Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 4 (1.1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14i sehen Volkes fühlen. Deshalb haben wir mit den Menschen, mit denen wir sprachen, nicht nur von Geld gesprochen, sondern von der Zukunft Erez Israels. Nur langsam ist es uns gelungen, deutlich zu machen, daß dieser Aufbau ein Aufbau des eigenen Heims sein werde. Heute wissen wir, daß das junge Palästina eine von uns allen kaum erwartete soziale Kraft ausströmt und sehen insbesondere eines: Dieses Land und sein Jisclniw unterscheidet sich von allen anderen indischen Situationen in der Weit entscheidend dadurch, daß man hier auf neue Menschen wartet, daß die Arme der Juden weit geöffnet sind und das Lebensinteresse der jüdischen Gemeinschaft hier mit einer Verbreiterung ihrer Basis in dem gleichen Masse verbunden ist, wie tragischerweise oftmals das Lebensinteresse der anderen Teile der Judenheit darauf begründet ist, daß sich ihre Zahl nicht vergrössern darf. Palästina verlangt nur eines, daß man die kulturelle Notwendigkeit des Jischuw beachtet und sich möglichst bald ihm wirklich einfügt. Deshalb wenden wir uns in diesen Tagen an die Juden Deutschlands mit der Forderung, ihre Steuerpflicht Palästina gegenüber zu erkennen und in ihren Leistungen für den KH. zum Ausdruck zu bringen. Wir werben für die Aufrechterhaltung und Vergrösserung der Tätigkeit der Institution für die Ansiediung deutscher Juden. Dieses Ansiedlungswerk hat unser Beitrag zum Aufbau Palästinas zu sein und die Aktion für uns selbst, für uns deutsche Juden, die uns gestattet ist, muß ihren eigennützigen Anschein dadurch verlieren, daß wir uns in unserer Arbeit leiten lassen von den Notwendigkeiten de,- Gesain tauf baus. In diesen Tagen mannigfacher wirtschaftlicher und politischer Schwierigkeiten im vorderen Orient müssen wir wissen, daß die Fundamente dieses Aufbaus aus Gründen unseres dringendsten Lebensinteresses stabile und gesicherte sein müssen. Deshalb muß das Werk von der aktiven Anteilnahme aller Juden getragen sein, die spätestens in diesen Tagen gelernt haben müssen, daß man auf die täglichen Erfahrungen unseres Lebens auf würdige Weise mit einer sozial-konstruktiven Tat reagiert. Ae. P. Zu meinem 75. Geburtstag sind mir so zahlreiche Beweise der Freundschaft zugegangen, daß es mir nicht möglich ist, jedem persönlich so zu danken, wie ich gern möchte. Darum bitte ich, auf diesem Wege meinen innigsten Dank für all die Liebe, die mir erwiesen wurde, entgegenzunehmen. RABBINER DR. SELIGMANN Judas Makkabäus Aus technischen Gründen können wir die Aufführung des Oratoriums „Judas Makkabäus" unter der Leitung von Dr. Nathan Ehrenreich erst in der kommenden Nummer unseres Gemeindeblatts würdigen. Heute soll an dieser Stelle vorweggenommen werden, daß die ausgezeichnete Aufführung, die mit grösster Hingabe aller Beteiligten an das schwierige Werk zustande kam, nachhaltigen und tiefen Eindruck bei dem Publikum, das die Westendsynagoge bis auf den* letzten Platz füllte, hervorrief. Kammermusik-Abend des Kulturbund-Streichquartetts Die Erfahrung, daß Kammermusik nur eine relativ kleine Schicht der Musikinteressierten anzuziehen vermag, scheint sich im jüdischen Konzertleben Frankfurts nicht zu bestätigen. Der jüngste Abend des Kulturbundquartetts sah den grossen und kleinen Saal des Vereinshauses dicht gefüllt mit einem Publikum, das der anspruchsvollen, weil ganz nach innen gerichteteten Kunstgattung volles Verständnis entgegenbrachte. Basserm a n n und seine Spielgemeinschaft, die Herren Drucker, Ka r p und S c h u y e r, statteten den Dank für die offensichtliche Vergrösserung ihrer Hörergemeinde durch ein lebendiges und anregendes Musizieren ab. Die den Wiener Klassikern gewidmete Vortragsfolge zeigte — ein besonderer Genuß für den geschulten Konzertbesucher! — die Entwicklung auf, die der Form des Streichquartetts bei jenen Meistern zuteil wurde. Von Haydns durchsichtigem, knapp gearbeitetem Frühwerk in E über Mozarts melodiegesättigtes C-Dur-Quartett — der denkbar, reimten Verwirklichung des kammermusikalischen Streichersatzes — zu Beethovens