Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 5 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 168 (sequence 6)
- Language
- German
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S ite 168 100.000 Einwoliner). Die Krankheit ist zwar im wesentlichen eine solche der Araber, sie bedeutet aber für die Juden eine sehr gefährliche Ansteckungsgefahr. Nach dem Bericht der Jewish Agency an den Völkerbund leiden trotz erheblicher Zurückdämmung doch auch unter den jüdischen Schulkindrn immer noch C°/c an Trachom. Zum Schluss wollen wir noch einige Worte einer Frage widmen, die als Probe auf das Exempel der jüdischen Kolonisation des Landes bezeichnet werden muß. Wenn die Sache, der wir uns zugewendet haben, die Schaffung eines jüdischen Palästina, Zukunft haben soll, dann muß das zum Ausdruck kommen im Vertrauen der neuen Bewohner in die Zukunft, also in der Bevölkerungspolitik, in der Geburtenziffer. Leider haben die Juden Westeuropas in den letzten Jahrzehnten in dieser Beziehung sehr schlecht abgeschnitten. Ja, man hat sie sogar die Schrittmacher des Geburtenrückgangs genannt. Z. B. betrug die Geburtenzahl im Jahre 1925 — seitdem ist es noch schlimmer geworden — in Bayern bei den Katholiken 18, bei den Protestanten 14, bei den Juden 5 auf 1000 Einwohner. Was man neuerdings in der Bevölkerungswissenschaft mit besonderer Beziehung auf die riesige Vermehrung der Japaner „Menschen wucht" nennt, hat für das Einwohnerverhältnis der Juden zu den Arabern auch in Palästina seine Bedeutung. Und wenn die Juden ihren Volksselbstmord, den sie in Europa begangen, in Palästina, fortsetzen wollten, dann hätte ja ihre ganze Mühe um dieses Land keinen Wert. Für wen sollte es dann sein? Und noch eine Tatsache: Wenn die gequälten Juden Mizrajims ihre Geburten.so, wie es jetzt Mode war, eingeschränkt hätten, wäre für die Offenbarung am Sinai ein anderes Volk nötig gewesen, weil keine Juden mehr dagewesen wären. Der Bedeutung der Sache entsprechend, wurden auf dem Luzerner Kongress ausführliche Zahlen bekannt gegeben (Referat Katzenelson). Und, glücklicherweise sind die Zahlen so, daß darin der entschiedene Wille des jüdischen Volkes, weiterzuleben, zum Ausdruck kommt. Auf 1000 Einwohner war die Zahl der Geburten 1934 bei den Juden 30 (Sterbefälle 10, Geburtenüberschuss 20), bei den Mohamedanern 47 (St. 27, Ueb. 20), bei den Christen 34 (St. 16, Ueb. 18). Der Geburtenüberschuss der Juden im ganzen war 5427. Der Luzerner Berichterstatter war von den Ziffern nicht ganz befriedigt, da ja der Jischuw meist aus jüngeren Leuten besteht, die Zahlen also wohl hätten noch grösser sein können. Aber im Vergleich zu den Verhältnissen in Europa kann man sehr zufrieden sein. Man hat dort drüben offenbar wieder Wille und Mut, weiterzuleben und Kinder zu zeugen, also der Zukunft *n vertrauen. Und dies bis jetzt ohne die modernen finanziellen öffentlichen Ermunterungsmittel. Was der deutsche Statistiker Burgdörfer auf dem Internationalen Kongress für Bevölkerungswissenschaft in einem herrlichen Worte den Völkern entgegenrief, wird endlieh auch wieder für das jüdische Volk Geltung haben: „Völker können ewig leben, wenn sie nur wollen." Mit diesem tröstlichen Ausblick für die Zukunft unsres Volkes beschliessen wir unsre gesundheitlichen Reisebriefe. Das Schriftwort Das Heiligtum und sein Bau von Max Dieneinann Es ist nur zu selbstverständlich, daß der Bau des Heiligtums, des „Zeltes der Gegenwart", von der Deutung der Alten, dem Midra^ch, mit besonderer Ausführlichkeit begleitet wird. Die Idee eines Hauses als Wohnung Gottes im ganzen, die einzelnen Teile des Baues, die Gegenstände des heiligen Dienstes, alles wird mit eingehender