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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-12-01 · 3 (12.1935) · p. Seite 96

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
3 (12.1935)
Date
1935-12-01
Page
Seite 96 (sequence 10)
Language
German
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Seite 96 BANKHAUS S. MERZBACH niUIIIIIIII!lllllil![|!lllillll!ll!P Gegründet 1 832 Offenbach am Main — Frankfurt am Ma»n Frankfurier Strasse 43 Kaiserstr. 14 (Hapaghaus) und die eine Stelle kann bequem mit der anderen zusammenarbeiten. Wenn man die langen Korridore entlang geht, so findet man, genau wie in irgend einem Verwaltungsgebäude des alten Europa, an den zu den Zimmern führenden, dicht beieinander stehenden Türen, die Namen und die Aufgaben der darin beschäftigten Beamten verzeichnet, und wenn man an den Türen anklopft, ertönt das „Javo" oder das „Jicanes" genau wie das „Herein" in den Regierungskorridoren Europas: bald freundlieh, bald unwillig. Aufs Liebenswürdigste werden wir von dem ehemaligen preussischen Kreisarzt von Gotha, Dr. Noack, empfangen, der liier die Aufgabe hat, in der Zentrale des Waad Leumi die verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen des Jischuw „unter einen Hut zu bringen". Der Kollege ist mit Recht stolz auf diese Aufgabe und widmet sich ihr mit Eifer und Liebe. Er gibt zwar auf die Frage des Besuchers, der aus Judengemeinden Deutschlands kommt, ob dieses „Unter einen Hut bringen" leicht sei, keine deutlich bejahende Antwort, aber er und wir sind von dem Erfolg seiner Sendung fest überzeugt. Amtlicher, europäischer Organiffotel-Restaurant Europäischer Hof Frankfurt a. Main, Kronprinzensir. 44, am Hauptbahnhof Gut bürgerliches Haus Fließend Wasser Zimmer 2.50 und 3.- Mk. - Telefon 32527 - Bes. Saly Blum sationssinn, gepaart mit dem uralten, jüdischen Gemeinschaftsgefühl, wird dort an der historischen Ecke zwischen den Stätten jüdischer, ägyptischer, babylonischer und arabischer Ärzte auch der öffentlichen Hygiene neue Altäre errichten. Neue Projekte, die bei getrennten Arbeitsfeldern gemeinsame Ziele verfolgen und die bei der Hadassah mehr auf das Gebiet der Krankenhäuser, bei der W i z o auf die verschiedensten Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge, beim Waad Leumi auf den Bau von Schulhäusern und Beobachtungsstationen gerichtet sind, werden zahlreich beraten. Dieser großen Bedeutung der privaten und gemeinnützigen uud der geringeren Pedeutung der staatlichen Gesundheitsfürsorge entsprechend, erweist sich auch das staatliche Landesbudget für das öffentliche Gesundheitswesen als wenig imponierend, wenn es für 1935/36 von London mit 14,800 L genehmigt wurde. Zwar ändert sich der Eindruck etwas, HANS MARCUS TR E UH'A'N DER FACHBERATER FÜR STEUER- UND DEVISENRECHT GOETHESTR.5 TELEFON28561 F Rf A N K F UlR T A M M.'A IIN wenn man hört, daß das gegenüber dem Vorjahr bereits eine glatte Verdoppelung bedeutet, aber auch dann erscheinen die Zahlen als nicht überwältigend. Demgegenüber können die Ziffern für die kommunalen Budgets sich schon eher sehen lassen. P etach-Tikwah, eine zwar große (7000 Einw.), aber immerhin ländliche und landwirtschafliche Gemeinde, veranschlagt seine Ausgaben für Gesundheit (außer Erziehungswesen und Schlachthof) auf 6000 L, die Metropole Tel Aviv weist für 1934/35 ein Gesundheitsbudget (außer Krankenhaus) von 42,000 L auf (Vorjahr 28,000 L), dazu für Krankenhaus 34,000 L. Und nun, bevor wir uns