Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-12-01 · 3 (12.1935) · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
3 (12.1935)
Date
1935-12-01
Page
Seite 100 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3094266-3094426-3094429--4968-3099772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 100 Dr. jur. Hugo Hoff mann Oberlindau 51 Tel. 76655 Versicherungen aller Art „Schlaflied für Mirjam" genannt, das dem wählerischen Dichter, Büke nämlich, so schön und köstlich erschienen, daß er es in Schweden Bekannten vorsprach und ihm so neue Bewunderer warb:.... Dies ist ein dokumentarisch wichtiger Beitrag zum Thema des Judentums; einen anderen, jeder Liebe werten, bildet in den ..Geschichten vom lieben Gott" „Eine Szene aus dem Ghetto v o n V e n e d i g". Märchen- oder legendenhafte Geschichte von einem reichen, doch glaubenstreuen jüdischen Patriarchen, der aus Ghetto-Enge mit fortschreitendem Familienzuwachs ein Haus über dem anderen errichtet, durch Generationen sozusagen aufstockt, um immer ganz oben zu wohnen, der dann, auf dem vorläufig höchsten Gipfel, dem Dachfirst von Esther, dem Enkelkind, ein blondes zartes Enkelkindeskind in Empfang nimmt: das ist eine so weise und wissende Geschichte, so gott- und himmelnahe -in Anmut und Betrachtung eingekleidet, daß sie den Kindern gehört, deren zwar ohnehin das Himmelreich____ Wir Erwachsenen aber erkennen dankbar darin den Dichter, der aus ihm verliehener Gabe so über Kaum und Zeit gebot.... „Pauvre debris d'un vase qui se souvient d'etre de la terre", seufzt es zwar im letzten mitgeteilten Brief aus dem Sanatorium ob dem Genfer See, acht Tage vor dem Tode____Aber, wer wie Bainer Maria Rilke, zugleich Schöpfer und begnadetes Gefäss ist, dem wölbt sich überm Erdenrest der Hügel tröstlich zum Himmel. (Sämtliche Bücher Rilkes sind im Insel-Verlag erschienen; Stefan Zweigs „Abschied von Rilke" im Rainer Wunderlich Verlag, Tübingen, Beer-Hofmanns „Schlaflied für Mirjam" bei S. Fischer) Mozarts Mitarbeiter da Ponte von Artur. Holde Auf einer Gesellschaft seines Hauswirts, des jüdischen Bankiers Baron v. Wetzlar, lernt Mozart jenen Mann kennen, der als Dichter durch das Genie des Musikers mit in die Unsterblichkeit eingegangen ist. Als der Komponist die Arbeitsgemeinschaft mit Lorenzo Da Ponte schloß, hatte der Librettist schon manche Etappe seiner an abenteuerlichen Ereignissen reichen Laufbahn hinter sich. Einer kleinbürgerlichen, kinderreichen jüdischen Familie in Ceneda 1749 entsprossen, empfängt Emmanuele Conegliano als Vierundzwanzigjähriger die Priesterweihe; er führt nunmehr den Namen seines bischöflichen Förderers und Taufpaten. Der geistliehe Beruf fesselt ihn aber nicht lange, und es beginnt ein Leben voll Unrast und Gefahren. Zunächst versucht sich Da Ponte in Triest als Sprach- und Musiklehrer, einige Jahre später wendet er sich, größere Möglichkeiten witternd, nach Venedig, dem glanzvollen Tummelplatz der reichen Nichtstuer Italiens. Spiel und galante Abenteuer werden Inhalt seines Daseins, bis ein Konflikt mit den Behörden den allzu Sorglosen zu eiliger Flucht treibt. Die im Müssiggang völlig vernachlässigten poetischen Anlagen drängen jetzt wieder zur Betätigung. Da Ponte sieht als lockendes Ziel das Amt des Textdichters an einem der grossen deutschen Opernhäuser. Nach einem gescheiterten Versuch, am Dresdener Hof Fuss zu fassen, taucht er in Wien auf. Auch hier stehen seine Landsleute als Komponisten und Librettisten, als Sänger und Dirigenten, in hohem Ansehen. Dem geschmeidigen, weltkundigen Manne fällt es dank seinen einflussreichen Freunden nicht schwer, Anker zu werfen, und Hofkapellmeister Salieri verschafft ihm bald die