Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 5 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich. Bezugspreis für Gemeindemitglieder vierteljährlich 45 Rpfg. (einschl. Zustellungs- und Erhebungskosten). — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — Jahresbezug für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 3.- zuzüglich Porto. — Schriftleitung: Fahrgasse 146; Fernspreeher: SammelnummerH. 27544. — Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 33521. — Anzeigenverwaltung: M. Isaac & Co., Reineckstr. 17/19, Telefon: 24888. — Anzeigen nach Tarif. — Anzeigensehluss für die nächste Nummer: 28. Februar 1936 — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck uur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 14. Jahrgang Frankfurt a. M., Februar 1936 Nr. 5 Von einer Palästina-Reise Naturwissenschaftliches und Aerztlich-Hygienifiches von Obermedizinalrat Dr. Dreyfuss, Mainz. III. (Schluss). Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Ich konnte in Tel Aviv mit dem früheren Mannheimer Gemeindevorstand, Prof. Dr. Moses, das 50jährige Jubiläum unsrer ersten gemeinsamen jüdischen Vereinsgründung (Schülervereinigung) am Landauer Gymnasium, die u. a. sich auch mit der Sozialhygiene in der Bibel beschäftigte, und das 35 jährige unsrer ersten Arbeit mit Theodor SH e r z 1 in Basel feiern. Wir begingen die Feier mit sozialhygienischen Besichtigungen in Tel Aviv und mit der Planung meiner weiteren Besichtigung des Landes. Es ist wirklich kein Märehen mehr: Wenn heute irgendwo die Sozialhygiene der Juden besprochen wird, kann man unsrem damaligen stolzen „Es war einmal" ein noch stolzeres „Es ist" hinzufügen. Wenn auch natürlich Zahl und Umfang der entsprechenden Einrichtungen noch Lücken mancherlei Art aufweisen, die Art ihrer Durchführung ist meist einwandfrei. In der Kinderfürsorge der Hadassah in Tel Aviv mit ihren hellen Wänden, weissen Betten, freundlichen Schwestern, gepflegten Kindern glauben wir uns in unsern hier gewohnten Verhältnissen. Die kleinste, auch die finanziell kämpfende Kwuzah hat neben dem Küchen-, Speise-, Badehaus vor allem ihr Kinderhaus, in das der Besucher, auch wenn er Arzt ist, nicht ohne weiteres Einlass erhält, da er die Ruhe stört und Infektionen einschleppen kann. Zwar mag der Fremde die Aufzucht der Kinder durch die Mutter der Gemeinschaftserziehung vorziehen, er wird aber die Art, wie die Sache hier durchgeführt wird, anerkennen und die Gründe, die speziell hier dafür sprechen, verstehen. Vor allem gefällt uns die Vermeidung jener Verweichlichung in der Erziehung, die uns Hausärzte westeuropäisch-jüdischer Familien oft zur Verzweiflung brachte. Und schon die Tatsache, daß die Kinder überhaupt da sind und infolge des Zeugungswillens nicht jenen Seltenheitswert darstellen, wie in den letzten Jahrzehnten bei den Juden Westeuropas, zeigt uns den Wandel, der hier eingetreten ist. Die Schulhäuser in den Städten sind grossenteils gut, die Schulbaracken in den Siedlungen in ihrer Art genügend. Alles, wie schon gesagt, an Zahl noch lückenhaft. Wizo und Hadassah lassen 30,000 Schulkinder im Lande schulärztlich überwachen und der hebräische schulärztliche Tragebogen gleicht in seinen Fragen etwa dem aus unsrer eigenen schulärztlichen Tätigkeit gewohnten. — Auch in der übrigen Jugendfürsorge ist Vieles1 geschehen, ob wir nun nach Ferienheimen,. Kinder gärten, Krippen oder Axisbildungsstätten für Fürsorgerinnen fragen. Wie die Fürsorge, ist in den Siedlungen auch die ganze sonstige Lebensweise aiif gesunde, nicht verweichlichte Gewöhnung eingestellt. Diese Beobachtung ist gleiclimässig, ob wir von dem jungen Mannheimer Unna durch den strenggläubigen Kibbuz Rodges geführt werden oder ob uns jene 3 Bi-üder, die wir früher in ihrem Ludwigshafener Möbelladen kannten, in Givath-Brenner stolz und kraftstrotzend die kürzlich frisch eingetroffenen, nun von ihnen mitbehüteten 60 friesischen Kühe mit 2 Stieren zeigen, oder ob in Jagur unsre junge Verwandte, die ehemalige lustige Bonner Studentin, uns zu dem schmackhaften, bäuerlichen, hygienisch einwandfreien Abendessen einlädt. Bei den 300 Kindern des Kinderdorfes Ben Schemen Treuen wir uns besonders der strammen Disziplin, in der die Kleinen von ihren „Familienmüttern" und die Grösseren von ihrer „Selbstverwaltung" erzogen werden. Wie auch in Zukunft diese Art der kindlichen Selbstverwaltung erzieherisch mag gewertet werden, die Disziplin in Ben Schemen macht Eindruck. Ein anderes ehemaliges Kinderdorf, in dem sich Missbräuche herausstellten, wurde einfach aufgehoben, sodaß wir über das Durchgreifen der Aufsichtsstellen beruhigt sein dürfen. Was in dem alten Wallfahrerlande von alten Krankenhäusern aller Völker und Religionen vorhanden ist, steht nicht mehr ganz auf der Höhe. Die zahlreichen modernen Krankenhäuser aber können sich sehen lassen, von dem neuen evangelischen Krankenhaus in Jerusalem mit hebräischer Inschrift bis zu den neuen jüdischen Stätten. Von letzteren ist in Jerusalem das 1854 gegründete und inzwischen auf der Höhe gehaltene Rotschildhospital, sowie das, auch in Deutschland zahlreichen Freunden bekannte, Schaare-Zedek-Krankenhaus (gegenüber der Wohnung des sei. Rabbi Kuk), in Tel Aviv das Krankenhaus der Ihidassah, mit dein die früher erwähnten Fürsorge^inrichtungen verbunden sind, und das bekannte städtische Krankenhaus, das mit seinen 184 Betten dringend und anerkannt der Vevgrösserung bedarf, zu nennen, in Tiberias in der schönen Vorstadt Kiriath- Schmuel das auf National-Fonds-Boden stehende PetersSchweitzer« Krankenhaus der Hadassah. — Von ländlichen Krankenhäusern ist das der Kupath-Cholim für das Emek in Äfule das bedeutendste. In dem Strassengewühl dieses Verkehrs- Knotenpunktes mischen sich zwischen die Touristenautobusse, die schöngelegenen Strassenre=taurants, die aus den Städten nach den Siedlungen heimkehrenden Milchautos der „Th'nuva", vor allen Dingen die schönen Krankentransportwagen mit dem weithin leuchtenden „r o t e n M o gen D o v i d". Verletzter, Chauffeur.,