Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 5 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 167 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 167 Bezieher des Gemeindeblatts! Gemäss behördlicher Bestimmung darf eine kostenlose Lieferung des Gemeindeblattes nicht stattfinden. Wir richten daher an alle Mitglieder die dringende Bitte, das Bezugsgeld von RM. 0.45 pro Vierteljahr pünktlich beim Vorzeigen der Quittung zu entrichten, damit in der regelmässigen Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Erhebung des Bezugsgeldes für die Monate Januar bis März ds. Js. erfolgt anfangs Februar durch unsere Boten. Frankfurt a. M., 24. Januar 1936 VORSTAND DER JSRAELITISGHEN CEMEINDE VERWALTUNG DES GEMEINDEBLATTS Strecke den Berg hinauf gepumpt, und aller Vorausicht nach wird dann die Wasserversorgung eine einwandfreie sein. Mögen auch noch kleine Zwischenfälle stören, wie Platzen von Röhren heim Beginn, Zurücklassen wichtiger Apparate in London, Auswahl z. T. zu enger Röhren — wir warten, nachdem 3000 Jahre verflossen sind, ruhig noch einige Wochen länger, und Jerusalem wird Wasser haben. Unser musterhaftes kleines Hotel braucht den Gästen kein Wasser mehr für die Zahnreinigung abzukochen, jenes andere Hotel braucht nicht mehr das in den Prospekten versprochene „fliessende Wasser" in einem alten, aus dem Osten mitgebrachten „Giessfass" zu liefern, und die Badeeinrichtungen, sowohl die privaten, wie die öffentlichen, können funktionieren, so, wie jene, die man im Hohepriesterhaus auf dem Tempelberg aufgedeckt hat. Kanalisation und Abfuhrwesen stecken vielfach noch in den Anfängen oder konnten wenigstens der Entwicklung nicht ganz folgen, so daß z. B. in Tel Aviv hie und da kleine Strassenüberschwemmungen geschehen. Aber auch in den kleineren Orten sind lobenswerter Weise bereits Beträge dafür in die Budgets eingestellt. Einen schlechten Eindruck macht bis jetzt noch die Strassen-Schuttabfuhr, was urasomehr zu bedauern ist, als der Strassenbau an sich gut ist. Ueberall in Stadt und Land, von den engen, geplatteten Gassen des Ssuk mit seinen Lädchen und Gerüchen bis zu den breiten, asphaltierten Strassen der neuen Olim-Stadtviertel und bis zu den glänzenden Chausseen durch Berg und Tal, die mit ihren Betondecken und ihren Kurven den Strassen der Dolomiten und des Sehwarzwaldes den Rang ablaufen, auch in den morastigen Landwegen geringeren Ranges, überall lagern in Mengen leere Petroleumkannen, deren Inhalt teils in den „Primus"-Oefen, teils beim Strassenbau Verwendung fand, überall Bauschutt in Menge. Hier ist ein Gebiet, wo noch Ordnung gemacht werden muss. Und nun zu dem wichtigen Kapitel der übertragbaren Krankheiten. Die wichtigste ist die Malaria (Sumpffieber). Sie entsteht durch den Stich von Sumpfmücken, Verwandten unsrer „Rheinschnaken", und wird deshalb am wirksamsten bekämpft durch die Austrocknung der Sümpfe. Dies geschieht durch Drainage des Bodens und Anpflanzung von Eucalyptusbäumen, deren Wurzeln das Wasser ansaugen. Bereits hat sich der Eucalyptus bei den Arabern den Namen des „Judenbaums" verdient. Im versumpften und verseuchten Emek haben die christlichen Templer wegen der Gefahr den Siedlungsversuch wieder aufgegeben, unsre taplern Chaluzim oder haben jahrelang Gesundheit und Leben geopfert und sie haben erreicht, dass heute dort normal gearbeitet werden kann. Wie in Emek, ist es am Jordan und in vielen andern Gegenden, und so wird es voraussichtlich auch in der jetzt höchstgradig versumpften Hulegegend sein. Jahrelang hat der bisherige arabische Konzessionsinhaber gegen die Moskitos gar nichts unternommen, unsre „Judenjungen" werden es schaffen und (nach Herzls Wort) „Junge Juden" sein. Freilich, wer in den ersten Jahren hier arbeiten will, muss Gesundheit und Leben auis Spiel setzen. Wer das nicht will und kann, muss darauf verzichten, „Pionier" in Erez zu sein und sich leichtere Posten suchen. Durch die bisherigen Bemühungen ist die Malaria im Lande ungeheuer zurückgegangen. In manchen Gegenden ist sie verschwunden,. 