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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-11-01 · 2 (11.1935) · p. Seite 64

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
2 (11.1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 64 (sequence 18)
Language
German
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Seite 64 Dr. jur. Julius Sonn — Steuer-, Rechtsu. Devisensachen — Beratung von Auswanderern und Durchführung aller Formalitäten Frankfurt a M., Horst Wesselplatz 14,11. .— Tel. 22798 fürt am Main und ihrer verschiedenen Arbeitsgebiete dar. Nach Schluss der Ausführungen der beiden Vorstandsvertreter erfolgen aus der Gemeindevertretung einige Anregungen, welche der Leitung der Jüdischen Winterhilfe zur Berücksichtigung empfohlen werden, worauf Herr Felix Meyer namens der Gemeindevertretung den durch Herrn Sanitätsrat Dr. Ettlinger vorgebrachten Appell aufs Wärmste unterstützt und der Hoffnung Ausdruck gibt, dass die gesamte Gemeinde sich ihrer Pflicht bewusst sein werde. Es wird schliesslich der vorliegende Vorstandsbeschluß en bloc angenommen. Einige kleine Vorlagen betrafen die Bildung eines Ausschusses zur Durchführung der infolge des Gesetzes vom 15. September 1935 erforderlich gewordenen Arbeiten in der Frage der Hausangestellten, die Einrichtung eines Oneg Schabbat für die Jugendbünde und -Vereine in der Aula des Philanthropins, -sowie die Veröffentlichung eines Aufrufs zur Förderung der Werbearbeit des K e r e n Hajessod. Sie wurden debattelos angenommen. Hieran schloss sich eine nichtöffentliche Sitzung.. Aus der Arbeit der Reichs Vertretung Das neue Arbeitsprogramm der Reichsvertretung Die Pressestelle der Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Die vom Reichstag in Nürnberg beschlossenen Gesetze haben die Juden in Deutschland aufs Schwerste betroffen. Sie sollen aber eine Ebene schaffen, auf der ein erträgliches Verhältnis zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volke möglich ist. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland ist willens, hierzu mit ihrer ganzen Kraft beizutragen. Voraussetzung für ein erträgliches Verhältnis ist die Hoffnung, daß den tfuden und jüdischen Gemeinden in Deutschland durch Beendigung ihrer Diffamierung und Boykottierung die moralische und wirtschaftliche Existenzmöglichkeit gelassen wird. Die Ordnung des Lebens der Juden in Deutschland erfordert die staatliche Anerkennung einer autonomen jüdischen Führung. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland ist das hierzu berufene Organ. Hinter ihr steht bis auf geringe Ausnahmen die Gesamtheit der Juden und jüdischen Gemeinden, insbesondere alle Landesverbände und alle Groß gemeinden, sowie die freien jüdischen Organisationen Zionistische Vereinigung für Deutschland Centraiverein der Juden in Deutschland Reicjisbund jüdischer Frontsoldaten Vereinigung für das religiös-liberale Judentum die organisierte Gemeinde-Orthodoxie Jüdischer Frauenbund Reichs.ausschuss der jüdischen Jugendverbände. Die dringendsten Aufgaben der Reichsvertretung, denen sie in energischer Verfolgung des bisher von ihr eingeschlagenen Weges mit aller Hingabe nachgehen wird, sind: 1.) Das eigene jüdische Schulwerk muß der Erziehung der Jugend zu religiös gefestigten, aufrechten Juden dienen, die aus bewusster Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft, aus der Arbeit an jüdischer Gegenwart und dem Glauben an jüdische Zukunft die Kraft schöpft, den schweren Anforderungen zu entsprechen, die das Leben an sie stellen wird. Über die Wissensvermittlung hinaus muß die jüdische Schule der planvollen Vorbereitung für den künftigen Beruf dienen. Mit Rücksicht auf die Auswanderungsfähigkeit, insbesondere nach Palästina, wird dabei die Hinführungzu handarbeitenden Berufen und das Erlernen der hebräischen Sprache im Vordergrunde stehen. Die Erziehung und berufliche Ausbildung der weiblichen Jugend muß darauf hinzielen, sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben als Erhalterin der Familie und als Mutter der künftigen Generation vorzubereiten. Ein eigenständiger Kulturaufbau muß den kunst- und kulturschaffenden Juden Betätigungsmöglichkeiten geben und dem kulturellen Eigenleben der Juden in Deutschland dienen. 