Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 3 (12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 108 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 108 H J.Gans & Co. Kohlenhandlung Am Tiergarten 28, Tel. 42722 Lager Gausstr. 37 Tel. 43726 das auf die den Menschen eigentümliche Vollkommenheit ausgerichtet ist, üherein. IV. Die eigentliche platonische Philosophie ist Politik. Sie darf nicht dem „Staate", sondern muß den „Gesetzen" entnommen werden. Diese „Gesetze" sind aber derart zu interpretieren, dass sie auf die Offenbarung hinweisen. V. Im hellenistischen Zeitalter vollzieht sieh die Überführung des platonischen Philosophen-Königs in den Propheten. VL Diese Entwicklung vollendet sich in der Philosophie der islamischen Aristoteliker, die man erst verstanden haben muß, ehe man die jüdisch-mittelalterliche Philosophie verstehen kann. Das Merkwürdige und Interessante an dem Buche ist eine Art postulatorischer Diktatur, eine Willensentscheidung, die nicht von scharfer Einzelinterpretation und vorsichtiger Analyse ausgeht, sondern die in kühnem Schwünge auf das Ganze losgeht, ohne daß auch nur die einzelnen, oft sehr diskutierbaren Thesen bewiesen würden. Genauer ist diese Entscheidung dahin zu charakterisieren, daß die Philosophie im wesentlichen Politik sei. Piaton existiert hier nur als Politiker, der Prophet nur als Gesetzgeber. — Um diese Politisierung der jüdischen Philosophie durchzuführen, wird zunächst Piaton judaisiert, d. h. ohne daß nach der spezifischen Bedeutung des platonischen . Gesetzes gefragt wird (innerhalb des platonischen „Staates" kommt das „Gesetz" überhaupt nicht vor, obwohl die Gerechtigkeit im Zentrum steht), wird das platonische Gesetz im jüdischen Sinne als göttliches Gesetz und Piaton als Hinweisung auf die Offenbarung verstanden. (Dabei bleibt die Frage unerörtert, ob diese Hinweisung sich auf die islamische oder jüdische Form der Offenbarung beziehen soll, denn die arabischen Aristoteliker sind ja in der Aufnahme des Piatonismus die ersten, und die beiden Formen dürfen nicht als identisch gesetzt werden.) Durch diese Judaisierung der platonischen Philosophie wird dann umgekehrt der Weg für eine Platonisierung der jüdischen Philosophie eröffnet. ' Aufbau Mö3EL Schlaf-Couchs für Auswanderer liefert sehr preiswert zeller Nachf. Inh. Jacob Reinheimer Gr. Friedbergerstr. 23 Hib I., Tel. 21160 Alles in allem: die (wohl wesentlich Paul Kraus zugehörende) Erkenntnis, daß die islamischen Aristoteliker zum Teil von den platonischen Gesetzen abhängen, wird mit Recht auf Teilgebiete der jüdischen Philosophie übertragen. Wäre das in sauberer Einzelanalyse geschehen, so wäre damit der Forschung wesentlich mehr gedient, als mit der jetzt vorliegenden vorschnellen Verallgemeinerung. So aber kann ich nicht umbin, gegen die Politisierung der Philosophie, gegen die völlig unberechtigte Judaisierung Piatons, gegen die ebenso unbegründete Platonisierung der jüdischen Philosophie zu protestieren. Und die Arbeit der Forschung wird zweifellos darin bestehen, die Thesen auf ihren kritischen haltbaren Kern zu reduzieren. Der Wert des Buches liegt in scharfsinniger Kritik, in guten Einzelformulierungen und eindringenden, historischen Kenntnissen, besonders der Zeit der Aufklärung. Es wird seine Betung als Durchgangspunkt der Forschung behalten. Dabei wird sich herausstellen, daß die Ebene der Interpretation nicht tief genug angesetzt ist: nicht aus den platonischen Gesetzen, sondern aus den Urakten der Sinngebung des jüdischen Geistes, wie sie zuerst in der Bibel Gestalt gewannen, ist die jüdische Philosophie zu begreifen. Fritz Heinemann BETTFEDERN Pfd. -.65 -.90 1 70 2 80 DAUMEN füllkräft Qyal. 4-90 6-50 750 auch Inletts staunend billig FEDERN-REINIGUNG, Umändern und UmfUllung von Deckbetten — Prompte Bedienung BETTEN-ROSEN, Braubachstrasse 7. Samst. geschlossen Dr. Zunz: die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift, 17. Auflage, Leo Alterthum Verlag, Berlin-Charlottenburg 1935. Preis geb. KM. 4.80 Auf den ersten Blick mag es gewagt erscheinen zu einer Zeit, wo von jüdischer Hand gleich zwei neue Verdeutschungen der Heiligen Schrift im Erscheinen begriffen sind, auf der einen Seite die von Martin Buber, auf der anderen die von Harry Torczyner herausgegebene, die alte Zuwzsche neu aufzulegen. Daß sie keineswegs veraltet ist, bezeugt Torczyner selbst, indem er im Geleitwort zu seinem Werk bekennt, daß er in seinem Wollen sich am meisten mit ihm verbunden fühle, die, bei allem, was heute in Form und Inhalt an ihr zu bessern sein möge, in ihrer anspruchslosen Art ein überaus wertvolles Denkmal jüdischer Gelehrtenarbeit an unserer Bibel darstelle. Der Verlag hat gut daran getan, sie unverändert mit allen ihren Fehlern und Mängeln unter Ausmerzung des veralteten Rechtsstreits abzudrucken (bis auf die Zeittafel, die er mit Recht fortläßt), denn wenn man hier erst zu verbessern anfängt, wird eben eine neue Uebersetzung daraus. Auch das kurze Vorwort fehlt nicht, das der bescheidenen Hoffnung Ausdruck gibt, „daß diese für die heiligen Schriften un« tcrnommene Arbeit von Schule und Haus nicht wirkungslos vor* übergehe". Soweit das jüdische H a u s in Frage kommt, hat sich die Hoffnung in einem Masse erfüllt, wie sichs die Übersetzer Arnheim Sachs, Fürst und Leopold Zunz, dem die Redaktion des Ganzen oblag, gewiß nicht haben träumen lassen. Man hat die Mendelssohnsche Pentateuchübersetzung in ihrer Bedeutung für die Judenheit mit der Lutherschen Bibelübersetzung verglichen. Aber als Hauptbibel behauptet die Zunzsche, obwohl „Gelehrten* arbeit" seit hundert Jahren bei den deutschsprechenden Juden den ersten Platz. Seit langem vergriffen und immer wieder gefragt, ist sie nun in 17. Auflage, in würdiger Ausstattung, in klarer Antiquaschrift zu volkstümlichen Preisen erschienen. Wer das Buch der Bücher in einem Bande, in treuer, klarer und dem Herzenston der Urs schrift nahekommender Wiedergabe besitzen will, dem möchten wir auch heute noch zur Zunzschen raten. Rabbiner Dr. Salzberger Bettstellen Matratzen Inletts Federn, Daunen Koltern Steppdecken' [Daunendecken! 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