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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-10-01 · 1 (10.1935) · p. Seite 12

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
1 (10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 Pas heimische Bankgewerbe empfiehlt sich seinen Kunden und Freunden! stere Firma war Agent des Pariser Credit Mobilier und wurde damit in gewissem Sinne Konkurrent von Rothschild*. Bei der Gründung verschiedener kleiner deutscher Depositenbanken und bei der Finanzierung von Eisenbahn- und Straßenbahngesellschaften, besonders in Österreich war die Firma Erlanger aktiv interessiert. Das Frankfurter Haus Eothschild war dagegen im Gegensatz zu der Pariser und derWiener Firma in allen Finanzierungsfragen äusserst zurückhaltend und beteiligte sich nur an ganz wenigen Aktienemissionen. Bei Aktiengründungen war dagegen das Haus Sulzbach besonders tätig, so bei der Mitteldeutschen Creditbank, der Deutschen Hypothekenbank Meiningen, der Deutschen Bank, der AEG und bei den Kaliwerken Westeregeln. Nach der Reichsgründung trat in der Beteiligung der Banken das Finanzierungsgeschäft immer mehr in den Vordergrund, von dem sich die Frankfurter Häuser mit wenigen Ausnahmen zurückhielten. So ging die Bedeutung des Platzes erheblich und stetig zurück. Einige aktive jüngere Firmen, wie.Bass & Herz (gegr. 1862), J. DreyfussCo_(gegr. 1868), Lincoln Menny Oppenheimer, A. Merzbach, S. & H. Goldschmidt, vermochten keinen vollen Ausgleich" "zu bieten, auch die "süddeutsche Kundschaft ging den Frankfurter Banken mehr und mehr verloren; zudem sank die Bedeutung des Privatbankgeschäfts, nachdem die Großbanken Fuß zu fassen begannen. Wesentlich war und ist auch heute noch die Rolle Frankfurts im internationalen Arbitragegeschäft. Die genaue Kenntnis der Eigenschaften jedes einzelnen Wertpapiers, das an verschiedenen Börsen gehandelt wird, war eine Spezialität der Frankfurter Bankwelt und ein Vorzug der von ihr gewühlten Schulung. Infolgedessen finden wir noch jetzt an den Welt platzen zahlreiche Bankiers in wichtigen Stellungen, flic entweder aus Frankfurt stammen oder hier, ihre ersten Schritte im Geschäftsleben getan haben. Die daraus sich ergebenden persönlichen Beziehungen waren für die Frankfurter Bankwelt von großem Nutzen, solange das internationale Geschäft blühte, und könnten erneut belebend wirken, wenn sich eines Tages die dazu erforderlichen Voraussetzungen wieder schaffen liessei». Wichtig blieb Frankfurt immer noch als der große Markt für Rentenwerte und als Geldmark t, der vor allein durch die traditionell großen flüssigen Mittel des Hauses Rothschild gespeist wurde. Die beiden letzten Inhaber des Hauses legten keinen Wert auf neue Geschäfte. Die Frankfurter Firma war von einom Bankgeschäft zu einer Vermögensverwaltung geworden. Trotzdem erregte es „Befremden und Bedauern", als im April 1901 nach dorn Ableben des letzten männlichen Frankfurter Namensir.igers die Chefs der auswärtigen Häuser Rothschild beschlossen, die Firma zu liquidieren und das Geschäft der Diseonto-Gesellschaft, die mehrere Jahrzehnte mit Rothschild befreundet war, zu übertragen. Mit der Liquidation der Firma schloß das wichtigste Kapitel der Geschichte der Frankfurter jüdischen Privntbankfiritien. Gewiß haben sich bis heute viele Häuser erhalten, wenn auch der Sturm der letzten Jahre manche lange Vergangenheit beendet hat. Die Entwicklung der Firmen im 21). Jahrhundert gehört