Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 1 (10.1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3094266-3094426-3094427--4877-3099679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Seite 19 war ihm unlieb. Es passte nicht in sein Gefühl, das von damals her zu ihm kam. Er gab karge Anwort. Dann wurde er zu den noch Lebenden der Verwandtschaft gewiesen. Alte^ Leute, die nicht mehr in dem stattlichen Hause wohnten, sondern in einem kleinen, etwas verfallenen einstöckigen Bau. Zwei Schwestern und ein Greis. Er stieg nach einem guten Wortwechsel, der vom Fenster her eingeleitet wurde, die wackelige Treppe hinauf und wurde mit allzugrossem Respekt empfangen. Er war hier ein Ereignis. . Das~gute alte Fräulein sprach fast mehr, als ihm lieb war, in ganz kurzer Zeit kramte sie die ganze Geschichte der Verwandten von damals bis heute aus und flocht ihr eignes Schicksal, das sie ohne Ehe gelassen hatte, mit Bedacht hinein : es sei nicht an ihrer Schönheit gelegen, die habe ganz im Gegenteil immer Be- , wunderung erweckt, nein, es sei ein Roman und sie werde den noch berichten. Dann kam die Schwester und setzte ihre Geschichte in Lauf, sie tischte dazu Wein und gute Sachen auf und nun begannen die beiden lieben Menschen Erinnerungen vorzubringen. Die Namen all der Leute, die sie erwähnten, klangen irgendwo im Gedächtnis des Besuchers, von seiner Mutter her; denn sie war aus einem Schwarzwalddorf in der Nähe und da gab es kein Einze^schicksal, da teilten alle, zum mindesten mit der Neugierde, meist aber auch mit der Sorge das Ergehen des Zugehörigen. Nicht lange und der Bruder kam vom Feld herauf und begann nun, mit an den Erinnerungen zu weben. Dazu schnaufte er gutmütig und sein gesundes, breites Lachen gab dem Gespräch einen wohligen Untergrund. Er sprach nicht viel, er warf nur alle paar Minuten eine Bemerkung oder Berichtigung zwischen die rascheren Sätze der Frauen. In einer Stunde war alles berichtet, was sich hier zugetragen! hatte, nur der Roman der ersten Schwester fehlte noch, aber sie bat sich aus, den Gast über Feld geleiten zu dürfen. ATERVOTIF. . . . Nerven Beruhionngs- und SciUaHillel # m# das gutschmeckende, «■*— w flüssige Adler-Apotheke? aus der Nussbaum Frankiu't-M. Trierischegasse 16 T. 25262 Der Gast musste allein den frühen Mittagstisch geniessen, die seltenen Leckerbissen — denn hier war Fleisch nicht alltägliche Kost. Güte würzte das Mahl und es schien, als ob die Menschen hier nur älter geworden wären, nur — älter! Der Abschied war herzhaft und ohne jede Verstimmung. Man hatte Freude gehabt und war dafür dankbar. Es war so lieb, wie sie sich für die „Ausschprach" erkenntlich zeigten. Dann nahm die älteste Schwester dem Besucher das Köfferlein aus der Hand und leitete ihn den Weg zur Station, den er doch so wohl kannte, aber sie wollte ihm doch ihre Geschichte sagen. Und nun schritt sie langsam, als sei jede Minute ein großer Wert, neben ihm her und gab in gemächlichem Tempo ihre Liebesgeschichte. Es war eine rührend einfache Sache. „Er" war treulos, er hatte eine reichere, aber gewiss nicht schönere kennen gelernt und sie verlassen. Gewiss hatte die Güte das alles schon viele Dutzend Jahre lang berichtet, aber der Gast war doch Schriftsteller, also musste er von all den vielen am meisten Verständnis haben. Und er hatte es, er lächelte auch freundlich, als sie ihre einstige Hübschheit pries und erwartete, dass er ihr noch Spuren des Gewesenen zubilligte. Daß er es tat, machte ein Menschenkind vielleicht noch für einige Jahre traumglücklich. Dann verabschiedete sie sich und er fand in seinem Köfferchen noch Blumen und Früchte. Ifisfina Die kürzeste und bequemste Verbindung über Triest mit den 8000 BRT großen, vollständig neu eingerichteten Schnelldampfern Gerusalemme Galilea « Palestina Erste Klasse und Touristenklasse Fahrpreise ab Triest nach Jaffa oder Haifa I. Klasse RM354.65 inkl.Taxen •b 1. Mai RM 272.15 Tour.-Kl. RM 122.10 Inkl.Taxen Auf Wunsch rituelle Verpflegung Abfahrten von Triest jeden Mittwoch und |eden zweiten Freitag, 13 Uhr Auskünfte, Buchungen durch I LLOYD TRI ESTI NO Frankfurt/M., "SKSSM* sowie alle bedeutenden Reisebüros Ö©ÄBBEM*W©ILF Nur 49 ZIGARREN 49 TEL. 27930 TABAKE Smflio^ncr^^etmer £tebfrauenbera39,1. Stock — ©egrimbet 1837 <Sng(. ti.i>eu(Ti$e ^errenfioffe Fahrrad- Kraftfahrzeug Zubehör Radio lloderiabnenge SEEWALD R J F nur Zeil 19 I m Domenfaschen Sehenswerte Ausstellung EHRENFELD ■ Zeil 104, neben der Hauptpos