orchestralgeweitetem „Harf enqüartett"— welch eine ungeahnte Bereicherung der kompositorischen Mittel und des Inhalts! Und doch: wir sind, entgegen früherer Anschauung, geneigt, diesen Weg nicht im Sinne eines „Fortschritts" zu deuten, sondern jede Etappe als in sich beruhendem, nicht überbietbarem Höhepunkt zu betrachten. Manchem wird Mozarts über den Dingen schwebende Musik mehr geben als die vom ringenden und kämpfenden Individuum erfüllte Kunst Beethovens..... Die Wiedergabe stellte bei allen drei Stücken das Wesentliche stilgerecht und eindringlich heraus. Vom Standpunkt der Werkidee aus schien uns der so ganz gelöst und überlegen hinmutizierte Haydn am besten gelungen. Der feinhörige, noble Primgeiger Bassermann versteht es, seine künstlerisch so verschiedenartig profilierten Quartettgenossen bereits in hohem Masse einem aufs Ebenmässige, „klassisch". Abgeklärte gerichteten Spielwillen dienstbar zu machen. Der reiche Beifall entsprach der Grösse der Leistung. Dr. E. Konzert auf zwei Klavieren Wie schon wiederholt, bekundeten Alice Rosenbaum und Dr. Willy Salomon, die im kleinen Saal des Vereinshauses auf zwei Klavieren konzertierten, das anerkennenswerte, ehrenvolle Bestreben, „der Gewohnheit träge Geleise" zu meiden und ihr Programm durch neuere Tonschöpfungen, an denen gerade diese Gattung nicht allzuviel aufzuweisen hat, zu bereichern. Der mitwirkende Pianist, als Begleiter und Spieler längst anerkannt, war auch diesmal als Komponist vertreten: von ihm stammt ein düster gehaltenes, breit ausgesponnenes Opus, das nach den interessanten weichen Eingangstakten stark ins Grüblerische gerät (Präludium und Fuge in Fis-moll) und eine Bearbeitung des schönen Johann Strauss'schen „Schatz-Walzer" aus dem „Zigeunerbaron". Rosy Geiger-Kullmann ist die Autorin einer kleinen, sehr liebenswürdigen einfachen „Suite." im alten Stil, die die beiden Spieler in gelockertem Anschlag ansprechend zu Gehör brachten. In dem bekannten „Andante und Variationen" von Kobert Schumann, die den Abend eröffneten, hätte man dieser durchaus romantischen Musikmehr dynamische Abtönung gewünscht — im Uebrigen sind! Alice Rosenbaum und Willy Salomon gut aufeinander eingespielt, und es fehlte ihnen nicht an herzlichem Beifall. Dieser galt auch den beiden Komponisten und Alice Rosenbaum für ihre beiden Solostücke, die klar entwickelte, technisch ausgezeichnet bewältigte g-moll Ballade Chopins und das etwas zu unsentimental angefasste „Rondo Capriccioso" Mendelssohns. g. sch. Dela Lipinskaja Die Konzertdirektion Hermann Koch hatte Dela Lipinskaja für fünf Konzerte verpflichtet. Fünfmal waren die Säle des Vereinshauses Eschersheimerlandstrasse von einem Publikum gefüllt, das Freude und Entspannung von der Künstlerin erhoffte. Dela Lipinskaja ist mit neuem Programmnummern gekommen. Zu Volksliedern und Chansons hat sie auch einige Stücke mit jüdischer Note gefügt. Wiederum bewährte sich die beispiellose Grazie des Vortrags und der Mimik, das Vermögen, Texte zu gestalten, der Charme einer Begabung, die ohnegleichen ist. Das Publikum hatte allen Grund, der Künstlerin begeistert zu danken. Sie hat ihm mit den Mitteln ihrer Kunst Vergessen des Alltags gebracht. Dela Lipinskaja, die zu manchen Zugaben sich bereitfinden musste, zählt unter die jüdischen Künstler,'deren Wirken wir in diesen Tagen umsomehr schätzen, als wir für jede Möglichkeit dankbar sind, die dem jüdischen Publikum Aufmunterung bringt. Dr. Max Lamm war der Künstlerin ein ausgezeichneter begleiter am Flügel und betätigte sich solistisch in den Pausen, h. Slavischer Abend bei den jüdischen Tonkünstlern Einen Ausschnitt aus dem weiten Bereich der slavischen Musik bot ein anregendes Mittwoch-Konzert der jüdischen Tonkünstler. Hans Assenheim, der künstlerische Leiter dieser Abende, war diesmal selbst der Voi"tragende; da seine gesanglichen Leistungen in letzter Zeit öfter in diesen Blättern gewürdigt wurden, darf sieh der Referent an jenes Hamlet-Wort halten, das in dem Konzert selbst erfreulicherweise befolgt wurde: „Kürze ist des Witzes Würze". Hans Assenheims Bariton hat sich in jüngster Zeit gün-