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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-01-01 · 4 (1.1936) · p. Seite 135

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
4 (1.1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 135 (sequence 5)
Language
German
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Seite 135 ob Gefühle und Willensrichtungen, mit denen man an eine Aufgabe geht, im Fortschreiten ihrer Verwirklichung bleiben oder sich ins Gegenteil kehren, ob nicht, was im Anfang begrüsst, dann später verworfen wird, ob nicht, was zuerst als Wohltat empfunden und gedacht ist, dann später Plage ist und mit Streit endet. Eine andere Deutung geht davon aus, daß H3D „Dornbusch" im Klang des Wortes an „hassen" anklingt: „Der Heilige, gelobt sei er, sagte, wegen des Hasses, mit dem die Brüder Josef verfolgten, kam Israel nach Ägypten, und um seinetwillen offenbare ich mich im Dornstrauch und erlöse es, so heisst es (Ps. 77,16) „Erlöst hast du mit starkem Arm dein Volk, die Kinder Jaakobs und Josefs, Sela". — Der Sinn? Aus dem Hass, mit dem ein Volk umgeben ist, wächst Gottes Erlösungstat an ihm heraus, um des Hasses willen muß es erlöst und zu freiem Leben gebracht werden, das ist der innere Sinn des göttlichen Waltens, das das Geheimnis seines Anrufes. Und zugleich wird, wie so oft in der Midraschdeutung, das Volk mit seinen Urvätern gleichgesetzt, und der längst dem Erdenleben Entrückte wird in die lebendige Gegenwart und in das Bewusstsein der heute Lebenden eingeführt, Vergangenheit und Gegenwart in eins gesetzt. Und wiederum eine andere Deutung: „Wie am Dornstrauch Dornen und Eosen sind, so sind auch in Israel Frevler und Fromme". Ein Doppeltes birgt sich in diesem kurzen Sätzchen. Ein mal der Hinweis darauf, dass nichts in der Welt nur Schlechtes an sich hat, daß an allem auch eine gute Seite ist; und dann ein Hinweis darauf, dass die Einheit des Ganzen Gute und Böse umschliesst, dass der Fromme sich nicht als das einzig berechtigte und rechtmässige Glied des Ganzen empfinden darf, und dass einer für den anderen einstehen muss, sie beide bilden die Eigenart des Baumes. Das Auffallende an der Erscheinung im Dornstrauch war, daß er in heller Lohe stand und doch nicht verzehrt ward. Für den Midrasch ist das ein starkes Symbol:,, Darum zeigte ihm der Heilige, gelobt sei er, lohendes Feuer, das nicht verzehrte, das sollte sagen, wie der Dornstrauch im Feuer loht und nicht verzehrt wird, so werden auch die Ägypter Israel nicht vertilgen können". Dann also ist das Feuer des Leidens ein solches, das läutert und Schlacken wegschmilzt, das hart macht, damit der gehärtete Stamm dauert. Derbrennende Dorn ist so ein Symbol von Israels Gang durch die Zeiten. Altersschichtung der Juden in Deutschland von Lothar Bauer Die Ergebnisse der Volkszählung 1933, soweit sie die Juden betreffen, werden erst jetzt weiter stückweise bekanntgegeben. Sie sind heute zwar schon weitgehend überholt, aber sie zeigen doch immr wieder symptomatische Züge, die auf die Struktur des deutschen Judentums gewisse Rückschlüsse erlauben und die insbesondere auch wichtige Erkenntnisse für die sozialen Aufgaben gehen können, vor die die jüdischen Gemeinden in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten gestellt sind. Das vor kurzem erschienene Statistische Jahrbuch für das Deutsche Eeich von 1935 enthält auch einige bisher noch nicht bekannt gewordene Auszählungen über die berufliche Gliederung der, wie es bisher zum ersten Mal heisst, „Glaubensjuden" im Deutschen Reich, über Gebürtigkeit und Staatsangehörigkeit, schließlich