1922 betrug die Zahl der Erkrankungen im Lande 7 °/l)0 1934 dagegen noch 0,83 °/ o (1935 vielleicht geringe Erhöhung durch die grosse Feuchtigkeit). 1918 kamen in Jerusalem (nicht Sümpfe, aber stehendes Zisternenwasser) 113 Todesfälle an Malaria vor, 1934 noch 1 einziger. Auch Typhus und Ruhr sind erheblich, zurückgegangen. Ihre Erreger gelangen durch den Mund in den Darm, sei es mit infiziertem, ungekochtem Wasser, sei es mit Speisen, die durch Infizierte („Bazillenträger") bereitet wurden. Nach beiden Richtungen besteht im Lande die nötige Wachsamkeit U. a. wird die Bevölkerung intensiv dahin belehrt, daß rohe Speisen entsprechend desinfiziert werden müssen. Der Tourist wird sich vor der Ausreise gegen Typhus impfen lassen, der Einwanderer ist dazu gesetzlich verpflichtet. — Die Pocken zeigen keine besondere Verbreitung. Die Impf gesetze sind die englischen, die „Gewissenskiausel" bedingt also vielleicht eine geringe Erhöhung der Ziffern gegenüber Westeuropa. Diphterie und Scharlach verhalten sich ähnlieh wie bei uns. Die kleinen Wohnungen bilden natürlich ein Moment der Vermehrung. Die Zahl der Tuberkulösen wird von Sachverständigen insgesamt auf etwa 3000 geschätzt. Da die Einwohner der europäischen Länder fast alle als kleine Kinder leichte Grade der Krankheit durchmachen und dadurch einen gewissen Grad von Schutz (Immunität) erwerben, da ferner das warme Klima ähnlich, wie im benachbarten Aegypten, bei ihnen als Heil- und Vorbeugungsmittel wirkt, ist die Krankheit bei den europäischen Juden wenig verbreitet. Dazu kommt, daß nach neueren Forschungen, u. a. aus dem jüdischen Krankenhaus Berlin, die Juden auch bereits innerhalb Europas gegenüber üer umgebenden Bevölkerung eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Tuberkulose zeigen, ein Umstand, der von der modernen Rassenlehre als Rassenmerkmal aufgefasst und mit „einer gewissen, im Lauf der Jahrhunderte erworbenen, konstitutionell vererbbaren Immunität" (Werner) erklärt wird. Dagegen zeigen in Palästina die jemenitischen Juden, die ein kleines, schwächliches Menschenmaterial darstellen und die aus einem Lande kommen, wo die Tuberkulose selten ist, eine Immunität also nicht erworben wird, eine sehr grosse Anfälligkeit gegen die Krankheit. Die Liga zur Bekämpfung der Schwindsucht beabsichtigt, in den judäischen Bergen zu den früher bereits erwähnten Tuberkulose-Heilstätten noch ein grosses Sanatorium zu errichten. ProstitutionundGeschlechtskrankheiten bieten gegenüber den mitteleuropäischen Verhältnissen mindestens keine Häufung. Eher scheinen die Zahlen etwas geringere. Dagegen ist das täglicheUngezieferin dem warmen Lande eine Plage. Viele Wohnungen, besonders natürlich der alten Stadtteile, leiden unter den Unmengen von Ameisen und Käfern, und wenn die Verwanzung alter Wohnungen auch in den Städten Westeuropas keine Seltenheit ist, so verursacht die Fernhai hing des Ungeziefers unsern Hausfrauen in Palästina doch ganz besondere Mühe. - Eine sehr wichtige Krankheit im Lande bildet noch das Trachom, die ägyptische Augenkrankheit In den Strassen begegnen wir zahlreichen Blinden, hauptsächlich Arabern, mit den bekannten weissen Flecken, auf der Hornhaut, und nach einer neueren Arbeit im „British Med. Journal" ist Palästina das meist befallene Land der Er de. (843 Blinde auf