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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-11-01 · 2 (11.1935) · p. Seite 78

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
2 (11.1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 78 (sequence 32)
Language
German
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Seite 78 greift, (es liegen von Goethe 23 Briefe vor) kann er sich bei jeder neuen Begegnung dem Reiz ihres Wesens nicht entziehen. Sie überschüttet ihn mit Auf-nerksamkeiten, sendet Kaviar und Schokolade und schmeichelt feinen Liebhabereien. Ja, sie wurde die erste Leserin seiner Wahlverwandsehaften und förderte nach Goethes eigenem Geständnis den Fortgang der Dichtung durch ihren warmen Anteil." Der letzte Brief von Ms^anne ist vom 1. Mai 1810, worin sie Goethe bittet, bei seinem liadeaufenthalt in Böhmen, auch ihr ein Quartier zu besorgen. Am 22. Juni erhielt sie die Nachricht, nach Karlsbad zu kommen, wo sie Goethe erwartete. Am 8. Juli kam sie an, von diesem Tage bis zum 3. August verzeichnet Goethes Tagebuch fast täglich Besuche von oder bei ihr, gemeinsame Spaziergänge und Fahrten. Am 4. August fuhr Goethe nach Teplitz, wohin Marianne ihm mit ihrer Schwester folgte, um weitere sechs Wochen in seiner Gesellschaft zu verbringen. Von da ab sah er Marianne nicht wieder. „Unsere gemeinschaftliche Freundin, Frau von Eybenberg", schrieb Caroline von Humboldt am 22. Januar 1812 an Goethe, „nähert sich langsam und unter vielen Leiden ihrer Auflösung." Frau von Eskeles übermittelt die Todesnachricht und sprach ihr Beileid über den unersetzlichen Verlust „der Freundin und Verehrerin" aus. Einem solchen Gefühl entsprangen die Worte, die Goethe nach dem Tode an die in Berlin lebende Schwester sandte (2. August 1812): „Sie kennen meine Liebe und Verehrung für Ihre unvergessliche Schwester." Ludwig Rosenmeyer- # A + bürgt für: * / n j'./fci Gesebmack i U WUfU rtr'M Qualität * , ' ......* Preiswürüigfceil Anstatt Hausangestellte in Zukunft „die Tageshilfe66 An anderer Stelle dieses Blattes finden unsere Leser und Leserinnen den Entwurf eines vielseitigen Arbeitsprogrammes, das sich mit der Lösung der Probleme und Erleichterung der durch die neuen Reichsgesetze hervorgerufenen Schwierigkeiten, befassen will. Wohl am unmittelbarsten greifen die Vorschriften in die jüdischen H au shaltungen ein und berühren einschneidend die Lebenssphäre und das Arbeitsgebiet der jüdischen Hausfrau. Wie stark diese Massnahmen noch vor ihrer eigentlichen Auswirkung empfunden wurden, erwies sich in der Unruhe und Bestürzung, die unter zahlreichen Hausfrauen einsetzte und zu recht unliebsamen Erscheinungen, vornehmlich auf dem jüdischen Arbeitsnachweis führte. Inzwischen ist durch ernsthafte Hinweise auf die Verpflichtung würdevollen Verhaltens, einigermassen Ruhe und Besonnenheit unter den Hausfrauen eingekehrt, so daß die künftige Gestaltung unserer Haushaltführung einer massvolleren Betrachtung unterzogen werden kann. Die jüdischen Hausfrauen, die in den letzen Jahren ihren Haushalt ohne Hausangestellte führten, sind in gewissem Sinne der Zeit voraus, die mit dem 1. Januar 1936 die an häusliche Hilfskräfte gewöhnte Hausfrau' vor eine veränderte Situation mit neuen Aufgaben stellt.Wir würden es daher sehr begrüßen, wenn in diesen Spalten erfahrene Hausfrauen selbst das Wort zur Klärung mancher Fragen und Erteilung von Ratschlägen nehmen wollten. Denn die „Selbsthilfe" wird in dieser mädchenlosen, aber darum nicht schrecklichen Zeit, eine erhebliche Rolle spielen müssen. (Über dieses Kapitel bringen der Bericht und das Programm der Hausfrauengruppe an anderen Stellen einige Anregungen.) In diesen Zeilen sei auf ein Problem