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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-01-01 · 4 (1.1936) · p. Seite 137

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
4 (1.1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 137 (sequence 7)
Language
German
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Seite 137 Sofie ROSSbaCh Kaiserstrasse 25 Damenhüte \n Leistung stadtbekannt _ In Preisen zeltgemäB Damenmoden Qualität ist kein Luxus Männer lernen kochen von Dr. Eduard Schreiber Die Zeiten, in denen die Hilfe des Mannes im Haushalt eine belächelnswerte Angelegenheit war und der Ehegatte mit Kochlöffel und Schürze nur eine Lustspielfigur, sind vorüber. Für viele Haushaltungen, die sich schon jahrelang ohne Hausangestellte behalfen, sind nicht erst durch die Nürnberger Gesetze Probleme entstanden. Die eigentliche Schwierigkeit begann in diesen Haushalten erst dann, wenn durch Erkrankung oder Abwesenheit der Frau das Funktionieren des Haushalts in Frage gestellt war. Den Tisch zu decken, eine einfache Abendmahlzeit zu bereiten, eine wichtige häusliche Besorgung vorzunehmen, ist schon lange für viele Männer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Die Verhältnisse der letzten Jahre haben die Schwierigkeiten verschärft. Oft war es nicht möglich, selbst in dringenden Fällen eine Hilfe für den Hanshalt auch nur für kurze Zeit zu erhalten. Die Zubereitung der Speisen ist die wesentlichste Hausarbeit, die nicht aufgeschoben werden kann, während jede andere Hausarbeit, wie z. B. Reinigen und Abstauben, auch mal einige Tage ruhen kann, ohne dass das Hauswesen dadurch empfindlich leidet. Es ist durchaus wünschenswert, dass wir Männer uns um den Erwerb von Kochkenntnissen bemühen und die dafür bestehenden öffentlichen und privaten Gelegenheiten benutzen. Man lasse sich nicht durch Anfangsschwierigkeiten entmutigen. Woher soll man von vorneherein wissen, daß ein Beefsteak nicht paniert werden darf und daß Kartoffelklösse erst dann fest werden, wenn man den Teig mit Eiern vermischt? Es wird auch hier und da einen verkohlten Braten, statt des geplanten Schokoladenpuddings eine Schokoladenbrühe und öfters unerwünschte Mehlklümpchen in Suppen und Saucen geben. Lehrgeld muss eben gezahlt werden. An der Notwendigkeit des Kochens kann kein Zweifel bestehen. Doch wage ich aus eigener Erkenntnis zu behaupten, daß es sich hier nicht um eine Musstätigkeit handelt, sondern dass der Lernende höchste Befriedigung empfindet gleichgültig, aus welchem Beruf er kommt. Die Kenntnis der Gemüse, der Zutaten, der Fleischsorten — hier wäre auch ein Anschauungsunterricht in einer Metzgerei empfehlenswert —, die Beobachtung des Kochvorgangs auf die Speisen, die unbedingt nötige Konzentration und Ueberlegung, die Kenntnis des Kochbuchs, die aber nie zu einer sklavischen Abhängigkeit werden darf, die Betätigung des Geruchs- und Geschmackssinns, die Beobachtung ästhetischer Regeln beim Anrichten der Speisen bieten eine hervorragende Abwechslung und Anregung für jeden, der nicht ganz stumpfen Sinnes ist. Mancher Mann, der aus dem Büro nach Hause kommt und fragt „Warum ist das Essen noch nicht fertig?" wird die Tätigkeit der Frau mit grösserer Achtung respektieren. Für viele Männer, deren Leben heute ein vollständiger Leerlauf ist, die mit spätem Aufstehen, Zeitungslektüre und Kaffeebesuch ihre Zeit totschlagen, wird hier eine treffliche Arbeitsmöglichkeit geschaffen. Zugleich führt diese Tätigkeit dadurch, dass die Hausfrau entlastet oder ihr überhaupt erst die Möglichkeit zu beruflicher Tätigkeit gegeben wird, zu einer erfreuenden seelischen Befriedigung. Sie verstärkt das Gefühl der Kameradschaft im schwersten Lebenskampf. Und warum soll auch der Mann nicht einmal praktische Nachbarhilfe bei Freunden ausüben? Und sollte die Notwendigkeit sich ergeben, Deutschland zu verlassen, so sind auch dann diese Kenntnisse nicht wertlos. Sie machen denjenigen, der sie beherrscht, „exportfähig", denn in jedem Land wird die Möglichkeit bestehen, für sich und befreundete Menschen einen Privatmittagstisch zu schaffen, der wenigstens in der ersten Zeit über schwierige Verhältnisse hinweghelfen kann. „Bereit sein ist alles" dieses Shakespearewort steht