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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-11-01 · 2 (11.1935) · p. Seite 77

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
2 (11.1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 77 (sequence 31)
Language
German
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Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer, Frankfurt a. M.. Feldbergstr. 31 Jüdische Frauen um Goethe Der Bericht über „Wiener Frauen" in der Frauenbeilage der September-Nummer des Frankfurter Israelitischen Gemeindeblattes gab die Anregung, ihre Beziehungen zu Goethe einer kurzen Besprechung zu unterwerfen. Sein häufiger Aufenthalt in den böhmischen Badeorten ließ es nicht vermeiden, daß Goethe auch mit dem österreichischen Hochadel, hohen Offizieren, hervorragenden Vertretern der Kunst und Wissenschaft in Verbindung trat, namentlich war es der Kreis schöner Frauen, die Beziehungen zu ihm suchten und zu ihrer Genugtuung auch fanden. Sie warben um seine Gunst, „für jede hatte er ein passendes Wort, einen zierlichen Vers, eine galante Wendung". Nicht allein die Sorge um seine Gesundheit Hess ihn viele Jahrzehnte hindurch Wochen und Monate in den Bädern Aufenthalt nehmen, auch das Herz sprach manchmal mit. „Eine kleine Liebschaft" — sagte er einmal — „ist das einzige, was uns einen Badeaufenthalt erträglich machen kann, sonst stirbt man vor Langweile. Auch war ich fast jedesmal so glücklich, dort irgend eine kleine Wahlverwandschaft zu finden, die mir während der wenigen Wochen eine Unterhaltung gab." Kritisch wurde diese „Unterhaltung" für Goethe selbst, als im Sommer 1823 in Marienbad das Liebesfeuer im Herzen des Greises in solcher Macht emporloderte, und er von Ulrike von Levetzow und den böhmischen Bädern definitiv Abschied nahm. WUNDERVOLLE ' Wintermäntelvon 29.-^165." IN DER BEKANNT GROSSEN AUSWAHL FUHRLÄNDER Gegr. i86o Inhaber: L. u. A. B e de h a r dt In Karlsbad und Teplitz trat Goethe in den Kreis der von ihm verehrten Kaiserin Maria Ludovica; ja er wurde 1812 in Teplitz in 26 Tagen 11 mal von ihr zur Tafel gezogen. Für die Kaiserin, zu schwärmen, hört Goethe bis in seinen Lebensabend nicht auf. Diese Beziehungen tragen nicht wenig dazu bei, den Goethe- Kult in Wien zu beleben und zu verbreiten. Uns erscheint es heute eigentümlich, daß Goethes Ansehen in den zwei ersten Jahrzehnten des 19ten Jahrhunderts in den beiden Hauptstädten, Berlin und Wien, nicht die Bedeutung erlangte, wie sie uns heute selbstverständlich ist. In beiden Städten waren es hauptsächlich Jüdinnen, die in ihren Salons, in denen Männer der Politik und Wirtschaft, Gelehrte und Künstler sich zu geistigen Genüssen zusammenfanden, einen Goethekultus trieben und dem Dichterfürsten Altäre der Verehrung errichteten. Auf die Salons der Berliner Frauen Rahel L e w i n, Dorothea Veit und andere will ich hier nicht näher eingehen, merkwürdig erscheint es, daß auch in Wien, nach dort verzogene Berliner Jüdinnen es waren, die die Geselligkeit der Berliner Salons nach Wien verpflanzten und durch ihre geistigen Vorzüge und den Verkehr in der hohen aristokratischen Gesellschaft dazu beitrugen, den Ruhm von Goethes Persönlichkeit zu verkünden und für das bessere Verständnis seiner Dichtungen mit Leidenschaft einzutreten. Von den beiden Schwestern Itzig liegt die Schilderung von A. Gallinerinder September-Nummer des Gemeindeblattes vor. Die Schönheit der älteren, der Frau des Freiherrn v. Arnstein, hörte Goethe bereits bei seinem Aufenthalt in Rom, im Hause des österreichischen Gesandten von T h u g u t rühmen, ob sie auch persönlich mit ihm bekannt wurde, hierfür