten Denkarbeit zu sein scheint, repetieren oder sich auf den folgenden Vormittag vorbereiten. Und wenn einer nicht weiter oder einen Gedankengang nicht mehr ableiten kann, sich in Widerspruch befindet oder den Sinn eines Textes nicht zu enträtseln vermag, dann wendet er sich an einen der anwesenden Lehrer, der mit erstaunlicher Gegenwärtigkeit des Wissens auf jede einzelne Frage Bescheid gibt und nicht ermüdet, immer wieder die Jungen an den Gegenstand zu fesseln. Es wäre falsch zu glauben, daß die intensive Beschäftigung mit hohen geistigen und religiösen Gütern blasse Menschen antreffen lasse. Die Bachurim haben nichts von ihrer Lebendigkeit verloren, die Jüngsten haben die Spiellust richtiger Jungen und auch die Grösseren wissen durch sportliche Betätigung einer einseitigen Entwicklung vorzubeugen. Auch hier unterstützt die erzieherische Absicht der Jeschiwa und der Wille des Bachad die Tendenz zur Heranbildung einer vollwertig durchgebildeten Jugend. Wenn gesagt wird, daß fast alle Jungen aus Deutschland kommen und ein grosser Teil von ihnen aus kleinen Gemeinden und unvermögenden Schichten, wird man begreifen, daß die Jeschiwa auch außerhalb ihrer Bildungsaufgaben grosse L e i s t u ngen zu erfüllen hat. Es genügt nicht, daß manche der Bachurim ihren Aufenthalt selbst bestreiten, daß Organisationen der Jeschiwa ihre Hilfe angedeihen lassen. Eine Stätte, in der der Baum des jüdischen Lebens so betreut und in seinem Wachstum gefördert wird, bedarf der Teilnahme aller Juden, die in der jüdischen Religion sich verpflichtet fühlen. Es ist nicht nur eine Verheissung sondern auch eine Forderung, die in dem talmudischen Satz geformt ist: „Die Welt besteht nur durch den Hauch des Mundes der Kinder des Lehrhauses". (Sabbath 119b) Ghr. Die Abteilung bei ist für Leica spezialisiert EMeld

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