Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 4 (1.1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 136 Dr. jur. Hugo Hoffmann Oberlindau 51 Tel. 76655 Versicherungen aller Art len, weiter folgt Sowjetrussland mit 4 742, die Tschechoslowakei, Österreich, Rumänien, Ungarn. Eine andere Zählung: Reichsinländer, d. h. deutsch r Staatsangehörige jüdischen Glaubens waren am Stichtag der Volkszählung 400935, Reichsausländer, d. h. fremde Staatsangehörige und Staatenlose 98 747. Dies bedeutet 19,8% der gesamten Juden in Deutschland gegen 13%> der Gesamtbevölkerung. Darunter waren 56 480 Polen, d. s. 38,1% der im Reich überhaupt lebenden Polen, 4647 waren Oesterreicher, 4275 Tschechoslowaken, 2280 Ungarn, 2210 Rumänen, 1650 Sowjetrussen und 1604 Holländer. Staatenlos waren 19746, d. s. 4% der Juden und 22,3% der im Reich überhaupt lebenden Staatenlosen. In diesen Ziffern sind die später erfolgten Ausbürgerungen natürlich nicht enthalten. 30 Jahre Gesamtarchiv von Dr. Guggenheim, Offenbach a. M. Im Verwaltungsblatt des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden veröffentlicht der derzeitige Leiter des Archivs, Dr. J. Jacobson, einen Aufruf. Alle Gemeinden, die nicht eigene Räume oder Museen für ihre alten Akten und sonstigen Materialien unterhalten, kann nur dringend geraten werden, ihre Akten dem Gesamtarchiv anzuvertrauen, dem der Unterzeichnete schon seit vielen Jahren verbunden ist und dessen fruchtbringende Arbeit er zu beobachten in der Lage war. Die Adresse des Gesamtarchivs in Berlin ist Berlin N 24 Oranienburgerstrasse 28. In dem obenerwähnten Aufruf, der gelegentlich des 30jährigen Bestehens des Gesamtarchivs veröffentlicht wurde, schreibt Dr. Jacobson über dieses Archiv: „Ihm wurde bei seiner Gründung die Aufgabe gestellt, die Urkunden und Akten der jüdischen Gemeinden, Vereine und Organisationen Deutschlands zu sammeln und zu sichten. Durch Aufbewahrung in einem zentralen Archiv sollten diese Dokumente der Vergangenheit vor der Vernichtung und Zerstreuung gerettet, durch planmäßige Bearbeitung sollte ihre Ausnutzung für Zwecke der Wissenschaft und der Verwaltung ermöglicht werden. Etwa 400 jüdische Gemeinden haben bisher ihre Akten dem Gesamtarchiv anvertraut. Die Aktenbestände stammen z. T. aus Gemeinden, die heute nicht mehr existieren oder wie viele Gemeinden der ehemaligen Provinzen Posen, Westpreußen und Oberschlesien, heute nicht mehr zum Deutschen Reiche gehören. Die jüngste Vergangenheit hat das Gesamtarchiv mitten hinein in das Leben des Tages gestellt. Als im Gefolge der neuen Gesetzgebung ein Zurückgreifen auf alte Akten, auf weit zurückliegende Verzeichnungen von Geburten, Heiraten und Sterbefällen notwendig wurde, haben unzählig viele die Früchte der stillen und emsigen Sammeltätigkeit des Gesamtarchivs genießen können. Um der plötzlich herandringenden Fülle von Arbeit gerecht zu werden, sah das Gesamtarchiv sich gezwungen, seine Auskunftsmittel ständig zu vervollständigen, sein Listenmaterial übersichtlich aufzuarbeiten und zu vermehren. Es darf gerade an dieser Stelle ausgesprochen werden, daß die jüdischen Gemeinden das Gesamtarchiv in diesem Bestreben jederzeit (z. B. anläßlich einer Rundfrage über Personenstandsregister) verständnisvoll unterstützten. Das Gesamtarchiv hat sich nicht darauf beschränkt — und das erweist sich gerade jetzt von Nutzen —, nur Gemeinde- und Vereinsakten zu sammeln, es hat sich darüber hinaus bemüht, auch sonstige urkundlichen und inschriftlichen Materialien heranzuziehen, die jüdische Verhältnisse betreffen und insbesondere für die Erforschung der jüdischen Personen- und Familiengeschichte von Bedeutung sind. So sind ganze handschriftliche Nachlässe, Briefsammlüngen, Familienpapiere, Stammtafeln und Mohelbücher ins Gesamtarchiv gewandert. Auch geschlossene Sammlungen von Thorawimpeln haben ihre Aufbewahrung im Gesamtarchiv gefunden, da ihre Aufschriften in vielen Fällen von unschätzbarem geschichtlichen Wert sind. Das Gesamtarchiv, ursprünglich gegründet und unterhalten vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und der Großloge sowie einigen Groß gemeinden, ist jetzt auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt worden. Nunmehr sind die Berliner Jüdische Gemeinde, der Peußische Landesverband und die Reichsvertretung Träger des Gesamtarchivs. In dieser Neuordnung drückt sich der Wunsch und das Vertrauen aus, daß das Gesamtarchiv auch weiterhin dazu bestimmt und befähigt ist, alle historisch wichtigen Archivmaterialien aufzufangen und nutzbar zu machen, die im Laufe der jüngsten Entwicklung in jüdischen Gemeinden, bei jüdischen Vereinen und Einzelpersonen frei werden und rechtzeitige Erfassung bedürfen. Das Schicksal, das uns allen jetzt wieder die Verknüpfung mit unserer Vergangenheit eingeprägt hat, ist dazu angetan, auch weitesten Kreisen das Verständnis dafür zu vermitteln, wie sehr die Unterstützung der Arbeit des Gesamtarchivs im allgemeinen Interesse liegt. Es darf daher mit Sicherheit damit gerechnet werden, daß nicht nur die Gemeindevorstände, die Rabbiner und Lehrer, sondern jeder einzelne Jude durch schnelles Zugreifen und durch Ueberführung der so geretteten Akten und Geburts-, Heirats- und Sterberegister in das Gesamarchiv dafür sorgt, daß die Spuren jener Gemeinden nicht verwehen, die in unseren Tagen dem Auflösungsprozeß verfallen. Mit dieser drängenden Gegenwartsaufgabe wird für die Zukunft vorgearbeitet und, wohin auch immer den einzelnen sein Geschick treiben mag, jene zeitenüberwindende Einheit hergestellt, die den einzelnen an die Vergangenheit seines Geschlechts und seiner Gemeinschaft anschließt." DEUTSCHE EFFECTEN,UND WECHSEUBANK Konstabier Wache Allerhelllgenstrasse 89 Osthafen Hanauerlandstrasse 125 Bockenheim Leipzigerstrasse 50 vormals L A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seit 1872 FRANKFURT AM MAIN Kaisersfrasse 30 Individuelle Beratung Auch in den Städten: Höchst a. M. Dalbergsfrasse 3 Offenbach a. M. Frankfurierstrasse 54