sind Belege nicht vorhanden; jedenfalls kannte er ihre berühmte Tochter, Henriette von Pereira. Sein Tagebuch vom 3. September 1823 verzeichnet „Dame von Wien, Freundin von Madame Pereira. Viel Gutes und Freundliches gesprochen."Die Zweite, Freifrau von Eskeles, hatte nach Varnhagens Zeugnis nicht die Lebhaftigkeit der Schwester, „vereinigte aber mit dem feinsten Ton und leisesten Takt einer vornehmen Wirtin das gutmütigste Wohlwollen, das auch dem Geringsten ihrer Gäste zu gute kam." Goethe lernte Herrn und Frau v. Eskeles und dessen Schwester, Elevnore _v. F1 i eß, im Jahre 1808 in Karlsbad kennen. Es folgte dann ein reger Verkehr im September in Franzensbad, wobei das Tagebuch beinahe tägliche Zusammenkünfte verzeichnete. Obwohl das literarische Element nicht ganz ausgeschaltet war, (Goethe las Novellen der Wander jähre und Gedichte vor) so überwog doch eine heitere, zwanglose Stimmung, gehoben durch die vorzügliche Wiener Küche. Riemer, der Begleiter Goethes, schreibt hierüber an Frommann in Jena: „Hier ist eine Frau v. Eskeles, bei der sich täglich Gesellschaft einfindet, woraus ich mir einen Begriff, wie, es wohl in Wien sein mag, abstrahire. Man ißt gut und vortrefflich da, und das möchte wohl der größte Genuss sein, den die Gesellschaft gewähren kann, denn im übrigen fühlt man sich nicht sehr gefördert und weiter gebracht." Von Frau v. Eskeles liegt ein Brief vom 1. November 1812 an Goethe vor, in dem sie eine Einladung nach Wien ergehen lässt, „Ich erfreue mich der Hoffnung, Sie einst in unseren Mauern zu sehen, und stolz des Triumphs zu geniessen, meine neuen Landsleute empfänglich für das Glück, Sie in ihrer Mitte zu sehen, zu wissen." Goethe lehnte höflich die Einladung ab und spricht auch vorn Besuche, den ihr Gemahl Goethe in Weimar machte. SIlmS Witlwc Hqssqd in bekannter Güte Filialen in allen Stadtteilen Anhaltend und teilweise innig war die Verbindung mit zwei anderen Berliner Jüdinnen, von denen eine ihren Wohnsitz später auch nach Wien verlegte. Sarah und Marianne Meyer waren Töchter eines reichen jüdischen Kaufmanns, letztere war die schönere, begabtere und begehrtere. „Ihre Augen sind die schönsten, die jemals am Himmel oder auf der Erde geleuchtet haben", spricht einer ihrer Bewunderer 1799. Von zahlreichen Verehrern umringt, reicht sie wohl berechnend dem österreichischen Gesandten in Berlin, dem Fürsten Heinrich XIV von Reuss die Hand, einem alten hässlichen Mann, nicht ohne Geist und Bewunderung ihrer Schönheit. Die Ehe war heimlich, Marianne wohnte nicht im Hause des Gatten, behielt ihren Mädchennamen, wurde aber überall als Frau des Gesandten betrachtet. Nach seinem Tode (12. Februar 1799) erhielt sie den Namen einer Frau von Eybenberg und siedelte nach Wien über.Die Bekanntschaft Goethes mit den Schwestern wurde 1795 in Karlsbad geknüpft. In den ersten Briefen Mariannes an Goethe wird oft ein zärtlicher Ton eingeschlagen, sie trägt Goethes Haar in einem Medaillon an ihrer Brust, macht zierliche Handarbeiten für ihn. Sie ist von ihm bezaubert und des Eindrucks bewusst, den sie auf ihn ausgeübt zu haben meint. Varnhagen von Ense, der die ersten von Goethe an die Schwestern gerichteten Briefe an sich gebracht und herausgab, fand für die Beziehung zu Goethe folgende Formel: „Er habe für sie die lebhafteste Neigung gehabt, die nach überstandenem Schwindel der Verliebtheit, als aufmerksame Beachtung fortgedauert habe." 29 Briefe, die Marianne an Goethe gerichtet hat, sind veröffentlicht, trotz der vielen Pausen b'is zum Jahre 1812 (ihrem Tode), trotz des kühleren Tones, der gelegentlich Platz

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