heute vor jedem von uns. Eines nur wollen wir: tätig sein und leben, nicht resignieren und verzweifeln, lähmende Passivität überwinden. Viele Wege führen zu diesem erstrebenswerten Ziel. Einen habe ich hier aufgezeigt, und ich bin überzeugt, dass diesen Schritt keiner bereuen wird. Makkabäertag des Philanthropins „Die jüdische Schule ist noch ganlicht da; sie wird — vielleicht einmal — geboren werden.". Dieses vor wenigen Tagen veröffentlichte Wort eines jüdischen Pädagogen an verantwortlicher Stelle mag hier für manche gleichgerichtete Urteile stehen. Die programmatische Gestalt, die Oberstudiendirektor Dr. Driesen dem seit 1921 traditionellen Makkabäertag des Philanthropins in diesem Jahr verlieh, sollte unverkennbar dazu dienen, die an den Anfang gestellte These durch die pädagogischeTat zu widerlegen. Ob dies in jeder Hinsicht gelungen ist, bliebe noch zu erörtern. Der Mut zur Verwirklichung, den alle Teile des umfangreichen Programms spüren Hessen, hatte nichtsdestoweniger etwas unerhört Befreiendes; denn er zeigte, dass in diesem Anfangen trotz aller notwendigen Ungeklärtheit des Bildungsziels vielleicht die einzgie Verantwortung liegt, die clor jüdische Pädagoge in Deutschland zur Zeit trägt. Gegenüber den sichtbar gewordenen ausserordentlichen erzieherischen Bemühungen kommt es daher weniger darauf an, ob man dem von dem Leiter der Schule in der einleitenden akademischen Feier entwickelten Bildungsprogamm in allem folgen kann.- Bei klarster Erkenntnis der sachlichen Erziehungsaufgaben konnte sich diesem Bildungsprogramm im Ideologischen nicht zwischen Universalismus („Judentum als Messias der ganzen Menschheit") und jüdischem Nationalismus („die Chanukkahymne als Marseillaise des Judentums") entscheiden. An die akademische Feier, die von eindrucksvollen Vorträgen des durch ein Schulorchester verstärkten Chors (Leitung Frank Rothschild) umrahmt war, schlössen sich sportliche Darbietungen des Sportvereins Philanthropin, die auch abgesehen von der sportlichen Höhe der Leistungen um deswillen besonderes Interesse beanspruchen durften, als es sich um den einzigen jüdischen Jugendsportverein innerhalb Deutschlands handelt. Der dritte und vierte Abschnitt der Gesamtveranstaltung (Ausstellung „P a 1 ä s t i n a k u n de" und „Abend 1 ebender Sprache n") waren ausschließlich denjenigen Aufgaben gewidmet, die dem Erzieher durch den auf einem unbestimmbar grossen Teil unserer Jugend lastenden Auswanderungszwang gesetzt sind. Dem „Abend lebender Sprachen" dürfte wohl die wesentliche erzieherische Bedeutung zugekommen sein. Das in der Ausstellung ausgebreitete palästinakundliche Material darf als Lehrmittelsammlung sicherlich nicht unterschätzt werden. Soweit sich die Ausstellung an den weniger an den Erziehungsmitteln al8 am Erziehungse r ge b n i s interessierten Aussenstehenden wandte, hätte man vielleicht wünschen können, daß durch Arbeiten der Schüler deren eigene Beziehung zu Palästina stärkeren Ausdruck gefunden hätte. Wie einer solchen inneren Beziehung zu Palästina der Erwartung des Aufstiegs, stärkerer und doch auf das Kindergemüt abgestimmter Ausdruck verliehen werden kann, ist dagegen in dem wohlgelungensten Teil des Sprachenabends, in den von Mädchen der unteren Lyceumsklassen aufgeführten Scenen in Iwrith beispielhaft gezeigt worden. Es mag ein Gutteil dieses Eindrucks darauf beruhen, daß diese wenigen Kinderscenen uns mehr angingen als alle anderen Darbietungen, obwohl diese nicht weniger spielecht (dies gilt vor allem von den durch die unteren Klassen vorgetragenen französischen Dalcrozeliedern) und — insbesondere bei den Vorführungen der älteren Schüler — mit jener ausserordentlichen Spielfreudigkeit dargeboten wurden, deren wir schon mehrfach bei Veranstaltungen des Philanthropins Zeuge sein durften. Die sprachliche Ausbildung der Schüler (Französisch, Englisch, Spanisch) steht, soweit sich der Referent hierüber ein Urteil erlauben kann, auf bemerkenswerter Höhe. Dies gilt nicht zuletzt auch von dem in musterhaftem Englisch gehaltenen einleitenden Referat des Oberprimaners Lorge. -w-1- SCHIFFSKARTEN nach allen Kichtungen zu Originalpreisen Reuterweg 71 Telef 54435 ALFRED ADLER

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