Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 4 (1.1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 142 stig weiterentwickelt, die Stimme ist weich und doch ausgiebig, das Timbre durchaus ansprechend. Auch im Vortrag spürt man stark persönlichen Ausdruckswillen, und es ist bei der Jugend des Künstlers wohl verständlieh, daß mitunter das Streben nach Charakterisierung etwas selbstherrlich vortritt. Obwohl Hans Assenheim an diesem Abend wegen Indisposition um Nachsicht bitten Hess, war seiner Wiedergabe von Kunstliedern Dvoraks, Gretschaninoffs und Tanejews und z. T. höchst reizvoller polnischer, tschechischer und ungarischer Volkslieder kaum eine Beeinträchtigung anzumerken, und er sang seinen Hörern sehr zu Dank. Dr. Willy Salomon gab, wie so oft, dem Klavierpart ausgeglichene künstlerisch vollwertige Formung. g. sch. Der Erzähler Karl Emil Franzos Einer anziehenden Persönlichkeit, die auf die viel frühere Zeit der Aufklärung und das „junge Deutschland" zurückweist und die vom Zusammenwirken „öst- und westlichen Geländes" ihre besondre Prägung erhalten hat, widmete Amtsrichter a. D. Dr. EduardSchreiber in der „Gesellschaftfürjüdische Volksbildung" einen interessanten, von Liebe und Verständnis erfüllten Vortrag, der auch in seiner knappen zeitlichen Begrenzung vorbildliches Mass hielt. Dr. Schreiber schilderte „Karl Emil Franzos, den Mann und sein Werk" (1848-1904) und sprach einleitend davon, wie ein Vorfahr des Erzählers, von Spanien vertrieben, in Lothringen eine neue Heimat gefunden (daher auch" der spätere Name!), wie sich die Familie dann nach Galizien gewandt und schon früh nach höherer westeuropäischer Bildung gestrebt habe. Karl Emil Franzos selbst wäre gern Philologe geworden, aber da das durch die Verhältnisse aussichtslos war, studierte er Jurispudenz und war — wie bereits sein Vater — Burschenschaftler. Seine Neigung hat später seinen Lebensweg doch bestimmt: er gab eine angesehene Zeitschrift „Deutsche Dichtung" heraus, veröffentlichte eine „Geschichte des Erstlingswerks", zu der u. a. C. F. Meyer und Fontane beisteuerten, und nahm sich des Werks des grossen Dramatikers Georg Büchner an. Obwohl er, selbst das östliche Ghetto mehr „als Zuschauer von.draussen" erlebt hatte, ist doch diese kleine Welt sein eigentliches literarisches Schaffensgebiet geworden, und er hat sie mit Liebe, Wärme und Humor in ihren kleinen und grossen Sorgen und Konflikten dargestellt. Sein eigenes „Erstlingswerk" erschien in „Westermanns Monatsheften", nachdem ein Kedakteur vorher geäussert hatte, so etwas Schlechtes habe er noch nie gelesen. Auch „Die Juden von Barno w", die später in 16 Sprachen übersetzt wurden und ein grosser Erfolg waren (in ihnen steht u. a. die grossartige Erzählung „Der Shylok von Barnow") sind zuerst von 17 Verlegern — abgelehnt worden! Sein Roman „Kampf ums Recht" trägt denselben Titel wie die berühmte Schrift des grossen Juristen I h e r i n g, und dieser selbst rühmt Franzos' Werk „erschütternde Kraft" nach und stellt ihn in eine Reihe mit Kleists gewaltiger Erzählung „Michael Kohlhaas". — Der Vortrag wurde mit Interesse angehört und mit starkem Beifall gedankt. g. sch. i t ~ \ \ \ZA>-n I •jL^-tSö-^M *1 il^t'S^t^H lli^^fTl FT^^^'*t\ k^veo^r^j ft.icl\- ^^^^^■^^^^^P^^^^l Buc hdaVd Safelgerite fd)tt>er Derfilbert $teftecke 25 jabr. ©otantte Stlberroarett ^3fdl=(£I)rom 9Kobefd}nm(& ©efd)en&e Louis4 Simon <V"*r> KAISERSTRASSE *f Altbekannt & gute Kofferu.Lederwaren zu niedrigen Preisen ist Loewenherz goetbestr. % Gegründet 1881 Mitglieder bis 75 Jahre alt, werden aufgenommen ohne ärztliche Untersuchung in der Krankenkasse des Beamten- und Nittelstandes zu Köln, V. a. G. Gegr. 1888 Büro: Schillerplatz 5-7 Tel. 23922 Vertreter: Willy Rosenau, Elkenbachstrasse 29 Kein Jude darf notleiden! Die Jüdische Winterhilfe muff helfen! ^rühjahrskleidung §eigtjetzt schon im Stoff, im Schnitt, im ^arbenton QesSmadcooll, Sic und oott ^Noblesse in ihrem Fenster die ^irma DAMEN.MODEN Albert Tintner GOETHESTR. 1 TEL. 29660 Wellblechkonstruktionen Garagen * Stahltore rahrraasfänder* Regale WolfNetter&Jacobi-Ulerke Frankfurt a. M. Tel. 30026 Taunusstr. 5 Ihr jiid. Friseur Dauerwellen, Haarfärben Parfumerie-Ausschank erstklassige Bedienung zeitgemäße Preise UJE1NGPRTNER BßUfDÜJEG ECKE GRUSSTRRSSE