hingewiesen, mit dem man sich in Theorie und Praxis schon vielfach beschäftigt hat. Voraussichtlich wird nur eine sehr geringe Anzahl von Haushaltungen jüdische Hausangestellte erhalten, denn die Mäd- Porfümerien Toilette-Artikel > gut und preiswert DR. ALBERSHEiM KAISERSTRASSE .9 chen sind der starken Nachfrage gegenüber rein zahlenmässig nicht vorhanden. Die anderen Haushalte werden sich mit Hilfskräften tagsüber oder stundenweise begnügen müssen. Wir wissen, daß trotz der Berufsnot der letzten Jahre der Zustrom der jungen, Mädchen zur Hauswirtschaft sehr gering war. Die Gründe hierfür sind schon des öfteren angeführt worden, zum grössten Teil liegen sie in dem Widerstand gegen die ständige Arbeitsbereitschaft und dem Mangel an genügender Freizeit. Wenn sich jetzt die Aussichten eröffnen, bei einer 8-9stündigen Arbeitszeit eine häusliche Stellung zu bekleiden und abends ein freier Mensch, wie in anderen Berufen zu sein, wird für die Stellensuchenden ein neuer Anreiz geschaffen, dem gegenüber allerdings eine gründliche Umstellung der Hausfrau erfolgen muss. Für diese neue, in den Arbeitsbedingungen noch nicht fest abgegrenzte häusliche Hilfskraft ist anscheinend schon ein Name, das „Tagesmädchen" geprägt worden. Wir möehen hier den Vorschlag machen, diese Bezeichnung nicht allgemein giltig werden zu lassen, da sie einer neuen, im Werden begriffenen Berufsform nicht den nach jeder Richtung passenden Ausdruck verleiht. Die Hausangestellte, die in der Hausgemeinschaft lebte, wird nun in Zukunft zur „Tageshilfe" werden. Es ist anzunehmen, daß auch dem Empfinden der Beschäftigten dieser Name weit mehr enstprechen dürfte. Die Hausfrauen müssen damit rechnen, mit der Tageshilfe einen neuen Typus der häuslichen Arbeits- und Hilfskraft zu erhalten. Die Tageshilfe wird einerseits aus den Kreisen der Jugendlichen kommen, die in den Bünden ihre Lebensformen finden und eine hauswirtschaftliche Ausbildung als Grundlage und Vorbereitung für jeden anderen Beruf in der alten Heimat oder in einer neuen erhalten müßen. Aber auch junge Mädchen aus anderen Berufskreisen werden sich der Hauswirtschaft zuwenden, wenn sie noch Zeit zur Pflege anderer Interessen - bekommen. Auch in den Reihen älterer Frauen wird die Tageshilfe zu finden sein, die noch eine eigene kleine Häuslichkeit besitzen und ihren bisherigen meist mühseligen Erwerbszweig — kleine Vertretungen von Lebensmitteln, Reinigungsartikeln und dgl. — gern mit Haus- und Küchenarbeit stunden- oder tageweise vertauschen werden. Es wird an Arbeitgebern und Arbeitnehmern liegen, hier den richtigen Ausgleich zu finden; Gehaltsfragen und Arbeitszeit werden von den entsprechenden Stellen, wie Arbeitsnachweis und Hauswirtschaftliche Kommission fachlich und sachlich zu regeln sein, damit weder Übernoch Untergebote entstehen. Guter Wille auf beiden Seiten, soziales Verständnis der Hausfrau, Einfühlung in Menschen und Anpassung an die Verhältnisse müssen selbstverständlich vorhanden sein. Und unsere jungen Mädchen müssen die richtige Achtung vor dem hauswirtschaftlichen Beruf, dem wichtigsten für ihre Zukunft, bekommen und in der Hausfrau ihre Lehrmeisterin sehen. Aber die grösste Verantwortung liegt doch immer wieder bei der Hausfrau. Und darum soll sie der kommenden Erscheinung der „Tageshilfe" keinen Widerstand entgegenbringen, soll schon heute mit der Tatsache rechnen, daß abends kein Mädchen im Hause sein wird und die richtige Umstellung treffen. Es darf nicht sein, daß ein jü- SCHIFFS- und FAHRKARTEN für In-jincTAusland, spez. Palästina, Argentinien und Amerika besorgt Ihnen prompt ziCOriginalpreisen: Ludwig West heim Eckenheimer Landstrasse 3, Tel. 52626

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