Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 5 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 169 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 169 sollen. Eabbi Schimon ben Jochai sagte: Drei Kronen sind, die Krone der Herrschaft, die Krone des Priestertums, die Krone der Tora. Auf die Krone der Herrschaft deutet der Tisch im Heiligtum, von ihm ist gesagt, dass er tragen soll „einen goldenen Kranz ringsum". Auf die Krone des Priestertums deutet der Altar, von dem gesagt is% daß er tragen soll „einen goldenen Kranz ringsum". Auf die Krone der Tora deutet die Lade, von ihr heisst es, dass sie tragen soll „einen goldenen Kranz ringsum". Warum ist geschrieben "U , ein "Wort, das auch gelesen werden kann 1) der Fremde? Um dir zu sagen, wenn den Mensch würdig sich führt, werden sie ihm zur Krone, erweist er sich unwürdig, werden sie ihm fremd, feind." Der Sinn ist klar und durchsichtig. Der Schwerpunkt liegt auf der Bemerkung, daß die Tora für alle und jedermann ist, damit ist die Scheidung zwischen Laien und privilegiertem Stand überwunden. Besonders beachtlich der Hinweis, daß aller Schmuck, alle Auszeichnung sich gegen ihren Träger kehren, wenn er sich ihrer unwürdig erweist. Die Bretter des Zeltes der Gegenwart! „Es heisst (2. M. 26,15) „du sollst fertigen die Bretter für die Wohnung aus Akazienholz". Das ist's was geschrieben steht (Ps. 104,16) „es werden satt die Bäume Gottes, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt bat." Vieles erschuf der Heilige, gelobt sei er, in seiner Welt, aber die Welt war nicht würdig, sich ihrer zu bedienen, da verwahrte sie der Heilige, gelobt sei er, weg von der Welt. Was sind das für Dinge? Das ist zunächst das Licht, das am ersten Tage erschaffen wurde; es sagte Kabbi Jehuda bar Simon: das Licht, das der Heilige, gelobt sei er, am ersten Tage erschaffen hatte, damit konnte man von einem Ende der Welt bis zum anderen schauen, als aber der Heilige, gelobt sei er, voraussah, wie das Geschlecht Enoschs und das der Flut und das des Turmbaus in ihren Taten verderbt sein würden, verwahrte er es vor ihnen, so heisst es (Ijob 38,15) „es wird zurückgehalten vor den Frevlem ihr Licht"; und für wen verwahrte er es? Für die Bewährten in der künftigen Welt. Anderes erschuf Gott, und es hätte verdient, verwahrt zu werden, aber es wurde nicht hinweggetan um Gottes Ehre willen, das ist das Gold, das nur erschaffen ward um der Wohnung und des Heiligtums willen. Auch die Zedern hätten verwahrt werden sollen, aber sie blieben um der Wohnung und des Heiligtums willen, denn so heisst es (Ps. 104,16) „die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat", und unter Libanon ist das Heiligtum zu verstehen, wie es angedeutet ist (5. M. 3,25) „dieser gute Berg und der Libanon." " Zu jedem einzelnen Teil dieser Deutung wäre mancherlei zu sagen; es sei nur herausgehoben, wie hier das Heiligtum — für uns ist es die Synagoge — in den Mittelpunkt gestellt ist, daß alles auf sie bezogen sein muß, alles von ihr aus erst Daseinsberechtigung und Dauer erhält. Und wie tief ist der Ausspruch, daß das Gold besser aus der Welt gewiesen wäre — wie viel Unglück und Unheil hat es1 gebracht! — und nur Sinn und Kecht ist, wenn es zur Ehre Gottes und seiner Forderung an den Menschen verwandt wird. Woher hatte man in der Wüste die Bäume, aus denen man Bretter schneiden konnte? „Jaakob, unser Vater, pflanzte sie, als er nach Ägypten hinunterging. Er sprach zu seinen Kindern: künftig werdet ihr erlöst werden von hier und bei dieser Erlösung wird Gott euch sagen, daß ihr ihm die Wohnung fertigen sollt; pflanzet jetzt schon, damit die Bäume fertig und bereit sind für euch zum Bau, wenn der Befehl an euch ergeht. Da gingen sie und pflanzten." Der Sinn ist nicht nur der, daß man in allon Dingen beizeiten Vorsorge schaffen