Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 3 (12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 99 (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 99 Das beliebte Geschenk Per gute und preiswerfe Wollstoff für Mantel und Kleid Der elegante Seidenstoff moderne Samte in größter Auswahl, in allen Preislagen Jßeiveuthnl g«gr. 1870 An dar Hauplwacha er rasch erfasste, in dessen Weite er sich, wie ein Pil'grim zu unbekannten Zielen, verlor; auf die grosse Literatur der Turgenjew, Puschkin und Ljermontow hatte ihn schon vorher Jakob Wassermann, damals selbst in den Anfängen seiner Laufbahn. hingewiesen----Das Erlebnis „Russland", für das er wohl durch Prag prädisponiert war, hat im Werke Rilkes tiefe Spur gezogen: der Nachhall glockenhafter Erinnerungen lebt besonders im „Stunden-Buch" auf____Aber: wie vieler Kulturen, Europas, Nordafrikas, Avurde dieser von Grund so Empfindsame, durch Fahrt und Erfahrung Gehärtete teilhaftig und mächtig! Aller romanischen zumal. Er lebte in der Helle Skandinaviens, in Toledos acherontischer Düsterkeit, eine Zeitlang im leichtherzigen Österreich (ohne zur kärtnerischen „Urheimat" zu finden), zwölf lange Jahre in Paris. Aus Mönchs- und Troubadourgehegen hat er mit fraulicher Schmiegsamkeit ins Deutsche übersetzt, Portugiesisches auch, vom Sermon des 17. Jahrhunderts bis zu Gide und Valeri. Unnötig, hinzuzufügen, daß es meisterlich, oft mehr als „kongenial" geschah____Ja, es ist sogar in der letzten Lebenszeit Anlass zu manchem Missverständnis, von ihm ein Band französischer Verse erschienen, „Vergers, Quatrains, Valaisans", als schweizerisches Buch zunächst gedacht und Zeugnis des Danks an den Kanton, der sein Eigenstes und Höchstes in ihm freigemacht hatte: Duineser Elegien und Sonette um Orpheus. — Wer so souverän im Reich des Geistes schaltet, ist, ohne in . . Unkritik zu verweichlichen, zur Anerkennung des andern, auch des Wesensfremden, bereit und willig. Im eigentlichen unbestechlich, voll sorgsam wägender Gerechtigkeit, hat Rilke mit wahrhaft königlicher Demutsgebärde seinen literarischen Vorfahren und Ahnherren, den Bang und Jacobsen, den Baudelaire, Mallarme und Verhaeren gehuldigt: er zeigt nicht geringere „cortesia" gegenüber den engeren Zeit- und Zunftgenossen: „Liliencrons Namen war mir sehr wunderbar in jenen Jahren, der Dehmels hart und bedeutend; Hofmannsthals Dasein bewies einem irgendwie, daß der unbedingteste Dichter als Zeitgenosse möglich sei —, und in Stefan Georges unnachgiebiger Gestaltung ahnte man das wieder entdeckte Gesetz, dem keiner fortan, wenn es ihm um das Wort als Magie zu tun ist, sich würde entziehen können." — — Alte und neue Tafeln, des Arabers, des orthodoxen Russen, des Juden, waren Rilke ehrwürdig. Im ekstatischen Bekenntnistext des Stundenbuchs stehen diese Strophen, der Gottheit zugewandt: Und meine Seele ist ein Weib vor dir Und ist wie der Noemi Schnur, wie Ruth Sie geht bei Tag um deiner Garben Häuf wie eine Magd, die tiefe Dienste tut. Aber am Abend steigt sie in die Flut und badet sich und kleidet sich sehr gut, und kommt zu dir, wenn alles um dich ruht, und kommt und deckt zu deinen Füssen auf. Und fragst du sie um Mitternacht, sie sagt mit tiefer Einfalt: Ich bin Ruth, die Magd. Spann deine Flügel über deine Magd. Du bist der Erbe____ Und meine Seele schläft dann, bis es tagt, bei deinen Füssen, warm von deinem Blut. Und ist ein Weib vor dir. Und ist wie Ruth. Unter der. Briefen aus Muzot befinden sich auch mehrere an Frau Ilse Blumenthal -Weiss gerichtete; sie sind von Ende Dezember 1921, der eine sogar vom fünf Jahre später eintretenden Todostag, und vom Frühjahr 1922 datiert. Sie betreffen, wie es bei solchem Schreiber nicht anders möglich ist, in einer Art milder Unerbittlichkeit, aus seherischem Gemüt die uns Juden brennenden Fragen. Die Adressatin hat sie bereits, wenigstens im Auszug, der interessierten Öffentlichkeit bekannt gemacht: so habe ich sie nicht an dieser Stelle zu wiederholen, sondern darf, die es angeht und jener Nachdruck noch nicht erreicht hat, an den Wortlaut im Briefband verweisen. Aber es wirkt sehr nachdenklich, zu erfahren, wie der tiefsinnende Briefschreiber, vor bald 14 Jahren, in dem Gegenstand völlig adaequaten Masse Licht und Schatten verteilt, Gefahr und Freiheit, Vorsprung und Missbrauch des jüdischen Mensehen „auf einem Stück Leih-Erde" abwägt, wie er aber auch Würde und Grösse der in langem bedrängten Exil aufrecht Gebliebenen ermisst. Er, der selbst immer wieder mit dem Gottesbegriff gerungen hat, weiss der Briet'empfängerin höchst Ausserordentliches zu sagen (was meines Erinnerns noch nicht veröffentlicht wurde): „Sie haben, vergessen Sie das nicht, einen der grössten Götter des Weltalls in Ihrer Herkunft, einen, zu dem man sich nicht wie zu jenem Christengott irgendwann bekehren kann — Einen, dem man gehört, von Volkes wegen, weil er einen von jeher in den Vätern gemacht und gestaltet hat, so daß jeder Jude in Ihm (und in dem, den keiner darf zu nennen wagen) eingesetzt ist, unausreissbar eingepflanzt in Ihm, mit der Wurzel sejner Zunge!"____„Die aus rein jüdischem Impuls stammende zionistische Besinnung" erscheint dem Schreibenden als „ein Anfang zu dieser vermutlich gebotenen Austrennung"... Fast prophetischer Warnungsruf, ohne Ansehung der Person erlassen, ja voll Ehrerbietung, wo die dem Juden aus sich selbst und seinem entwicklungsgeschichtlichen Schicksal drohende Gefahr bestanden wurde. „Da ist jene Herrlichkeit entstanden, für die Spinoza ein berühmtes Beispiel wäre." Doch im näher liegenden Bezug wird hier auch. Beer-Hofmann und sein bekanntes Die Frankfurter Bank, Neue Mainzerstrafje 69 gegründet 1854 Tel. 20901 übernimmt die Ausführung aller bankmässigen Geschäfte Spareinlagen gegen Sparbuch Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen