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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-02-01 · 5 (2.1936) · p. Seite 170

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
5 (2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 170 (sequence 8)
Language
German
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Seite 170 Und die Alten—? von K. J. Bachrach Schicksal ist zugleich Frage und Entscheidung. Wir Juden dieser Zeit spüren es wieder mit aller Schwere und Grosso: Schicksal als Frage, auf die wir antworten, — Schicksal als Entscheidung, der wir uns stellen müssen. Solche Frage und solche Entscheidung verdichten sich zu völligem Wandel unseres Seins und münden in zwei konkrete Probleme: Berufsumschichtung und Auswanderung. Vor wenige, aber vor so entscheidende Fragen gestellt, neigen wir zu plötzlicher Einseitigkeit und sehen nur noch ein Ziel, eine Möglichkeit, Zeit, Raum, Tun und Lassen empfangen allein von hier aus ihren Inhalt. Solche Einseitigkeit, menschlich verständlich, birgt die Gefahr in sich, uns den Blick für Wesentliches ausserhalb unserer Zielsetzung zu sperren. Für eine wesentliche Frage ist uns der Blick gesperrt: die Fiage nach dem Schicksal der alten Generation. Was wird aus den Alten?! Mag diese Frage in der allgemeinen Erörterung jüdischer Zeitprobleme weniger in Erscheinung treten, — jedem einzelnen unter uns drängt sie sich aber früher oder später von selber auf. An dieser Frage in ihrer einfachsten menschlichen Fassung, haben wir uns zu bewähren, in der Beantwortung dieser harteri und bindenden ..Generationsfrage" in den Tagen der Not den Gedanken df*r gegenseitigen Verpachtung von jungem und altem Geschlecht zu verwirklichen! Das Schicksal der Alten ist ein allgemeinesProblem —. seineGestaltung die Aufgabe auch der jungen Generation! Denn nicht nur lastet auf dem Dasein der Alten die niederschmetternde Sorge um die Ruhe eines schwer erarbeiteten Lebensabends, sondern auch auf den Gedanken der Jungen, die sich in ihrer Freizügigkeit und Entschlusskraft gehemmt fühlen. Solch tragischer Problematik ist nicht mehr durch rein individuelle Mittel beizukommen, denn es geht dabei nicht mehr um. „Einzelfälle": Vergreisung des Judentums in Deutschland; Abwanderung der Jungen; hierdurch Fortfall natürlicher Unterstützungsmöglichkeiten für die Alten; materieller-seelischer Verfall —, h i e r b a 1len Pich Schicksalsfragen mehrerer Generationen, hier muss umfassende Vorsorge getroffen werden! Diese Vorsorge, diese Versorgung heisst Sicherung,unabhängig von immer geringer fliessenden Zuwendungen seitens der_ Kinder oder anderer Angehörigen, unabhängig auch von Ereignissen, die ihre Ursache in wirtschaftlichen Entwicklungen haben. Wo durch den besonderen Verlauf des wirtschaftlichen Schicksal? der Juden in Deutschland kleine Kapitalien, die in Unternehmungen investiert waren, frei werden, bedeuten sie wenig — oder gar eine Gefahr für alte Menschen, die der Aufgabe nicht mehr gewachsen sind, ihr Vermögen veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend zweckmässig zu verwalten. Die kleinen Kapitalien der Alten bedürfen einer Anlage, die volle Sicherheit bedeutet. Man erkennt heute immer mehr, dass alle in dieser Richtung sich bewegenden Versuche, sollen sie ein günstiges Ergebnis zeitigen, auf ein Versicherungsprinzip abgestellt sein müssen, wie es in der Rentenversicherung seine Verwirklichung findet. Warum Rentenversicherung? Ein kleines Beispiel verdeutlicht zunächst die Situation älterer Menschen. Man nehme an, eine ältere Dame benötige im Jahre etwa RM. 1.200.- für ihren Lebensunterhalt. Sie beschafft sich diese Summe durch laufende " Entnahmen aus einem etwa RM 10.000.- betragenden Kapital, das noch einen jährlichen Zinsertrag von RM. 450.- abwirft. Immer grössere Entnahmen müssen erfolgen, damit das benötigte Jahreseinkommen erreicht wird, nach 10 Jahren bereits ist das Kapital restlos verbraucht! Doch was besagt eine mathematische Beweisführung gegenüber der viel unerbittlicheren des Lebens?! Der unaufhaltsame Vermögensschwund, das Gefühl, in absehbarer Zeit auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, wird alte Menschen lange vor diesem Zeitpunkt beunruhigen und ihnen das Leben vergällen. Deshalb müssen sie davor bewahrt werden, ihr Kapital zu „verzehren", ihre Substanz vorzeitig aufzubrauchen' und zum andern müssen sie dahin geführt werden, ihr Kapital bestmöglichst im Sinne der Erhaltung eines sicheren Lebens-Standards zu verwerten. Die Rentenversicherung in Form der Leibrente, gibt hierzu die Möglichkeit; eine Leibrente bietet finanzielle »Sicherung bis ins höchste Alter. Für das vorhandene Kapital des älteren Herrn, der Dame oder des Ehepaares erwirbf man eine Leibrente auf Lebenszeit. Die in Frage kommenden Personen erhalten nun laufend in monatlichen oder vierteljährlichen Raten ihre Leibrente, den Betrag, den sie benötigen und der ihnen gestattet, bis ins höchste Alter sorgenlos zu leben! Aber auch für Personen, denen z. B. Leistungen aus der Sozialversicherung zustehen, die in Verbindung mit vorhandenen kleinsten Kapitalien für die Erlangung einer Altersrente nutzbar gemacht werden könnten, ergeben sich Möglichkeiten der Rentenversicherung. Eine andere, überaus zweckdienliche Form der Altersversorgung1 durch Rentenversicherung bietet sich im Zusammenhang mit der Unter-, bringung in Altersheimen dar, in der auf diesem Wege bewirkten Sicherung der Unterbringungskosten treffen sich die Interessen der Versicherten und der in Frage stehenden Institute in förderlichster Weise. Zusammenfassend darf man sagen: Die Methode der Sicherung durch eine Leibrente weist eine Reihe beachtlicher Vorzüge auf: Die Besitzer einer Leibrente sind aller Mühen und Sorgen um die zweckmässige Verwaltung ihres Kapitals enthoben. — Das Kapital wird nach den Vorschriften des Reichsaufsichtsamis für Privatversicherung absolut sicher angelegt.— Alle Wert- und Zinsschwankungen, denen das Kapital bei freier Anlage unter Umständen unterworfen wäre, sind für den Inhaber der Leibrente ohne Bedeutung: unabhängig vom Geld- und Wertpapiermarkt DEUTSCHE EFFECTEN*UND WECHSEL,BANK Konstabier Wache Allerheiligenstrasse S9J Osfhafen Hanauerlandstrasse 125 Bockenheim Leipzigersfrasse 50 vormals L A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seit 1872 FRANKFURT AM MAIN Kaisersfrasse 30 Individuelle Beratung Auch in den Städten Höchst a. M. Dalbergstrasse 3 Offenbach a. M. Frankfurterstrasse 54

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