im nächsten - Brief einigen Beobachtungen über einzelne spezielle Seiten des öffentlichen Gesundheitswesens zuwenden, noch einige Bemerkungen über allge- , meinere gesundheitliche Dinge, die menschlicher Einwirkung z. T. weniger zugänglich sind. Das Klima Palästinas wird bedingt durch subtropische Lage, das Meer, teils Gebirgs-, teils Unterseehöhenlage, Versumpfung. Es ist, von den Orten der Extreme (Sumpf- und Tiefenlage) abgesehen, als gesund zu bezeichnen. Der Sommer ist für unsre Begriffe sehr heiß (bis 45°, bei .. Wüstenwind bis 48°), der Winter bringt wochenlangen Regen, die Abkühlung geht in der Ebene bis etwa 0°, im Gebirge bis - 6°. Die neueren Häuser in Jerusalem haben meist Heizung, in Tel Aviv trifft man viele Petroleumöfen. An die Temperaturen erfolgt Gewöhnung des Europäers, gefährlich ist jedoch Vier rasche. Wechsel innerhalb der Stunden von Tag und Nacht, deshalb gehört Vorsicht in der Kleidung, häufiger Wechsel derselben, zu den wichtigsten gesundheitlichen Maßnahmen, um Erkältungen vorzu* beugen. Man ist oft erstaunt, wie dick und warm die einheimischen Araber gekleidet sind, und die dicken Mauern der älteren arabi-. sehen Häuser mögen unsern europäischen Architekten und Hygienikern Anlass zum Nachdenken geben, ob die luftigen Häuser, die in den Tropen gebaut werden, immer und für alle Fälle das Richtige sind. Die Natur erwacht natürlich sehr früh im Jahr. Aber trotzdem konnte die Blüte der Mandelbäume bereits im Februar, auf die uns die Führer bei den Ueberlandtouren immer wieder hinwiesen, uns eigentlich nicht überraschen, denn sie. erinnerte uns daran, daß auch in der Pfalz, an Bergstrasse und Rhein vielfach von sonnigen Berghängen herunter uns diese prachtvolle Erscheinung im frühesten Vorfrühling entgegenleuchtet. Wir erkennen daran, welch bevorzugtes Klima diese Landschaften besitzen, und wir begreifen, wie hier vor bald 2000 Jahren unsre Vorfahren, wenn sie mit den Zügen der Römer an" den Rhein kamen, mit Vorliebe sich dort ansiedelten und schon früh;ene Jugendgemeinden des späteren „S c h u m" bildeten. Die berüchtigte Malaria ist nicht eine Folge des eigentlichen, naturgegebenen Klimas, sondern der Versumpfung und der Mücken, die bekämpft werden können. Und ebenso ist zu erwarten, daß, wenn einmal die ' kahlen, durch die zahllosen, hintereinander folgenden Landesherren entwaldeten Berge wieder aufgeforstet sein und ihre Humusdecke wieder tragen werden, daß dann Entsumpfung und Aufforstung auch anscheinend naturgegebene Seiten des Klimas wohltätig beeinflussen werden. Wenigstens war nach der Beschreibung des Ta - citus das damalige Deutschland, seinem größeren Waldreichtum entsprechend, viel feuchter und ^regenreicher als es jetzt ist. Und so hoffen wir, daß nach einigen Jahrzehnten, wenn die judäisehen und galliläischen Berge wieder ihren Baumschmuck tragen und die Ebene des Hule,-, wie anderer Gebiete entsumpft und kultiviert und die Mückenschwärme ihres natürlichen Gebietes beraubt sein werden, daß dann die Bewohner des Landes; nicht nur, wie ^etzt, das klimatische Eldorado des Karmelgebirges; als Zuflucht aufsuchen werden, sondern daß sie auch in den. Ebenen des Landes, natürlich unter den gegebenen Voraussetzungen der Wärmegrade eines subtropischen Gebietes, sich, wie gefühlsmässig und wirtschaftlich, auch klimatisch wohl fühlen werden. So, wie es ja in vielen Teilen des Landes auch jetzt schon der Fall ist. -•

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