Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 3 (12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 125 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde_ Nr. 3.___Dezember 1935 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, zu richten. Ein Wort an die bündische Jugend Bündische Jugend von heute scheint nicht mehr, was sie einst M ar. Aus einer, die Gegebenheiten des praktischen Lebens negierenden, weitabgewandten Generationenbewegung ist eine Gemeinschaft geworden, die sich befasst mit der Gestaltung höchst realer Probleme. Stieß ehedem der junge Mensch zum Bund, der dem zerstörenden und nivellierenden Getriebe des Alltags entfliehen wollte, so findet er heute zur bündischen Gemeinschaft, um in ihr gerade daran mitzuwirken, daß bestimmte Fragen praktischer Lebensausrichtung diese und keine andere Lösung finden. Diese Entwicklung hat die bündische Jugend an einen grundlegend veränderten Standort gebracht. Ueber das theoretische Postulat hinaus ist sie zur konkreten Verwirklichung ihrer Forderungen geschritten; an Stelle eines, in der blossen Ablehnung des Bestehenden sich erschöpfenden Protestes ist sie nunmehr herangegangen, eigenschöpferisch Menschen zu formen nach ihrem Bild. Die bündische Jugend ist aus der Opposition in die Verantwortung gewechselt. Dieser hat sie sich bewusst zu sein und sie zu tragen im Geist der Traditi on, aus der sie hervorgegangen ist. Denn schon mehren sich die Anzeichen der Verzerrung und Verfälschung dessen, was sie vordem fanatisch zu verwirklichen bestrebt war: Zu leben nach dem Gesetz der inneren Verantwortung und Wahrhaftigkeit. Und nicht nach Opportunität und Sicherheit. Ein solcher Einbruchsversuch gerade des ehedem bekämpften Ungeistes in die hündische Sphäre von heute ist die Folge eines Fortschreitens der Entwicklung, welche über die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Formung der zukünftigen Gestalt der jüdischen Gemeinschaft hinaus der bündischen Jugend nahezu eine Schlüsselstellung in die Hand gegeben hat: ausschliesslich der Bund gibt die Möglichkeit, auf Hachscharah und zur A 1 i j a h zu kommen. Was läge näher, als ihn unter dem Gesichtspunkt der Utilität zu werten!'' Iwrith nicht um der Idee der Erschliessung und Schaffung eigenen Kulturgutes willen, sondern weil man es „braucht", weil ohne seine Kenntnis an Alijah und neuen Daseinsaufbau nicht gedacht werden kann. Einfügung in das Bundesleben nicht aus Gemeinschaftswillen und nicht aus dem Hingezogenwerden zur Schar der nach gleichheitlicher Idee ausgerichteten, sondern weil Bewährung im Bund als Bedingung vor dem steht, was als Endziel im Eigentlichen erstrebt wird. Die Konzeption aber des Bundes als Z weck- und Versorgungsverband wäre der Tod der Jugendbewegung. Die Aufgabe der Verantwortlichen erhellt klar: Man nütze die Not der Stunde, die statt der wenigen und statt der Elite die Masse in den Bund führt zum Guten, forme und präge das Menschenmaterial nach Möglichkeit im Geist, den die jungen Väter der Jugendbewegung in jeder Generation sich neu erwarben. Man schaffe eine Generation junger jüdischer Menschen, die in der Lage ist, ein geistiges Erbe zu übernehmen und zu verwalten. Man verteidige die Idee gegenüber dem M a te r i alismns und kämpfe weiter den Kampf der Jugendbewegung. Kurt Freudenthal Jugendbücher Jüdisches Jugendbuch, herausgegeben von Emil Bernhard Cohn und Else Rabin. Jüdischer Verlag, Berlin. Mit diesem Buch wird der allseitig bekannte Jugendkalender von E. B. Colin in seinem fünften Jahrgange fortgesetzt. Auch dieser Band enthält wieder eine Fülle unterhaltender Dinge für die jungen Leser. Erzählungen, Skizzen, Biographien, Gedichte, Rätsel in hebräischer und deutscher Sprache, Fragen nach der Art des „Frag mich was", ein Purimspiel und einige Seiten mit Bildern. Ein hübscher Jugendabreißkalender ist beigegeben. Das Buch kann schon jetzt als Chanukkahgeschenk in Betracht gezogen werden, zumal wir an guten Kinderbüchern einen bedenklichen Mangel aufzuweisen haben. Dr. H. L. Jugend in sieben Ländern. Der Weltkrieg hatte die Jugend Europas auf einem gemeinsamen Felde des Ringens zusammengeballt. Als er sie dann entliess, hatte er sie nur neuem Ringen, neuen Kämpfen ausgeliefert, die zwar nun die Jugend in jedem Volke auf eigene Weise durchzustehen hat, die aber im Grunde überall das Gleiche meinen. Von den schweren Zeiten und den Nachkriegsnöten der Jugend in Europa erzählt — und es ist trotz des sehr anregend zu lesenden Berichtes mehr als eine „Erzählung"— eine Veröffentlichung von Reinhold Schairer, erschienen im Societätsverlag Frankfurt/M. „Not, Kampf, Ziel der Jugend in sieben Ländern". (In England, Frankreich, Italien, Schweiz, Schweden, Norwegen, Dänemark.) In wenigen Strichen oder durch kurze Anekdoten wird die jeweils charakteristische Situation des eigenen Landes vor Augen geführt - und das bestätigt die Auffassung von der völkischen Eigenart ringender Jugend. In der ganzen Anlage aber wird immer wieder die Einheit des von der Jugend zu Bewältigenden gewahrt — und das bestätigt die These von der überall gleichen Not. Die Arbeitslosigkeit ist Ausgangspunkt und Angelpunkt und sehr explosiver Boden alles Wollens der Jugend Die Enttäuschung, die sie als Folge hat, ist Motiv zu neuem Suchen und Fragen nach neuer Weltanschauung. Der von der älteren Generation „überfüllte Dampfer" bedingt eine sehr kritische Stellungnahme zu allem, wasälter ist oder — Bürokrat. Das sind einige Seiten der gezeichneten Not. Neuverteilung der Arbeitsplätze, Verschiebung der zentralen. Bedeutung von den intellektuellen Fächern hin zu den manuellen in den Schulen, eine intensive, oft straff organisierte Jugendbewegung, Errichtung von Arbeitsdienstlagern, vor allem aber eine Abkehr vom Vergangenen und ein Glaube an die Zukunft: das sind einige von den Antworten die die Verantwortlichen der Länder und die Jugend selbst auf die Not zu geben versuchen. Uns ist die Lektüre dieses Buches gerade in diesem Zeitpunkt sehr zu empfehlen, denn es ist gut für uns, den Blick nach draussen nicht zu vernachlässigen! Dr. H. L. Jcf) wiege nur 160 Qvamm bin d. federleichte mod. Überschuh und koste nur Weltmarke Ball-Band. 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