über Alter und Familienstand. Die aus diesen Ziffern zu gewinnenden Erkenntnisse sind, wie erwähnt, beschränkt, denn die gewaltige Umwälzung, in der sich das deutsche Judentum heute befindet, hat seit dem 16. Juni 1933 wesentliche Korrekturen gebracht. Unsere graphische Darstellung bestätigt die hier schon öfters erörterte Tatsache des Zurückbleibens der Geburtenziffer der deutschen Juden hinter der allgemeinen Bevölkerungszahl und damit eine sehr starke Ueberalterung der jüdischen Gemeinden. Die Angaben, welche die Reichsstatistik liefert, sind offenbar zu bestimmten Zwecken zusammengestellt worden, insbesondere für Schule und Wehrpflicht, sodass die Atersschichtungen nicht in regelmässigen Abständen aufeinanderfolgen. Immerhin aber geht aus der Zeichnung, welche im linken Teil den Aufbau der männlichen, im rechten der weiblichen Bevölkerung enthält, hervor, daß der prozuentale Anteil der Juden innerhalb der Gesamtbevölkerung in den jüngeren Jahren, d. h. bei Frauen bis 45, bei Männern bis 25, erheblichunterdem Du r c hschnitt liegt, daß dagegen über dieser Grenze die Juden prozentual viel stärker vertreten sind. In der Darstellung bedeutet die schraffierte Fläche den jüdischen Prozentsatz, die weisse Fläche den allgemeinen. Wenn also in den jungen Jahren die schraffierte Fläche hinter der weissen zurückbleibt, so bedeutet das, daß der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung, der auf diese Lebensalter entfällt, geringer ist als der der gesamten; umgekehrt ist es in den hohen Lebensaltern. So befinden sich unter 100 Personen der Gesamtbevölkerung 9 im Alter unter 6 Jahren und 14 im schulpflichtigen Alter von 6 bis 14 Jahren. Unter 100 Juden sind aber nur 4,9 Personen zwischen 0 und 6 und 11 Personen zwischen 6 und 14 Jahren. Zwischen 14 und 16 Jahren sind die Zahlen 2 (allgemein) und 1,4 (Juden), zwischen 16und 20 5,8 und 4,1 und zwischen 20 und 25 9,5 und 6,9. Erst von hier an ändert sich die Relation. Zwischen 25 und 45 Jahren sind 32% der Gesamtbevölkerung und 32,1 der jüdischen; zwischen 45 und 65 20,7 der allgemeinen und 29,1 der jüdischen, über 65 Jahre schließlich sind die Zahlen 7 und 10,5%, d. h. bei den Juden sind vergleichsweise anderthalb Mal so viel Personen über 65 Jahre als bei der Gesamtbevölkerung. Dabei ist hei den beiden oberen Alters-Gruppen noch ins Gewicht fallend, daß die Zahl derFrauen wesentlich grösser ist, als die der Männer: zwischen 45 und 65 Jahre sind 69 769 Juden männlichen und 75 777 weiblichen Geschlechts, über 65 Jahre 21 931 und 30 716. Noch deutlicher wirkt sich diese unterschiedliche Geschlechtsentwicklung aus in der Zahl der G e s c h i «- denen und Verwitweten, die zusammenge'.asst ist. Von 100 der Gesamtbevölkerung fallen darunter 6,9, von Juden llrl. Wenn wir aber die Geschlechter trennen, so ist bei der Gesamtbevölkerung die Zahl der Männer 3,7 von Hundert, bei den Frauen 10 v. H. Bei den Juden sind aber 5,1% Männer verwitwet oder geschieden und 16,5% Frauen. Entsprochend den geringen Anteil der Juden an den jungen Altersgruppen sind bei diesen nur 44,4 % ledig gegen 49,2 der Gesamtziffer. Von den rund 500 000 (genau 499 682) Glaubensjuden der Volkszählung sind 379 000, d. h. 75,9 v. H., im Deutschen Reich geboren, darunter 38919 Reichsausländer. Weitere 46 550 kamen in den abgetretenen Gebieten auf die Welt. Im übrigen Ausland sind 73 206 geboren, darunter aber 16000 als deutsche Reichsangehörige. Der grösste Teil dieser im übrigen Ausland geborenen 73 206 Juden, nämlich 47159, stammt aus Po-

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