Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-02-01 · 5 (2.1936) · p. Seite 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
5 (2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 166 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3094266-3094426-3094431--5044-3099850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 166 Krankenhaus, Zuschauer: Alles jüdisch. Uebrigens: hier ist die Gegend, wo der Prophet Elischa im alten und Christus im neuen Testament ihre Toten belebten — für dläubige ein günstiger Heilort. Die Kupath-Cholim, eine freiwillige Krankenkasse der Histadrutb, die mit Familien 80,000 Mitglieder, also den vierten Teil der jüdischen Einwohner umfasst unterhält ausser dem Krankenhaus in Afule noch ein besonders schön gelegenes Sanatorium in Arsa an der Strasse Jerusalem - Tel Aviv und ein Erholungsheim in Haifa. — Zu diesen genannten allgemeinen Krankenhäusern treten dann noch einige spezielle Heilstätten für Tuberkulöse: alle in wunderbarer landschaftlicher Lage: Diejenige der Hadassah in Safed, ein Erholungsheim in dem früher erwähnten idyllischen Ejn Karim und eine private Anstalt in Gedera. — Ueber all diesen Krankenanstalten wird in kurzer Zeit die medizinische Fakultät unsrer Universität auf dem Skopusberg, die in Ausbildung begriffen ist, eine autoritäre; Spitze bilden. Neben den regulären Krankenstätten interessieren Gen europäischen Arzt, zumal wenn er aus der Nähe von Wiesbaden kommt, natürlich ganz besonders etwaige Kur- und Badeeinrichtungen. Und da sind von Alters her im heiligen Lande neben den Badeanlagen des Herodes in der Palmenoase von Jericho, die .heissen Quellen ATon Tiberias, die jetzt so genannten „Hot Springs'' berühmt. Bei einer Temperatur von 62° (Wiesbaden 65°) und einem sehr starken Schwefelgehalt besitzen sie von jeher einen grossen Ruf als Heilmittel bei Gicht und Rheuma. Die jetzigen Einrichtungen sind völlig veraltet, weisen aber trotzdem eine Zahl von jährlich 10000 Besuchern und 141000 Bädern auf, was etwa einem mittelgrossen europäischen Bade entsprechen würde. Und man prophezeit wohl mit Recht dem alten Tiberias, das mit seinen grauen Mauern am Seeufer und den syrischen Schneebergen im Hintergrund an die oberitalienischen Seen erinnert, nach der geplanten Modernisierung eine sehr grosse Zukunft als Badeort. Das auch im Winter warme Klima des unter Meereshöhe gelegenen Ortes, durch den See auch im Hochsommer erträglich, wird die Aussichten für Rheumatiker besonders günstig gestalten. Sollte unser Land für wärmesuchende Europäer nicht ebensolche Anziehungskraft ausüben können, wie' das benachbarte Aegypten? Dies zumal die warmen Salzbäder am toten M e e r im Winter und der herrliche Sand Strand von Tel Aviv im Sommer willkommene Ergänzungen bilden. Und das nahe Karmelgebirge mit seinen wunderbaren Ausblicken, mit seinen Sanatorien und Hotels, mit seinen Wäldern und Felsen bietet eine weitere Abwechslung. Das neue Sanatorium unsres früheren Mannheimer Kollegen Bodenheimer ist mit allen Neuerungen Europas versehen. Nun von den heissen Quellen zum Trinkwasser. Das Land gilt bekanntlich als wasserarm. Neuere Beobachtungen haben aber gezeigt, dass oft an ganz trockenen Stellen genug Wasser gefunden wird, wenn man nur genügend tief in den Boden vordringt, d. h. oft schon bei 30-40 m. Die Wälder sind durch jahrhundertlange forstliche Misswirtschaft abgeholzt, die Humusdecke der Berge abgeschwemmt, der poröse Stein zu Tage liegend Das Regenwasser versickert infolgedessen sehr schnell in die Tiefe, in den höheren Schichten fehlt jede Aufsparung. Es gilt daher, das Wasser aus der Tiefe zu heben. Das wird wohl der modernen Technik besser gelingen als den alten orientalischen Methoden, und dann wird voraussichtlich die altehrwürdige Zisterne, die das Regenwasser sammelt und aufspart, der Behälter auf dem Dach oder im Hofe, der jetzt im Lande für die Wasserversorgung so grosse Bedeutung hat, allmählich an Bedeutung verlieren. Mag man die Zisterne für landwirtschaftliche und technische Zwecke auch beibehalten, für Trinkwasserzwecke ist sie ungeeignet, da sie offen und allen Verunreinigungen zugänglich ist. Die für den Touristen