soll und künftiges Bedürfnis vorausschauen muß; der Sinn ist, viel weitergehend, daß man in Zeiten der Not nicht nur an sie denken und sie abziiwenden sorgen muß, sondern daß man in ihr an künftige Erlösung denken soll und Vorsorgen muß, daß dann in der Freiheit die Herzen auf Gott gerichtet bleiben und man seiner Bindungen b ewusst bleibt, nicht in der Freiheit sich verliert. Es heisst: (2. M. 26,15) „du sollst die Bretter fertigen aus Akazienholz". Warum dieses Holz? Der Heilige, gelobt sei er, lehrt damit für alle Zeiten das rechte Tun, daß, wenn jemand sein Haus etwa aus Holz von einem Baum erbauen wollte, der essbare Früchte hat, man ihm sagen muß: der König aller Könige, dem alles zu eigen ist, hat, als er Auftrag gab, ihm seine Wohnung zu errichten, gesagt, erbaue sie nur aus Holz von Bäumen, die keine essbaren Früchte haben, erst recht doch ihr!" Der Sinn: im Vordergrunde steht immer die Sorge für die Lebenserhaltung des einzelnen, es i?t kein Zweck so heilig, daß ihm zuliebe der Mensch in seiner Lebensmöglichkeit verkümmert werden darf. Es heisst: „du sollst fertigen die Bretter"; was stand vorher (2. M. 25,40) „schau und fertige". Ja, hat denn Mosche die Wohnung gefertigt? steht denn nicht geschrieben (2. M. 36,1) „und es fertigten Bezalel und Ahaliab und jeder Mann klugen Sinnes?" Mosche unterwies und Bezalel fertigte, von hier, sagten unsere Weisen, lernen wir, daß gleich verdienstvoll wie der Tuende der ist, der zum Tun veranlasst; so finden wir es bei Mosche, Bezalel tat das Werk und der Heilige, gelobt sei er, rechnete es Mosche an, als hätte er es getan, denn so heisst es (Chronik I 21,29) „die Wohnung Gottes, die Mosche in der Wüste fertigte!" " Für uns heisst das u. a.: Nicht nur in der Höhe der geldlichen Leistung prägt sich eines Menschen Wert aus, sondern in seiner persönlichen Hingabe. Mancher kann nicht mehr so geben und leisten wie früher, er braucht sich nicht bedrückt zu fühlen; indem er sich in das allgemeine Hilfswerk einordnet und anderen ein Vorbild und Anreger wird, ist das Werk sein Werk so gut wie das des Hochschenkenden. Es kommt nicht nur auf die Tat an. in allem, es kommt auch auf die Anregung und den Anregenden an. Noch einmal: „du sollst fertigen die Bretter zur Wohnung"; es hätte nur gesagt werden müssen: „fertige die Bretter als Wohnung", warum zur Wohnung? Es sagt Eabbi Hoschaja, weil die Wohnung dasteht zum Verpfänden, lies statt ^"pth — j wenn Israel sich des Untergangs schuldig macht, wird sie für Israel zum Pfand gesetzt." Das will heissen: es ist Gnade Gottes, daß er nicht Israel selbst zerstört, vernichtet, sondern das Haus, das ihm geweiht ist und an dem Israels Herz hängt; er gibt gl aichsam sich selbst hin für das sündige Israel. Oder auch, unabhängig von jedem zeitweiligen Ausdruck seiner Frömmigkeit — lebt Israel. Ein ganz ähnlicher Gedanke ist einmal an einen Psalmvers geknüpft. „Es heisst Ps. 79,1: „Ein Gesang von Assaf; Gott, Heiden sind in Dein Erbe gekommen, haben Deine heilige Halle verunreinigt, haben Jerusalem zur Öde gemacht." Dazu der Midrasch: „wie kann man das überschreiben ein Gesang, ein Jubellied? hätte nicht die Überschrift lauten müssen „ein Klagelied"? Doch es ist richtig, das Ganze ein Jubellied zu nennen. Denn Gott hat seinen Zorn ausgelassen an Stein und Holz und nicht an den Menschen; soll man nicht darüber in allem Schmerz noch jubeln dürfen?" " Welch tröstlicher Gedanke! Daß irgend ein Zeichen änsserlicher Art von Israels Sein zu gründe geht, man mag darüber noch so sehr trauern, zugleich muß man danken und sich freuen, wenn es selbst bleibt und seine Substanz nicht zerstört wird. Wir bringen in unserem INVENTUR - VERKAUF vorteilhafte Angebote in allen Abteilungen ZEIMANN Frankfurt a. M., Z^il 67-6?, «ine Treppe direkt »m Eingang Halfestall« Konst-b'er Wache - Tel. 29351/53