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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-12-01 · 3 (12.1935) · p. Seite 101

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
3 (12.1935)
Date
1935-12-01
Page
Seite 101 (sequence 15)
Language
German
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Seite 101 jedoch nicht ihre volle Schwungkraft „Cosi fan tutte" krankt, was zahlreiche spätere Textrevisionen nicht haben ändern können, •an einer unglaubwürdigen und leichtfertigen, daher der künstlerischen Psyche Mozart zutiefst widersprechenden Dichtung. Die vom' Komponisten in den beiden vorhergegangenen Opern erreichte höchste Linie schöpferischer Leistung wird in „Cosi Ean tutte" immerhin nur um weniges unterboten, und doch hat sich das Werk nicht entfernt in dem gleichen Masse durchgesetzt: sicherlich eine Folge der im ethischen Kern fragwürdigen Beschaffenheit des Librettos. Nach diesen Gipfelpunkten seines Künstlerdaseins beginnt der Stern Da Pontes schnell zu sinken. Er, der gewitzigte Akteur im Ränkespiel des Theaters fällt den Anschlägen seiner eigenen Landsleute zum Opfer. Ein unbesonnener Brief an den Kaiser, durch den Da Ponte seine Widersacher zu vernichten hofft, ruft das Gegenteil der angestrebten Wirkung hervor. Es erfolgt die brüske Entlassung aus dem Theaterdienst, und, nachdem alle Versuche, den Monarehen umzustimmen, gescheitert sind, muß Da Ponte im Juni 1792 dem gegen ihn erlassenen Ausweisungsbefehl endgültig Folge leisten. Um nach dieser schweren Niederlage wieder inneren Halt und neuen Auftrieb zu gewinnen, schliesst der Dichter enges Bündnis mit der jungen englischen Jüdin Nancy Grahl, ohne sich um sein ehemaliges Priestertum zu kümmern. Es ist nicht mehr feststellbar, ob es überhaupt zu einer rechtmässigen Ehe gekommen ist, oder ob Da Ponte durch irgendwelche Formalitäten eine Heirat vorzutäuschen verstanden hat. Jedenfalls hat er mit dieser Frau, die ihm vier Kinder schenkte, fcis zu ihrem Tode innige Gemeinschaft gehalten. Nach dem Eegierungsantritt Franz IL, der die Theaterneigungen seines Vorgängers nicht teilt, erkennt Da Ponte die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen, wieder an den Wiener Hof rzu gelangen. Da ihm Paris keine Chancen bietet, wendet er sich nach London. Die Laufbahn des Librettisten fortzusetzen, : will ihm auch dort trotz allen früheren Erfolgen nicht gelingen. Von Gläubigern bedroht, hält er Umschau nach einem bürgerlichen Beruf: er macht einen Laden mit italienischen Büchern auf. Leichtgläubig und geschäftsuntüchtig strandet der Poet sehr schnell, und der Erwerb einer Buchdruckerei beschleunigt inoch den Vermögensverfall. Wieder von Gläubigern und Feinden gehetzt, entrinnt Da Ponte nach Amerika, wohin er schon Frau und Kinder vorausgeschickt hat. Seinem Bruder, „dem ehrlichen, ■lieben Jugen", überlässt er die traurige Liquidation seiner abenteuerlichen Geschäftsunternehmungen mit dem Erfolgdaß dieser vor Kummer zwei Jahre später stirbt. Den Gedanken an schriftstellerische Arbeit hat Da Ponte in dem jetzt beginnenden brutalen Existenzkampf völlig aufgegeben. Ein Handel mit Spezereien und Parfümerien soll in New York, Dr. jur. Julius Sonn — Steuer-, Rechtsu. Devisensachen — Beratung von Auswanderern und Durchführung aller Formalitäten Frankfurt a. M.t Horst Wesselplatz 14, II. — Tel. 22798 später in Philadelphia, der Familie den Unterhalt schaffen. Wieder ein unablässiges Bingen mit betrügerischen Teilhabern, mit Lieferanten und Behörden. Nochmals muß die italienische Sprache Grundlage eines Berufes abgeben: mit Lektionen fristet Da Ponte sein armseliges, nach dem Tode der Frau völlig vereinsamtes Dasein, hie und da unterstützt von Menschen, die wissen, dass