Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 1 (10.1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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i ti b e r * 6 rf 0 Die geheimnisvolle Bibel (Nach dem Französischen) Die Stadt Bone in Algerien war in alter Zeit berühmt und weithin bekannt durch ihre zahlreichen Gebäude, die hohen architektonischen Kunstwert besaßen. Sie war besonders reich an grossartigen Gotteshäusern. Es gab da zwei grosse katholische Kirchen, dann eine berühmte aus den Trümmern altrömischer Euinen konstruierte Moschee und endlich eine prächtige Synagoge. Diese jedoch verdankte ihre Bedeutung nicht allein der Kunst ihres Erbauers, auch nicht dem Glänze der inneren Ausstattung, sondern einem geheimnisvollen Schatz, den sie barg. Er bestand in einer alten Bibel, der wundersame Eigenschaften und rätselhafte Wirkungen zugesprochen wurden. Davon erzählt die Legende folgendes: Einst unternahm ein Maure eine Pilgerfahrt nach den heiligen Städten Mekka und Medina. Dort übte er die feierlichen Bräuche und sprach die Gebete, die ihm seine Eeligion vorschrieb. Nachdem er seiner frommen" Pflicht genügt hatte, besuchte er seine Freunde, kaufte schöne Geschenke für seine Frau und seine Kinder ein und erledigte schliesslich seine Handelsgeschäfte. Dann begab er sich auf die Heimfahrt. Er nahm ein Schiff, das nach Alexandria unter Segel ging. Günstige Winde beschleunigten die Eeise. Auf dem Schiffe machte der Pilger die Bekanntschaft eines jüdischen Mannes, der von einer Wallfahrt nach Jerusalem zurückkehrte und der eine Bibel mit sich führte, die ihm der Grossrabbiner des Heiligen Landes zum Geschenk gemacht hatte. Natürlich hütete der Jude das ihm so teure Gut mit der grössten Sorgfalt. Er hatte sich, um die Schrift vor jeder Beschädigung zu schützen, einen besonderen Behälter aus Kupfer dafür anfertigen lassen, worin der Schatz während der ganzen Seereise verschlossen blieb. Allein die Fahrt sollte nicht so glücklich enden, wie sie begonnen hatte. Schon erblickte man vom Schiff aus die heimatlichen Gestade, als drohende schwarze Wolken heraufzogen, die sich bald in einem heftigen Sturme entluden. Anfangs hielt das Schiff dem Anprall der Wogen stand; diese aber stiegen immer höher und höher und rollten schliesslich erbarmungslos über das Fahrzeug hinweg, das ihnen wehrlos preisgegeben war. Es wurde gegen einen Felsen geschleudert und zerschmettert. Die gesamte kostbare Ladung wurde ein Kaub der Wellen, alle Passagiere und die ganze Mannschaft ertranken. Nur ein einziger konnte sich durch ausdauerndes Schwimmen ans Ufer retten: Es war jener muselmannische Pilger, von dem wir bereits gesprochen haben. Er brachte die Hiobspost nach seiner Heimatstadt Bone. Durch ihn allein wurde das unglückselige Ereignis mit allen schauerlichen Einzelheiten bekannt. Im Laufe seines Berichtes vergaß der Gerettete auch nicht, des jüdischen Mannes Erwähnung zu tun, der mit seinem ängstlich bewahrten Heiligtum in die Tiefe des Meeres gesunken war. Das Ereignis war schon beinahe in Vergessenheit geraten, als es durch ein sonderbares Vorkommnis wieder in lebendige Erinnerung gebracht wurde. Der türkische Hafenwärter von Bone, der auf seinem Beobachtungsposten in Gemütsruhe seine lange Pfeife rauchte, sah eines Tages in der Nähe des Ufers ein seltsames Ding in den Wellen auf- und niederschaukeln. Er ging hin, um es aus dem Wasser herauszuholen. Aber siehe da, es wich vor ihm zurück. Er entfernte sich, da schwamm es wieder dem Ufer zu. Er ging wieder hin, um es zu ergreifen — es zog sich wieder aufs Meer zurück. Der Wächter sprach mit seinen Freunden über die rätselhafte Sache. Sie lächelten ungläubig und gingen mit ihm an den Strand, mussten