Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 3 (12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 106 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 106 Maimonides - Bücher Fritz Bamberger: Das System des Maimonides. Eine Analyse des More Nevuchim vom Gottesbegriff aus. Schocken Verlag. Berlin 1935. Die gründliche, saubere und fleissige Arbeit des Schülers von Julius Guttmann, Fritz Bamberger, baut sich in vier Kapiteln auf: die Attributenlehre, die Kosmologie, das Zweckproblem, Vorsehung und Prophetie. Das eigentliche Interessante dieser Arbeit liegt in ihrer Grundtendenz, das System des Maimonides als ein solches der Freiheit und des Voluntarismus zu erweisen. Das wird für Gott, für die Welt und für den Menschen durchzuführen gesucht. Zunächst für Gott in einer genauen Analyse der Attributenlehre. Die Gotteslehre wird so dargestellt, als wolle Maimonides die Erkenntnis Gottes aufheben. Gott ist der transzendente und eine Gott, der ganz Andere. Mit den Worten des Maimonides: „So ist stringend bewiesen, dass zwischen der Bedeutung der Attribute, die ihm zugeschrieben werden, und deren Bedeutung bei uns keinerlei Gemeinsamkeit in irgendwelchem Sinne besteht; die Gemeinsamkeit ist eine solche des Worts, nichts sonst" (1,58). Darum gibt es keine Wesensattribute von ihm, denn sie würden zu einer Vielheit in ihm führen und dadurch seine wahre Erkenntnis zerstören. Gott ist das beziehungslos seiende Wesen, nicht einmal der allgemeinste und leerste Begriff trifft ihn. Wenn trotzdem die heilige Schrift ihm positive Attribute beilegt, so sind das in Wirklichkeit nur Negationen, oder vielmehr Negationen von Negationen, durch die er von den Unvollkommenheiten des irdischen Seins unterschieden werden soll. Dagegen werden für GottWirkungs- oder Tätigkeitsattribute zugelassen, ja das sei die eigentliche Leistung des Maimonides, dass er in den Tätigkeitsattributen eine Art der Relation erkannt habe, die von der seinsmäßigen Relation verschieden und die bei Gott anwendbar sei, während jene abgelehnt würden. Diese Relationen seien durchaus sittlich, ihre Abtrennung von den Seinsrelationen sei zur Verhütung der Ontologisierung des Ethischen wichtig. Es ergebe sich auf diese Weise ein Primat des Sittlichen. Der Mensch solle nicht Gott erkennen, denn nicht einmal der allgemeinste und leerste Begriff könne Gott treffen, er solle vielmehr, nach dem Worte Piatons, Gott, so weit wie möglich ähnlich werden. Entsprechend wird auch die Welt voluntaristisch interpretiert. Die Kritik der aristotelischen Kosmologie wird herausgearbeitet, nach welcher das aristotelische Naturgesetz wohl in der sublunaren Sphäre herrsche, es versage aber in der Sphäre des Himmels, dort müsse das System der Notwendigkeit durch ein solches der Freiheit ersetzt werden. Da aber der Himmel nur die letzte Bestimmtheit der Welt ist, aus der sich alle anderen Ber Stimmungen mit Notwendigkeit folgen, so kann der gesamte Weltinhalt nicht rational abgeleitet werden, sondern beruht auf dem göttlichen Willen und ist diesem gegenüber kontingent. „Das dem System der Freiheit adäquate Weltbild, in dem allein dessen Bestimmungen gewahrt bleiben und nicht umgebogen werden, ist die Anschauung von der Weltschöpfung, die in der Freiheit des Schöpfungsaktes den voluntaristischen Charakter des Gottesbegriffes unverfälscht zum Ausdruck bringt" (S. 89). Endlich gelte für den M e n s c he n gleichfalls die Freiheit des Willens, der Mensch habe die Fähigkeit, in absoluter Willkür und Wahlfreiheit seine Handlungen zu bestimmen. Diese Tatsache der Freiheit stelle eine Region eigener Gesetzmäßigkeit neben der allgemeinen der Welt her, jenseits der kosmologischen und psychischen Kausalität, denn die menschlichen Handlungen seien den Gesetzen der Sittlichkeit unterworfen. Gott, der an das Sittengesetz notwendig gebunden sei, an das der Mensch gebunden sein solle, Gott prüfe, wie weit die Entscheidung des Menschen zu ihnen durch das Gesetz bestimmt worden ist. Dementsprechend beziehe sich auch seine Vorsehung wesentlich auf den sittlichen Bezirk, auf die menschlichen Verhältnisse. Es ist das Verdienst des Buches, diese voluntaristiche Interpretaion durchgeführt zu haben, denn nur dadurch können alle Seiten einer historischen Gestalt erfaßt werden, daß Zeiten und Menschen jeweils denjenigen Aspekt hervorheben, der von ihnen aus besonders deutlich sichtbar ist. Die Basis dieser Interpretation ist offenbar ein gemäßigter Kantianismus, der von dem Vorrang des Sittlichen zur Erschließung der Transcendenz gegenüber der Erkenntnis überzeugt ist. Es gehört zu den lobenswerten Eigenschaften dieses Buches, daß es selbst eingesteht, daß sich diese Art der Interpretation nicht so durchführen lässt, daß die Rechnung aufgeht. Man fühlt des Autors Trauer, daß er nicht ein dem Neuplatonismus entsprechendes System, in dem sich Ab- und Aufstieg streng entsprechen, aufzeigen kann; er möchte das deduktive System der Kosmologie mit dem induktiven der Atributenlehre zur Deckung bringen. Aber es gelingt ihm nicht, und er findet statt des ersehnten geschlossenen Systems Hemmungen, Halbheiten und Rückfälle naturalistischer, dynamistischer und intellek- - Das schönste Chanukka-Geschenk- Die jüdische Hausbibel Die 24 Bücher der Heiligen Schrift nach dem masoretischen Texte in einem Bande in der Uebersetzung von DR. ZUNZ H. ARNHEIM, DR. JULIUS FÜRST, DR. M. SACHS Würdige Ausstattung — klare, lateinische Drucktype. 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