Gründlichkeit besprochen und auf seinen inneren Sinn und auf seine Beziehung zu Israel und seiner Geschichte, bis hinauf zu den Erzvätern und hinunter in ferne Zeiten, geprüft. Aus der Fülle sei einiges wenigstens herausgehoben. Zur Idee des Baues im ganzen! „In jener Stunde, da der Heilige, gelobt sei er, zu Mosche sagte: fertige mir eine Wohnung, fiel er in grosses Staunen5j und er überlegte: die herrliche Gegenwart des Heiligen, gelobt sei er, füllt die oberen und die unteren Bäume der Welt, und er spricht: fertige mir eine Wohnung? Und er schaute in die Ferne der Geschlechter und sah Schelomo, wie er das Heiligtum erbaute, das weit grösser war als die Wohnung in der Wüste, und dabei sprach er vor dem Heiligen, gelobt sei er, (1. Kg. 8,27) „wohnt wohl in Wahrheit Gott auf der Erde? Sieh der Himmel und die Himmel des Himmels können dich nicht fassen, wie gar dies Haus, das ich gebaut?" Da sprach Mosche: wenn für das Heiligtum, das so unendlich grösser ist als die Wohnung, Schelomo solch ein Urteil hat, was soll da erst diese Wohnung in der Wüste? Da erwiderte ihm der Heilige, gelobt sei er: nicht wie du denkst ist mein Denken, sondern „zwanzig Bretter im Norden, zwanzig im Süden, acht gen Westen", das genügt, und nicht genug damit, ich werde heruntersteigen und meine Gegenwart ,,zusammendrängen" in den Raum von einer Elle im Geviert. Da sprach Mosche (Ps. 91,1) „im Verborgenen thront der Höchste"." In diesem Midrasch ist die uralte Frage gestellt nach dem Sinn eines Gotteshauses, die Frage, hinter der sich die ewige Spannung birgt, dass Gott das ganze Weltall erfüllt, über den Raum erhaben ist und doch in jedem kleinsten Teilchen der Welt so ist, dass das kleinste Teilchen die ganze Fülle in sich birgt. Die Spannung, die aus diesem Gegensatz entsteht, ist im Wege des Denkens nie zu lösen, sie ist immer da, sie ist eine der Spannungen, aus deren Stetigkeit sich alles jüdisch-religiöse Leben aufbaut. Sie ist hier gekleidet in das1 Geheimnis des Wortes, dass Gott sich selbst zusammendrängt; Clups igt mit dem hier gebrauchten Wort der klassische Ausdruck dafür, und die Kabbala hat ihn aufgegriffen und unendliche Spekulationen daran geknüpft. Man kommt über diese Spannung nie hinweg, ihre Lösung bleibt Geheimnis. In einer anderen Form ist jene ewige Frage beantwortet, in einer Bemerkung zu 2. M. 27,20, „die Kinder Israel sollen dir (Mosche) nehmen klares Olivenöl anzuzünden das ständige Licht": „es sprach der Heilige, gelobt sei er, zu Mosche, nicht daß ich des Lichtes bedürfte, sie sollen es dir nehmen, deinetwegen, damit du sehen kannst"; und nochmals: „nicht weil ich des Lichtes der Menschen bedürfte, ermahne ich euch wegen des Lichtes, sondern damit ihr wisst, was eure Liebe mir gilt!" Von der Lade! „Es heisst (2. M. 25,10): sie sollen fertigen eine Lade; kaum ist das Wort gesprochen: sie sollen mir bringen eine Hebe, ist schon, als erstes, von der Lade die Rede. So wie die Tora allem vorangeht, so Hess er auch beim Bau der Wohnung die Lade allen anderen Geräten vorangehen, wie das Licht beim Schöpfungswerk das erste war, so auch bei der Wohnung die Tora, die Licht genannt wird, denn so heisst es (Spr. 6,23) „eine Leuchte ist das Gebot und Licht die Tora," ihre Gerätschaften gingen allen anderen voran. Ferner: „es heisst: sie sollen eine Lade fertigen; warum heisst es bei allen Geräten du sollst fertigen und hier bei der Lade sie sollen fertigen? Es sagte Rabbi Jehuda bar Rabbi Schalom: Der Heilige, gelobt sei er, sagte zu ihm, es sollen alle kommen und sich mit der Lade beschäftigen, als Zeichen, daß sie alle der Tora gewürdigt sein S0fie ROSSbaCh Kaiserstrasse 25 Damenhüte Damenmoden INVEHTUR VERKAUF