Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-11-01 · 2 (11.1935) · p. Seite 56

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
2 (11.1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 56 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3094266-3094426-3094428--4919-3099722
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 56 rungenen Glaubensgemeinschaft der hymnische erste Satz. Das Werk will eine überzeitliche, im Religiösen wurzelnde Antwort auf die Fragen unserer Zeit geben. Es bekennt sich zu den ewigen Kräften eines gläubigen Herzens, das schwere Leiden in der Hingabe an Gott überwinden lernt. Der musikalische Stil wird von dem Bestreben bestimmt, die manchmal schwierige Diktion der Rosenzweig'schen Worte in einer einfachen, sinnfälligen Musiksprache aufgehen zu lassen und Gemeinschaft zu sammeln um den religiös-sittlichen Kern des Judentums. Herbert Fromm Für Erich Itor Kahn schreibt Dr. Ehrenreich: Die „Madrigale nach Volksliedern der Juden Osteuropas" von Erich Itor Kahn, stellen eine neuartige, in dieser Form vielleicht erstmalige Begegnung einfachster jüdischer Volksmelodik mit dem Stil und der Ausdrucksweise der Schule Arnold Schönbergs dar. Kahn hält die originale Gestalt der Weisen ohne jede Abänderung im Sopran fest. Unter die in der gewohnten Molltonart geführte Oberstimme aber legt er ein rücksichtslos polyphones,, im Atonalen sich bewegendes Siimmgeflecht, das den sehlichten Liedern nicht nur sozusagen, -ein anderes Gewand gibt, sondern auch ihr Wesen zu verändern scheint. Es spricht für den Wert der Melodien, daß sie diesem radikalen Verfahren standhalten. Es spricht aber ebenso für das Einfühlungsvermögen Kahns, daß er trotz der Eigenwilligkeit seiner Bearbeitung im letzten Grunde doch die ursprüngliche Atmosphäre irgendwie zu wahren wußte. Er darf als Rechtfertigung für seine Schaffensweise das Beispiel der größten Epoche vielstimmigen Gesanges, des 15. und 16. Jahrhunderts, anführen, in der gleichfalls unkomplizierte Volkslieder mit kunstvollen Sätzen versehen wurden. Auch die subtile, bis in die kleinste Verästelung-hinein spürbare motivische und kontrapunktische Arbeit Kahns weist (ausser der Bezeichnung „Madrigal") darauf hin, daß er sich jener Zeit verpflichtet fühlt. Das erste Stück „Soldatenabschied" ist von einer bewusst erstrebten eisernen Härte und Unerbittlichkeit. Der Schmerz des für lange Jahre in die Fremde ziehenden Sohnes ist gleichsam versteinert, zur Unempfindlichkeit. erstarrt. Die „Romanze", eigentlich ein Wiegenlied, schlägt -weichere Töne an. Die „Linie" führt hier fast von selbst zu einer (impressionistisch anmutenden) „Farbe".. - Die ungewöhnten Klangverbindungen Kahns stellen die Ausführenden und wahrscheinlich auch die Hörer vor enorm schwierige : Auf gaben. Es bedarf einigen guten Willens und. einiger Übung, um die innere Logik der seltsamen Tonsprache zu be- , greifen. Hat man sich aber erst hineingehörtj so wird man fühlen, daß das Eintreten für diesen musikalischen „Sonderfall" geboten erschiene, auch wenn der Komponist nicht lange Jahre in Frankfurt tätig gewesen wäre. Aus der Arbeit des A usschusses für Hauswirtschaftsfragen „Neue Sorgen, vermehrte Lasten bedrücken die jüdischen Frauen". Mit diesem Satz beginnt der Aufruf, den der Jüdische Frauenbund zu Roschhaschanah an die Frauen gerichtet hat. Die Hausgehilfengesetzgebung vom 15. Sept. 1935 brachte eine Fülle neuer Aufgaben mit sich, vor die sowohl die einzelnen Hausfrauen als in erhöhtem Masse die Organisationen sich gestellt sahen. Bei den Berliner jüdischen Zentralen, wie an den einzelnen örtlichen Stellen, begann man sofort nach Erlass des Gesetzes an die Lösung dieser Aufgaben heranzugehen. In Frankfurt a. Main fanden sich sämtliche in Frage kommenden Organisationen, wie der Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge, Jüdischer Frauenbund (der mit den vorbereitenden Arbeiten schon