der alte, von Sorgen zermürbte Mann einstmals der gefeierte Mitarbeiter eines Mozart gewesen ist. Als „Don Giovanni" schliesslich auf einer New Yorker Bühne aufgeführt wird, kann der Dichter wenigstens eine bescheidene Nachlese seines Ruhmes halten; er freut sich der kleinen Gewinne, die ihm aus dem Verkauf des Textbuches zufallen. Die Flucht aus der trüben Wirklichkeit seiner Greisenzeit gelingt Da Ponte durch die Niederschrift seiner Lebenserinnerungen. Während er in seinem italienischen Bücherlädchen vergeblich auf Kundschaft wartet, werden in ihm unzählige merkwürdige Begebenheiten seiner buntfarbigen Vergangenheit wieder lebendig. Anschaulich schildert er das Auf und Ab seiner Laufbahn, ein wenig redselig und stets darauf bedacht, seine Person in das beste Licht zu rücken und seine bedenkliche Rolle in manchen kritischen Situationen zu entschuldigen. Die Memoiren vermitteln aber trotz der subjektiven Darstellung ein fesselndes Bild mancher interessanter Vorgänge im europäischen Musikleben des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Sie bereichern vor allem die Kenntnis über die Entstehung jener drei dramatischen Hauptwerke Mozarts, mit denen Da Ponte als Textdichter verknüpft ist. Fast neunzigjährig beschliesst der jüdische Abbate Lorenzo Da Ponte, von der Mitwelt vergessen, in New York sein helldunkles, an Erschütterungen und Enttäuschungen überreiches Leben. Der Nachwelt wird aber sein Name und sein Werk erhalten bleiben, so lange der Stern Mozarts der Menschheit leuchtet. ZerUrocbeneFsnsferscheifien? Glaserei Rfchnd^b^nr.io Bildereinrahmungen j)ann nar ClemensKahn Tel. 20141 Gegr. 1877 Brauchbare und unbrauchbare Zuwendungen In dem Masse, in dem die Verkleinerung von Haushaltungen und die Auflösung von Wohnungen bei Mitgliedern unserer Gemeinde zunimmt, verstärken sich die Aufforderungen an die Jüdische Wohlfahrtspflege, alte Kleidungs- und Wäschestücke, Haus* gerate und Möbel abholen zu lassen. Die Jüdische Wohlfahrtspflege ist dankbar für solche Zuwendungen, denn ihre Barmittel genügen kaum, um den Ansprüchen nach Unterstützung von Miete und Lebenshaltung zu genügen. Sie ist darauf angewiesen, Sachspenden zu erhalten, um durch sie unseren Armen bessere Kleidung, Ersatz unbrauchbarer Wäsche, Ergänzung dringend benötigter Gegenstände (etwa Betten und Kinderwagen) zukommen zu lassen. Sie scheut keine Mühe und keinen Arbeitsaufwand, um Gegenstände, die natürlicherweise abgenutzt sind, in Stand setzen zu lassen. Löcher in den Kleidungsstücken werden von erwerbslosen Mädchen im Hause der Wohlfahrtspflege beseitigt, schwer um ihre Existenz ringende Schuhmacher versehen alte Schuhe mit neuen Sohlen und machen sie wieder tragfähig. In manchen Vereinen und privaten Kreisen sind Frauen ehrenamtlich an der Arbeit aus zerschlissenen Wäschestücken nach bester Möglichkeit brauchbare Wäsche zusammenzusetzen. Wer Gelegenheit hat, die Kleiderkammer der Jüdischen Wohlfahrtspflege zu besuchen — und diese Gelegenheit ist jedem Interessenten geboten — wird mit Freude erkennen, in welch übersichtlicher, reinlicher und sachkundiger Weise die eingegangenen Zuwendungen geordnet und zur Verteilung vorbereitet werden. Da gibt es Schuhe in allen Grössen, von kleinsten Babyschühchen bis zu kernigen Männerstiefeln, Kleider und Anzüge für den Sommer und Winter, Regenmäntel sind wieder wasserdicht gemacht und Hüte tragbar fassoniert worden. All diese Gegenstände bleiben nicht lange in der Kleiderkammer, denn die Nachfrage ist so gross, daß schon nach wenigen Tagen, die Lücken in den Schränken und Gefächern grösser sind als die QJ f 5 ~* * bürgt für: * /D p Geschmack 4 l/vQi Qualität $ Preiswflrdioleit *cm

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