2. ) Dem gesteigerten Auswanderungsbedürfnis ist mit einer großzügigen Planung zu entsprechen, die vor allem Palästina, aber auch alle anderen in Frage kommenden Länder, einbezieht und besonders der Jugend gilt. Hierzu gehört die Sorge für die Vermehrung der Auswanderungsmöglichkeiten, Ausbildung in die für Auswanderund geeigneten Berufe, insbesondere Landwirtschaft und Handwerk, die Schaffung von Möglichkeiten zur Mobilisierung und Liquidierung des Vermögens wirtschaftlicher Selbständiger, die Erweiterung bestehender und die Schaffung neuer Transfermöglichkeiten. 3. ) Die Erhaltung und Betreuung der Hilfsbedürftigen, der Kranken und der Alten muß in Ergänzung der staatlichen Fürsorge durch weiteren systematischen Ausbau der von den Gemeinden getragenen jüdischen Wohlfahrtspflege sicher gestellt werden. 4. ) Diesen vielfältigen und schwierigen Aufgaben ist eine verarmte Gemeinschaft nicht gewachsen. Die Reichsvertretung wird mit allen Mitteln versuchen, die wirtschaftliche Kraft der Juden dadurch zu sichern, daß die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten erhalten bleiben. Die wirtschaftlich Schwachen sind durch weitere Ausgestaltung wirtschaftlicher Hilfsmassnahmen, wie Arbeitsnachweise, Wirtschaftsberatung, sowie Personal- und Realkredithilfe, zu stärken. 5. ) Kraft in der Gegenwart und Hoffnung für die Zukunft gibt das lebensvolle Fortschreiten im Aufbau des jüdischen Palästina. Um das Judentum in Deutschland noch mehr als bisher in diese Entwicklung hineinzustellen, tritt die Reichsvertretung als solche dem jüdischen Aufbauwerk e. V. (Keren Hajessod) bei und fordert die jüdischen Gemeinden und Verbände nachdrücklichst auf, ihrem Beispiel zu folgen. Die Reichsvertretung erklärt sich bereit, die organisatorische Verbindung der Körperschaften der Judenheit in Deutschland mit dem Aufbauwerk in Palästina herzustellen. Im vollen Bewusstsein der Grösse der Verantwortung und der Schwere der Aufgabe ruft die Reichsvertretung alle jüdischen Männer und Frauen, die gesamte jüdische Jugend, zur Einigkeit, zu jüdischer Haltung, strengster Selbstzucht und größter Opferbereitschaft auf. Der vorstehenden Entschliessung des Präsidialausschusses der Reichsvertretung haben ihre ausdrückliche Zustimmung ge- .geben: Preussischer Landesverband jüdischer Gemeinden durch Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff und Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee; Verband Bayerischer-Israelitischer Gemeinden durch Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer-München; Sächsischer-Israelitischer Gemeindeverband durch Wilhelm Breslauer-Leipzig; Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens durch Kommerzienrat Mayer-Mainz; Oberrat der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs durch Leopold Levi-Stuttgart; Oberrat der Israeliten Badens durch Prof. Dr. Stein-Karlsruhe; die Gemeindevertretung der Hansestädte .durch Rechtsanwalt David- Hamburg und Dr. Manasse-Altona; Oberrat der israelitischen Landesgemeinde Meldenburg-Schwerin durch Dr. Josephy-Rostock. Jüdische Gemeinde zu Berlin durch Direktor Stahl;- Jüdische Gemeinde Breslau durch Dr. Lachs; Jüdische Gemeinde Frankfurt a. M. durch Justizrat Blau; Jüdische Gemeinde Köln durch Dr. Callmann; Jüdische Gemeinde Mannheim durch Rabbiner Dr. AUSLAND-, spez. PALASTDVATRANSPORTE / Schnellverkehr mit Trajektwagen nach England ohne Umladung SAMMELLADUNGEN EIGENE LAGERHÄUSER EIGENER FUHRPARK MSbel - Koffer (LIft-Vans) VERPACKUNG VERSICHERUNG ALBERT HERZ INTERNATIONALE SPEDITION FRAJNKFURT-M. Tel. 30576 Gutleutetrasse 31.

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