Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 3 (12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 104 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3094266-3094426-3094429--4972-3099776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 104 n. Orchesterkonzert des Kulturbundes chesterkonzert in die Westendsynagoge zu ver- ' Die Entscheidung des Kulturbundes, auch das zweite 0 rlegen, hat den Erfolg des Abends nicht beeinträchtigt. Gewiß: keine der Symphonien Gustav Mahl er s birgt die Stimmung, die in einem jüdischen Kultraum aussdringen könnte. Mahler hatte sich zu weit von der geistigen und seelischen Welt des Judentums entfernt um noch etwas von dem Ton aufklingen zu lassen, der in der Synagoge eine Heinmaf fände. Aber das reine Ethos seiner Kunst ist dennoch so religiös bestimmt, dass der der Andacht dienende Raum eine die Aufführung schützende und stützende Stätte wurde. Für die mächtigen Klangmittel, die Mahler schon in der I. Symphonie liebt, waren durch vorteilhaften Aufbau des Orchesters und erhebliche Verstärkung des Streichkörpers die klangmaterialien Vorbedingungen angemessen geschaffen worden. Wie sehr sich die qualitiven Grenzen des Orchesters geweitet haben, offenbarten besonders die Ecksätze, deren technische Klippen überraschend sicher überwunden wurden. Noch niemals sind die an die Bläser gestellten Anforderungen so weitgehend wie diesmal erfüllt worden. Hans Wilhelm Stein borg besitzt ein durch Anlage begründetes und Erfahrung gefestigtes inneres Verhältnis zu Mahler: er hat den Blick für die konstruktiven Eigenschaften seiner munumentalen Architektur und den Instinkt für die differenzierten Stimmungsgehalte dieser als Ganzes und im Detail so anspruchsvollen Symphonik. Die Anerkennung für die der Gradmesser des hörbaren Beifalls fehlen mußte, mag den ausführenden durch die Spannung des Auditoriums erkennbar geworden sein. Mit der nobel und feierlich dargestellten Ouvertüre zu „Iphigenie in Au Iis" von Gluck wurde der Abend in würdigster Form eingeleitet. Zwischen beiden Werken spielte Hans Bassermann mit vollendeter Stilgebung und musikalischem Esprit Mozarts V i o 1" i n k o n z e r t D-Dur (K. V. 218.) A. H. Chorkonzert Ein Chorkonzert des „Jüdischen Kammerchors", das im Rahmen des Kulturbundes stattfand und durch dessen LEDERBEKLEIDUNG Kletterwesten u. Leinenanzüge HERREN-ANZÜGE u. MÄNTEL kaufen Sie" am günstigsten bei DIENSTAG & JERET CROSSE SANDGASSE 8 Bitte auf Nr. 8 achten! &Yt¥tä%&M%%W NEUESTE MODELLE KLEIDER MÄNTEL SPORT SEHENSWERTE FERTIG-ABTEILUNG ALTBEWÄHRTE MASS-ABTEILUNG <D0car3ad]amct) FRANKFURT A. M., ROSSMARKT 15 *wmzzmm ^£17 immmmmm Zu den Feiertagen empfehle meine f BJ m W% *M ■£ jeder große Auswahl «VniKrlB Art. Spezialität: Original Knirps Taschenschirm Erstklassige Qualitäten, zeitgemSsse Preise. FERDINAND HIRSCH, Schlrmfabrlk Inh. Otto P i s k Schülerplatz 9, Ecke Biebergasse ♦ B (HD " Ä öucn H DD "*■ Dein 5ii Cüanukko- »!■ OpEer ♦ Orchester die sichere instrumentale Stütze erhielt, gab erneut erfreuliche Kunde vom künstlerischen Wollen und Können dieser eifrigen, von Dr. Nathan Ehrenreich trefflich geführten Vereinigung. Eine Reihe zeitgenössischer Jüdischer Komponisten, die sich wohl alle Frankfurt eng verbunden fühlen (Erich Itor Kahn, der jetzt in Paris lebt, hat sich unter Bernhard Seckles am Hochschen Konservatorium das notwendige Handwerksmaterial des Komponierns erworben) kam im zweiten Teil des wertvollen und reichhaltigen, aber trotzdem zu langen Programms zu Gehör, und die einzelnen Vertonungen wie ihre eindringliche und packende Wiedergabe fanden im dicht besetzten Saal dankbare, herzlich anerkennende Aufname. „Jüdischen Volksliedern" hat RosyGeiger- Ku 11 m a n n in freier Bearbeitung eine sehr gefällige Form gegeben. Schwerer zugänglich sind die beiden Madrigale nach Volksliedern der Juden Osteuropas, bei denen Erich Itor Kahn der ganz einfach gehaltenen Melodik des Soprans völlig frei und sebständig geführte Unterstimmen zugesellt, wobei er, der stark modern empfindende Musiker (wie Dr. Ehrenreich in der vorigen Nummer des „Gemeindeblatts" bereits ausführte) an die alten Meister des 15. und 16. Jahrhunderts anknüpft. Herbert F r o m m s Chorlied „O Korn", das ostjüdischen Motiven nachgebildet ist, erhält durch eine sehr eigenartige Instrumentierung aparten Klangreiz; seine Kantate „In Ewigkeit" (nach Wortendes Jehuda Halevy und des 22. Psalms), als Uraufführung geboten, zieht zu dem gemischten Chor und dem grossen Orchester noch ei« nen Jugenchor heran und erreicht durch die Fülle der Audrucks* möglichkeiten starke Wirkung. In gewisser Weise mag Fromm Aehnliches vorgeschwebt haben wie dem großen Johann Sebass tian B a c h, dessen elementarer Hymnus' „Singt dem Herrn ein neues Lied" in jubelnder Gestaltung den krönenden Schluss des ersten Teils gebracht hatte. Vorher waren noch schöne, immer hörenswerte Vertonungen aus der Frühzeit (eine Kantate K u h? n a u s, Madriglae von Hasler und T e 1 e m a n n), z. T. auch dem heiteren Raum liessena, in gewaltiger disciplinieter Aufführung erklungen. In kleineren solistischen Aufgaben bewährten sich Gerda Oppenheim und Paula L e y (Sopran und Alt) sowie Hans AssenLeim, als Begleiter am Flügel Herbert Fromm. Das Publikum zeichnete neben Dr. Ehrenreich auch die beiden anwesenden Komponisten durch Hervorrufe aus g. sch. Konzerfdirektion Koch, Frankfurt-M. Westendstr. 28 Telefon 78654 (Künstlerische Leitung: MAX NEUMANN) DeBa Lipinskaja mit völlig neuem P r o g ra m m Samstag, 14. Dezember 81/* Uhr u. Sonntag, 15 .Dezember 8l/4 Uhr Vereinshaus Eschersheimerlandstraße Karten: jn den bekannt. Vorverkaufsstellen u. an der Abendkasse Das jüdische Blumengeschäft A. HENDLISCH Bockenheimer Landstrasse 17 (geg. Rothschild-Palais) Telefon 79554