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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-12-01 · 3 (12.1935) · p. Seite 105

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
3 (12.1935)
Date
1935-12-01
Page
Seite 105 (sequence 19)
Language
German
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Seite 105 Shakespeare im Kulturbund Von jeher ist es ein besonderes Vorrecht der Kunst gewesen, „Entspannung" zu bringen, und das Ziel des Herrn Hartmann von Aue, „schwere Stunden leichter zu machen" hat heute für uns besondere Bedeutung. So mag es mancher — und der Referent schliesst sich da ohne Vorbehalt ein — mit Genugtuung begrüsst haben, daß uns die Rhein-Ruhr-Bühne des Jüdischen Kulturbundes, die hier im Gesellschaftshaus am Mozartplatz ein erfolgreiches Gastspiel gab, mit einem durchaus unproblematischen Shakespeare-Stück kam, mit der „Komödie der Irrungen", die den grossen Briten noch sehr im Bann der Stoff- und Empfindungswelt des Römers Plautus zeigt. Es ist eine doppelte Verwechslungskomödie, ein lustiges Spiel von zwei Geschwisterpaaren, bei dem sich natürlich der Titel eines anderen Shakespeare-Stückes „Ende gut alles gut" durchaus bewahrheitet. Die rheinischen Gäste führten uns diesen frühen Shakespeare- „Schwank" in der stark modernisierenden Bearbeitung Hans Rothes vor, die wesentliche Handlungsteile (und gerade solche, die von den englischen Kritikern besonders gerühmt werden) weglässt. Der Erfolg gab ihnen recht: Es war ein unterhaltender, reizender Theaterabend, der den Spielern selbst wie den Hörenden mit Recht Freude machte. Die Darsteller, ob sie nun in der vorderen Reihe standen oder nur kleinere Rollen auszuführen hatten, waren mit Lust und Liebe und mit ausgezeichnetem Erfolg bei der Sache: es war eine sehr beschwingte Aufführung, die dem Regisseur Norbert Schiller, dem beliebten früheren Mitglied des Frankfuter Schauspielhauses, alle Ehre machte, und die bei dem doch gewiss anspruchsvollen Publikum des jüdischen Kulturbundes in Frankfurt einmütigen Anklang fand. Das Bühnenbild von Egon Markus, schlicht aber farbenfroh gehalten, passte sich der Minaturbühne gut an. — Vielleicht würde eine Wiederholung dieses anmutigen Abnds auch noch Manchen Vergnügen machen, die keinen Einlass mehr gefunden haben. g. sch. Abend italienischer Musik Konzerte, wie sie Käte Ettlinger und Hans Assen heim geben, bedeuten im Grunde einen für die Veranstalter schmerzlichen Kompromiß mit den Gegebenheiten unseres kulturellen Lebens: beide Künstler suchen Wirkungsmöglichkeit für ausgesprochene Bühnenbegabung, und sie finden ihren Platz nur auf dem eng abgrenzenden Konzertpodium. Man erkennt gerade an diesem Einzelfall, daß die Frage der Beschäftigung junger Bühnensänger auch in Frankfurt noch keineswegs ausreichend gelöst ist. Die Annahme, daß beide Konzertgeber, einmal auf der Bühne vor die richtigen dramatischen Aufgaben gestellt, Erfolg haben würden, fand ihre Stütze an dem „Abend italienischer Musik" Käte Ettlingers Sopran besitzt die Fülle und Durchschlagskraft, die für das jugendlich-dramatische Fach erforderlich ist, und Hans Assenheim setzt seinen warm timbrierten Baß-Bariton so ausdrucksvoll ein, daß die Theateratmosphäre spürbar wird. Kontrastierende Farben erhielt das gepflegte Programm durch Violinstücke virtuosen Charakters, denen Theo Ratner mit behenden Fingern und musikantisehem Temperament Versicherungsbüro WERTHEIM F1mr5??£Zf*83 I Versicherungen aller Art gerecht wurde. In dem starken Beifall, den die Solisten fanden, konnte sich auch der Begleiter Willy S a 1 o m o n mit einbezogen fühlen. A. H. Zwei Abende der jüdischen Tonkünstler Die Mittwochskonzerte der jüdischen Tonkünstler Frankfurts, die neben dem künstlerischen mit Recht das soziale Moment stark berücksichtigen, haben sich bereits einen Stamm von Freunden und regelmässigen Besuchern erworben. Dem Publikum wird dort — gegen ein sehr geringes Entgelt — die Bekanntschaft mit Werken der grossen Kunst vermittelt, und auch die Schöpfungen des jüdischen Kulturkreises finden in der Arnold Lazarus-Halle gebührende Berücksichtigung. Opern und Liedter* zette von Mozart, Schumann und Bizet trugen S e n t a Würz» bürg er (Sopran), Elsbeth Weiler (Mezzo) und Alice Kassel (Alt) in gutem Zusammenklang vor. Senta Würzburger, im Einzelgesang noch nicht ganz frei, zeigte auch in der Arie aus dem „Elias" einen schöngebildeten schlanken Sopran; in dem heiteren Duett der beiden „lustigen Weiber" hatte sie an Elsbeth Weiler (der noch eine schärfere Textaussprache angeraten sei) eine sichere Partnerin, deren gutes Stimmaterial beiiisihe Altcharakter trägt. Alice Kassel, hier schon oft gewürdigt, war in den Terzetten und einem weiteren Duett Mendelssohns die Trägerin der Unterstimme. Die drei Damen, denen sich noch als tüchtige Begleiterin Leni Lorsch-Morgenstern zugesellte, hatten sehr freundlichen Erfolg, wie er auch an folgenden Abenden zwei bekannten, längst angesehenen Frankfurter Künstlerinnen zu Teil wurde. Alice Baehr sang da in geschmackvoller stilkundiger Weise, die ihren Sopran gut zur Geltung brachte und leichte Forcierungen vergessen liess, eine Reihe von Schumannliedern. Alice Rosenbaum wirkte als Begleiterin und spielte solistisch Chopins B-moll Scherzo in klarer Prägung und reifer Technik, während die eingangs vorgetragene grosse Wandererphantasie Schuberts die zwingende dramatische Gestaltung nicht durchweg erreichte. Von beiden Damen wurden Zugaben erbeten: Alice Rosenbaum liess dem eigentlichen Programm noch ein Chopin'sches Präludium in sorgsam abgestuftem Anschlag folgen. g. sch. Frankfurter Künstler auswärts Der bekannte Komponist und Pianist Erich 11 o r K a h n, früher am Frankfurter Rundfunk, wurde zu einer zweimonatlichen Tournee mit der Geigerin Viola Mitchell nach Amerika berufen. Funkarbeiten von Alfred Auerbach „Die Interjektion" und eine Komödie „Der Star" wurden von der deutschen Abteilung des tschechischen Radio zur Sendung angenommen. Brillanten coid Pfandscheine, Silber höchster Preis ' ABRAHAM chillersir.30, Entr.Zlm 10 Tel. 2fi5V» Mäntel-Jacken beste Kürschnerarbeit zu soliden Preisen. Feinste Maßanfertigung und Umarbeitung. 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