jedoch so sehr der Gegenwart an, dass eine Darstellung heute noch nicht möglich ist. Benutzte Literatur: Stammbuch der Frankfurter Juden von Dr. Alexander Dietz, Frankfurt a. M., 1907. Die Frankfurter Börse, ihre Besonderheiten und ihre Bedeutung von Dr. Otto Wormser, Tübingen 1919. Das deutsche Privatbankgeschäft von Dr. Ernst Korach, Diss. 1910. Geschichte der Handelskammer zu Frankfurt a. M., Frankfurt a. M., 1908. Frankfurter Geld- und Börsengeschäfte vor 1853, von R. A. Dr. Alexander Dietz, Frankfurt a. M., in „Der Aktionär", 51. Jahrgang Nr. 2920 vom 3. Jan. 1904. Geschichte der Frankfurter Zeitung, Frankfurt a. M., 1911. Frankfurter Zeitung. Ein Bericht über den Luzerner Kongress von Dr. Hans Pomeranz 1897-1935 Zum 19. Mal war in diesen Tagen der Zionistenkongress versammelt. Wieder einmal sahen wir, welch ein gewaltiges Instrument es ist, das Theodor Herzl im Jahre 1897 geschaffen hat. Theodor Herzl sprach zu einem Volke, das nach einer jahrhundertelangen Unterbrechung zur politischen Aktion zurückgeführt werden sollte. Der erste Kongress, vom Endziel weit entfernt, demonstrierte diesen Willen gegen eine anders eingestellte jüdische Welt, die im 19. Jahrhundert dazu erzogen worden war. den Weg ihrer Entpolitisierung zu gehen. Herzls Tat, von seinen tiefen, grundlegenden, theoretischen Erkenntnissen abgesehen, ist Formgebung, Schaffung eines jüdischen Volkswillens. Freilich bekannte sich nur ein Teil der Gesamtheit zu ihm, für die übrigen agierte er als negotiorum gestor, als Geschäftsführer ohne Auftrag. Er sprach aber zugleich als fordernder jüdischer Staatsmann, als Politiker, dem Macht noch nicht zur Verfügung stand, appellierend an die Einsicht einer, wie er hoffte, grossmütigen Welt. Das politische Problem Herzls Methode war die diplomatische gewesen. Sein Argument . war die von ihm erkannte und dargestellte Judenfrage. Seine Zielsetzung war: die Erlangung des Charters und dann aktiver Beginn der Besiedlung des Landes. Aber unter dem Einfluss Achad Haams begannen sehr bald junge Kräfte in der Bewegung aktiv zu werden. Sie verlangten Gegenwartsarbeit, sowohl im Sinne des national-kulturellen Inhaltes, als auch im Sinne des Beginnes einer unverzüglichen kolonisatorischen Tätigkeit- Sie versprachen sich von dieser Tatsachenschaffung eine eminente politische Wirkung, insofern waren sie Politiker. Der Führer dieser Opposition hiess Dr. Chaim Weizmann. Unter seiner Führung wurde der Weg zur Balfour-tJeklaration geebnet. Und wenn Dr. Arthur Ruppin auf dem 19. Kongress sein Referat über 25 Jahre kolonisatorischer Tätigkeit hielt, so kann nur derjenige die Bedeutung dieses Abschnittes, der ja mit der (leschiehle der Palästinakolonisation »licht identisch ist, iibei'sehen, der zugleich diesen politischen Zusammenhang kennt. I > i e G e s c h i c hte des zionistischen Erfolgs ist der Weg von Weizmann bis Weizmann. Er hat 1929 im Zusammenhang mit den schweren politischen Komplikationen sein Amt niedergelegt. Der Tiefpunkt unserer damaligen politischen Situation hängt zuinnerst zusammen mit der heroischen, aber sozial noch schwachen Situation jenes kolonisatorischen Abschnittes, in welchem mit minimalen Mitteln Unerhörtes geschaffen wurde, wenn man in Betracht zieht, daß diese einzigartige Kolonisation zugleich ohne Mutterland werben und bauen mußte. Aber eine neue quantitative Ausweitung des Geschaffenen war nötig, um den Bann

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