so wichtige Frage, ob er das Trinkwasser ungekocht gemessen darf, entscheidet sich rein lokal. Wo es aus einwandfreien Leitungen kommt, kann er es natürlich genau so gemessen, wie zu Hause. Die Leitungen, der Städte Tel Aviv und Haifa sind, sota eit es oberflächlich beurteilt werden kann, gesundheitliehen Ansprüchen genügend. In den Siedlungen sind meist Brunnen gegraben, die an sich ein einwandfreies Wasser liefern würden, wenn nicht die Behälter oft undicht und Verunreinigungen zugänglich wären. So aber erfordert der Genuss des Wassers Vorsicht, und gewissermassen zum Zeichen dessen mahnen die zahlreichen Wassertürme, die überall in der Landschaft aus den hochgelegenen Siedlungen, weithin sichtbar und die Silhouette der Landschaft beherrschend, emporragen, an die Wichtigkeit des Nasses, das sie spenden. — Die arabischen Dörfer haben bisher fast ausschliesslich nur Zisternen. Eines der interessantesten Kapitel in der ganzen Weltgeschichte der öffentlichen Gesundheitspflege ist das der Wasserleitung von Jerusalem. In all den verschiedenen grossen hygienischen Ausstellungen, die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland stattfanden, von der ersten in Dresden an bis zur Gesolei in Düsseldorf, konnte man die Modelle der „Salomon'schen Teiche" studieren. Das sind grosse Sammelteiche, südlich vom alten Bethlehem in prachtvoller, einsamer Landschaft gelegen, die das Wasser aus nahen, hochgelegenen Quellen aufnehmen, es durch das in die offenen Teiche fallende Regenwasser ergänzen und heute, wie vor Jahrtausenden, nach der Hauptstadt leiten. Dort wird die Wassermenge weiter vermehrt durch den Siloa — und den Chiskiateich, durch die Leitungen im Kidrontal („Drachenbrunnen") und im Hinnomtal, sowie durch 34 Zisternen und Unterhöhlungen des Tempelbergcs. Dieses ganze System war miteinander verbunden durch Tunnele, Röhren und Felsenleitungen, von denen wir eine grosse Anzahl in der Nähe des Tempelberges besichtigen können, manche allerdings inzwischen zu andern Zwecken verwendet und durch ihre Namenbezeichnungen auf anderes hindeutend. Wenn wir von der Höhe des Tempelberges in die Friedhoflandschaft des Hinnom- und Kidrontales blicken, gebannt durch das sogenannte Absalomdenkinal, und die Schicksale der hier ruhenden Generationen überdenken, ist nicht der letzte Gedanke die Bewunderung für das ungeheure Wasserleitungswerk, das für die damalige Zeit sicher eine gewaltige hygienische Leistung war und, wenn man die viel schwierigeren Verhältnisse in Betracht zieht, den Aquäducten der römischen Kaiser an die Seite zu stellen ist. So versorgt denn, so wie wir in Rom heute noch das Wasser aus der alten kaiserlichen Leitung benützen, auch in Jerusalem heute noch die geschilderte Leitung die Bevölkerung mit Wasser. Freilich, den Ansprüchen von heute genügt die Einrichtung bei weitem nicht mehr, sowohl qualitativ wie' quantitativ. Für die, gerade in der letzten Zeit durch die neue Einwanderung wachsende Stadt liefern die beiden grossen Behälter in der Jaffastrasse nicht mehr die nötigen Mengen, trotz der zahlreichen ergänzenden Zisternen auf den Dächern und in den Höfen der Häuser und trotz der arabischen Wasserverkäufer in den Strassen, die aus ihren Schläuchen an die Armen, die' keine Leitung im Haus haben, einige Kannen voll für einen „Grusch" abgeben. Aber vor allem: die Qualität des Wassers entspricht den Anforderungen der modernen Hygiene in keiner Weise. Denn die Salomon'schen Teiche sind offen, jedem verunreinigenden Zufluss zugänglich, ebenso das Wasser in den Zisternen der Stadt. Daß in den Verkaufsschläuchen der Araber so manche Bakterienkolonie haust, kann man sich vorstellen. Es war daher ein tröstlicher Anblick für die Hygieniker bei der Fahrt von Tel Aviv nach Jerusalem, längs fast der ganzen Strecke die Röhren für die neue Leitung liegen zu sehen. Von der Jarkonmündung und von den reichen Quellen bei Ras* el Ejn wird das Wasser künftig durch 4 grosse Pumpwerke die 100 km lange SCHIFFSKARTEN nach allen Richtungen Vertretung für Frankfurt a M. des PALEST1NE und ORIENT LLOYD Reuterweg 71 Telefon 54461 ALFRED ADLER ö

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.