begonnen hatte), Männlicher Arbeitsnachweis, Jüdische Wohlfahrtspflege, Jüdische Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe, Wizo, die Logen, der Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen-Nassau, die Jüdische Haushaltungsschule etc. zusammen und bildeten aus ihrer Mitte einen engeren Ausschuss,denAusschussfür Hauswirtschaftsfragen. Ihm liegt es ob, die einzelnen Tätigkeitsgebiete den in Betracht kommenden Stellen und Organisationen zu übertragen und die ständige Fühlungnahme zwischen ihnen so zu gewährleisten, daß ein Handeln nach gemeinsamen Richtlinien ermöglicht wird. Es wird nicht in allen Fällen möglich sein, zum 1. Januar 1936 der Hausfrau einen vollen Ersatz der bisherigen Haushilfe zur Verfügung stellen zu können. Es gibt leider wenige jüdische Mädchen, die bereits als Hausgehilfinnen tätig waren. Deshalb ist es auch unmöglich, in der kurzen Zeit sämtliche freiwerdenden Stellen zu besetzen. Immerhin bemüht sich der Arbeitsnachweis der weiblichen Fürsorge nach Kräften, die Besetzung der freien Stellen vorzunehmen. Soweit die vorhandenen Kräfte nicht ausreichen, werden Menschen, die bisher in anderen, etwa kaufmännischen Berufen tätig waren, für den neuen Beruf umgeschult und ausgebildet^ Die Jüdische Haushaltungsschule führt Umschulungskurse für Mädchen durch. Eine besondere Art der Haushilf e ist das sich auf Palästina vorbereitende junge Mädchen, das in einem Haushalt seine Hachse h a r a h beginnt. In diesem Falle können die Bedürfnisse des Haushalts nicht allein massgebend sein. Die Ausbildung der jungen Mädchen muss vielmehr unter Bedingungen geschehen, die die Palästina-Vorbereitung erfordert. Die mit der Hachscharah zusammenhängenden Fragen werden von der Jüdischen Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsnachweis, der Wizo und der Agudah-Frauengruppe einerseits, den zionistischen Jugendorganisationen andererseits gelöst. In vielen Fällen werden die Hausfrauen sich keine Haushilfe nehmen, sondern ihren Haushalt allein versorgen. Um ihnen die volle Möglichkeit hierzu zu geben, hat die hauswirtschaftliehe Kommission des Jüdischen Frauenbundes Kurse für Kochen, Flicken, Schneidern und Bügeln eingerichtet. Oft wird es nicht möglich oder nicht notwendig sein, einen vollen Ersatz für Haushilfen zu beschaffen. Man wird sich mit stundenweiser Hilfe begnügen, sei es, daß man stundenweise eine Frau oder für grobe Hausarbeit einen Mann anstellt. Die beiden in Frankfurt a. Main bestehenden Arbeitsnachweise für weibliehe und männliche Arbeitssuchende haben für diese Fälle Kräfte zur Verfügung gestellt. Soweit es noch an solchen fehlt, werden in den nächstenWochen Ausbildungen,besonders für Mähner,vorgenommen, die in grober Hausarbeit, Reinigung von Fenstern, Teppichklopfen und dergleichen geschult werden. Vielfach wird auch eine nachbarliche Hilfe oder die Inanspruchnahme eines Kindergartens genügen, um die Bedürfnisse des einzelnen Haushalts zu befriedigen. Arbeitsgebiet Stelle . . ,:;. - ■ A d i e s s e . .. Telefon Vermittlung von weiblichen Personen -..'. . Weiblicher Arbeits-Nachweis 'Hans Handwerkstrasse 3 25462 Vermittlung von männlichen Personen . . . Männlicher Arbeitsnachweis Quinckestrasse 24 46164 Vermittlung von Ehepaaren ........ Weiblicher Arbeitsnachweis in Zus.- Hans Handwerkstrasse 3 25462 Arb. m: männlichem Arb.-Nachw. Quinckestrasse 24 46164 Umschulungskurse für Mädchen...... Jüdische Haushaltungsschule Quinckestrasse 20 .48796 : Hachscharah-Haushalt-Stellen . ..; Weiblicher Arbeitsnachweis Hans Handwerkstr. 3 25462 für Mädchen ......... Jüd. Beratungsstelle für Wirtschaftsh. Quinckestrasse 24 - 46976. Hausw. Kommission d. Jüd. Frauenbund. .... Anmeldung bei Frau Lilienstein Quinckestrasse 54.......... . .. - .46976 Nachweis von Mittagstischen und Pensionen . Jüd. Beratungsstelle f. Wirtschaftshilfe Quinckestrasse 24 46976

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.