aber zugeben, dass es ihnen mit dem merkwürdigen Ding auch nicht anders erging als ihm. Bald sprach die ganze Stadt von nichts anderem, und so kam die Geschichte auch dem Caid zu Ohren, dem Bürgermeister des Ortes. Er entsandte eine Anzahl tüchtiger Seeleute, die man dort Chaouchs nennt, mit dem Auftrage, ihm das Ding sofort herbei zubringen. Aber denen ginga kein bischen besser als dem Hafenwächter: Der Gegenstand wich bei ihrer Annäherung zurück und schwamm wieder dem Ufer zu, sobald die Männer landwärts gingen. Der Bürgermeister geriet in Wut und schalt die Leute, die es nicht mal fertigbrächten, eine kleine Kiste aus dem Wasser zu fischen. Während man eifrig beratschlagte, wie man der Sache beikommen könnte, sammelte sich allmählich eine grosse Zuschauermenge an, die das Wunder besprach. Unter der Menge war auch ein Freund jenes Mekkapilgers, dem dieser oft die Geschichte von dem Juden mit seinem Schatz in der Kassette erzählt hatte. Beim Anblick des auf den Wellen schaukelnden Kästchens kam ihm diese Erzählung in den Sinn. Er sprach mit dem Bürgermeister darüber und schlug ihm vor, einige jüdische Männer kommen zu lassen; vielleicht wüssten sie, wie man einen solchen Zauber lösen könne. Der Kat wurde sofort befolgt. Drei Juden begaben sich in einem Boot auf die See. Und da geschah das Wunder! Kaum hatten sie den ersten Ruderschlag getan, um auf das schwimmende Geheimnis zuzusteuern, als die Lade wie aus einem inneren Antrieb ihnen entgegenschwamm und sich willfährig ergreifen ließ. Es war wirklich jene Kupferkassette. Man brachte sie zu dem Eabbiner der Stadt, der sie mit grösster Behutsamkeit und Sorgfalt öffnete. Die wertvolle und kostbare Schrift kam völlig unversehrt zu Tage. Die Mohammedaner waren von diesem Vorkommnis tief ergriffen, am meisten der Mekkapilger; er fasste den Entschluß, das Erlebnis durch eine bleibende Erinnerung zu verewigen. So spendete er der jüdischen Gemeinde der Stadt eine grosse Summe Geldes, damit sie dieser heiligen Bibel, die zwar nicht sein Religionsbuch war, deren geheimnisvolle Macht er aber erlebt hatte, eine würdige Stätte errichte. So wurde in der Stadt Bone in Algerien ein Bethaus erbaut, das dem Gottesdienst der Juden geweiht war. Aber die Chronik berichtet, daß in besonderen Fällen auch die Mohammedaner dort eine Weihestunde abhielten, durchdrungen von dem gläubigen Vertrauen, daß dem heiligen Bibelschrein die wunderbarsten Kräfte innewohnten. (Ins Deutsche übertragen von E. Gut.) Rätsel Mein Erstes ist ein Schmerzenslaut Mein Zweites, das wird niemals Braut, Mein Drittes fliesst durch Wald und Feld, Das Ganze ist ein Federheld. Im Gehäuse warm und frisch Liebst Du mich auf Deinem Tisch, Und in Deiner Tasch* erst recht Magst Du viele, aber echt. Silbenrätsel Aus den folgenden Silben sind acht Worte zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, die älteste Wetterkatastrophe und das älteste Schiff benennen: foh, il, la, len, 1er, loch, lot, ma, ne, nuss, rah, sa, su, tan, to, to, tra, up. 1) Insel in Niederländisch-Indien 2) Nebenfluss der Donau 3) Badisches Dorf bei Heidelberg 4) Ein Nadelholz 5) Junges Pferdchen 6) Gesellschaftsspiel, auch für Kinder 7) Schwedische Universitätsstadt 8) Heiliges Buch der Juden Auflösung der Rätsel aus der letzten Kinderecke Silbenrätsel: Seraph, Cannstatt, Hindu, Wupper, Ulrich, Opodeldoc, Turmbau, Horeb. Schwuoth-Buch Ruth. E ä t s e 1: Sommernachtstraum. Eichtige Einsendungen sind eingegangen von: Elfriede Abraham, Herderstr. 11, Lily Fuld, Cronbergerstr. 42, Marianne Gross, Feldbergstr. 7, Minna Kupfermann, Hans Handwerkstr. 25, Helene Lidzbarski, Scheidswaldstr. 66, Eudi Oppenheimer, Scheidswaldstr. 72, Ruth Schereschewski, Gunthersburg-Allee 16 a.