angestrebte Stellung als Theaterdichter des Opernhauses. Die künstlerischen Chancen sind für Da Ponte ungewöhnlich günstig: Metastasio, dessen geschraubte Verskunst schon längst nicht mehr dem Zeitgeschmack .entsprach, ist gestorben, und dem Hofdichter Casti, dem Da Ponte an die Seite gesetzt wird, ist er als Librettist weit überlegen. Zugleich Meister der Intrige, versteht es Da Ponte, sich gegenüber den Kabalen der in ihren Mitteln nicht wählerischen italienischen Operisten zu behaupten. Bei dem Anspinnen der Fäden zwischen Mozart und Da Ponte in seinem Hause spielt Baron v. Wetzlar zugleich die Rolle des Mäzens; er garantiert dem vorsichtigen Textdichter auch für den Fall, daß das projektierte Werk in Wien nicht zur Auf- Reparaturen in eig. Werkstätten IDe nnmod. Dören Dehme leb bei Neckan! in Zahlung, I No.i 2 führung käme, ein angemessenes Honorar, ausserdem die Vermittlung an einer anderen grossen Bühne Europas. Der Vorschlag Mozarts, Beaumarchais' neues, in Paris mit sensationellem Erfolg gegebenes Lustspiel „Le mariage de Figaro" zu wählen, findet die Zustimmung des Textdichters. Der Plan schien gewagt, da das Stück wegen seiner satirischen Anspielungen auf Politik und Gesellschaft in Wien der Zensur zum Opfer gefallen war. Kaiser Joseph II. lässt seine Bedenken gegen den (inzwischen von allen Anzüglichkeiten gereinigten) Text erst fallen, nachdem Mozart ihm einige Nummern der entstehenden Partitur vorgespielt hat. Ursprünglicher Theatersinn, poetisches Formtalent und musikalische Einfühlungsgabe befähigen Da Ponte, Beaumarchais' Komödie in einen Operntext umzuwandeln, der die Vorzüge des Originals wahrt und zugleichden Musiker durch Lebendigkeit und Charakteristik der Figuren und Situationen inspirieren konnte. Die Aufführung des „Figaro" wurde in Prag ein Triumph für den Komponisten und seinen Textdichter. Die Zusammenarbeit hätte ihre Feuerprobe bestanden, und Mozart ging freudig auf Da Pontes Vorschlag ein, den Don Juan-Stoff zu einem Operntext zu gestalten. In seinen „Erinnerungen" erzählt der Dichter wohlgefällig, wie begehrt er nach dem Erfolg des „Figaro" gewesen sei: zu gleicher Zeit habe er für Salieri den „Tarar", für Martini den „Baum der Diana" und für Mozart den „Don Giovanni" in Arbeit gehabt. Als ihm Joseph II. deswegen Vorhaltungen macht, erwidert Da Ponte, er wolle versuchen, nachts für Mozart zu schreiben; es werde ihm dabei zu Mute sein, als lese er Dantes Hölle, morgens für Martini, als studiere er Petrarca, und abends für Salieri, der würde sein Tasso sein. Bei der Bearbeitung des Don Giovanni-Stoffes schöpft der vielgewandte (Librettist aus zahlreichen Quellen; am meisten lässt er sich von der Dichtung Bertatis leiten. Er benutzt sie mit der in dieser Zeit üblichen Unbekümmertheit, da man doch keine Autorenrechte gegenüber dem gedruckten Wort kennt. Kraft seines grossen Talents gelingt es ihm aber, den Stoff farbiger und dramatisch wirksamer zu gestalten, und für die Wünsche und Anregungen des Komponisten, der mit dem Textdichter bei der Arbeit gleich Schritt hält, hat" Da Ponte ein offenes Ohr. Die begeisterte Aufnahme des „Don Giovanni" lässt schnell den Plan zu einem dritten gemeinsamen Werk reifen. Da Pontes Ehrgeiz, diesmal nicht als Bearbeiter vorliegender Dichtungen sondern als selbständiger Autor zu erscheinen, führt zur Wahl eines von Kaiser Joseph vorgeschlagenen Sujets. Eine frivole Wette, die der Wiener Gesellschaft reichen Gesprächsstoff geliefert hatte — die Täuschung zweier Mädchen durch Auswechslung der Liebhaber — bildete den Kern der Handlung. Ohne die feste Stütze schon vorhandener Dichtungen hat Da Pontes Begabung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.