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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-10-01 · 1 (10.1935) · p. Seite 11

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
1 (10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Seite 11 wurde, liegt zwischen 1815 und 1848. In den ersten zehn Jahren nach den Befreiungskriegen hat sich die Firma fast eine Monopolstellung als Emissionshaus für Staatsanleihen erworben; in dieser Zeit wurden nicht weniger als fl. 1200 Mill. Anleihen übernommen. Während die ausserdeutschen Häuser die Anleihen abschlössen, wurde Frankfurt mit seiner steigenden Kapitalkraft und dem großen Hinterland der Platz, an dem die Papiere untergebracht wurden. Erst von hier an tritt die Börse in den Vordergrund des Bankwesens. Die Frankfurter Börse wird die bedeutendste des Kontinents, ihr Repräsentant war das Haus Rothschild. Diese überragende Stellung einer Firma hat belebende, aber auch ungünstige Wirkungen hervorgebracht. Von den jüdischen Bankgeschäften, die Ende des 18. Jahrhunderts tätig waren, ist ausser Rothschild keine zu Bedeutung gelangt. Die Art der Geschäfte, die Rothschild machte, prägte dem Frankfurter Platz so sehr ihren Stempel auf, daß andere und spätere Bankaufgaben nur sehr schwer Anklang fanden. Rothschilds Domäne blieb das Emissionsgeschäft von Staatsanleihen, während die Kapitalbeschaffung für die Industrie und vor allem die Eisenbahnen, die Bankenaufgabe der zwei letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, in Frankfurt nur vereinzelt gepflegt wurde, was zum Rückgang der Bedeutung des Platzes in erster Linie beitrug. Zudem hat die Feindschaft, die Rothschild und die großen christlichen Bankhäuser Frankfurts gegen die neu entstehenden Aktienbanken empfanden, verhindert, daß diese in Frankfurt gegründet wurden oder sich niederlassen konnten; die neue Form des Bankwesens drang also erst sehr spät hier ein. Andererseits hat natürlich das Kapital, das Rothschild nach Frankfurt brachte, auf vielen Gebieten belebend gewirkt. Im Schatten der Börse und der Rothschildschen Emissionen entstanden neue Geschäftsmöglichkeiten, wie die Versicherung der in jener Zeit gern gesehenen Prämienanleihen gegen Verlosung, das Heuergeschäft, d. h. die Vermietung bestimmter Nummern für eine Ziehung. Die Einführung der ersteren Geschäftsart wird nach einer Quelle der Firma W. Z. Wertheimber (erloschen 1844) zugeschrieben. Neben RothisTmlM'Tcommen nun langsam neue Bankfirmen auf, die zum großen Teil noch in die Gegenwart hineinreichen. Die Entstehungsarten dieser Häuser sind ganz verschieden. Der lebhafte Verkehr mit fremden Geldsorten am Frankfurter Markt, besser die Nähe der Spielbanken in Homburg, Wiesbaden und Nauheim, verbunden mit der Stellung Frankfurts als Hauptstadt des deutschen Bundes Hessen Firmen entstehen, die sich auf Geldwechsel spezialisierten. Hierzu gehören die Bankgeschäfte L. A. Hahn, gegründet 1820 und 1872 umgewandelt in die Deutsche Effecten- und Wechselbank, die später natürlich das allgemeine Bankgeschäft betrieb und heute noch neben der Frankfurter Bank, der alten Notenbank, fast die einzige Frankfurter Aktienbank ist, und J. J. Weiller Söhne (gegründet 1795). Andere Firmen sind gegründeT"worden von Kursmaklern, die zu- Wir beraten Sie o^ond*«» in allen Bank- und Börsen- Angelegenh eilen GEBRÜDER GOLDSCHMIDT BANKHAUS Vermietbare Safat BÖRSE NSTRASS 1t Besondere Beachtung verd.ient der Anzeigenteil des Gemeindeblattes nächst durch die zunehmende Wertpapierarbitrage Verdienstmöglichkeiten sahen. Zu diesen gehören Raphael Erlanger, später von Erlanger und Söhne, gegründet 1848, erloschen aus demselben Grund wie Rothschild, dem Mangel an männlichen Erben, im Jahr 1904, und Gebrüder Sulzbach, in der gegenwärtigen Form gegründet 1851 Frankfurt zog auch verschiedene Bankiers aus Plätzen der weiteren Umgebung an sich, so vor allem aus Fürth, woher die Firmen Sulzbach, Königswärter (gegründet 1826, erloschen 1877) und L. & E. WertheimberTgegründet 1854) K stammten, dann aus Mannheim, wo E. Ladenburg (gegründet - 1854), M. Hohenemser (gegründet 1850) ti'nd'XäTih" & Co (gegründet 1861) Stammhäuser hatten. Andere Firmen, die aus alten Frankfurter Familien hervorgingen, sind Jakob S. H. Stern (gegründet 1819 aus einer ursprünglichen Weinfirma),'Xäzard-Speyer-Ellissen (gegründet 1836 aus einer 1820 errichteten Firma), B. H.. Goldschmidt (1821-1900), J. A. Schwarzschild Söhne, in der gegenwärtigen Form seit 1847, ursprünglich 18Ö5 errichtet, Gebr. Goldschmidt und andere. Ein Teil dieser im einzelnen natürlich sehr verschiedenartigen Firmen hat Rothschild insofern kopiert, als sie ebenfalls T o c hterhäuser an verschiedenen Plätzen eröffneten und damit die Überfülle des Frankfurter Kapitalmarkts verwerten konnten. So haben Speyer-Ellissen Häuser in New York und London gegründet, Jakob S. H. Stern inLondon und Paris, Königswärter in Wien, Erlanger in Paris, Wien und London, Seligmann & Stettheimer in New York und London, Grünebaum und Ballin in New York. Vor allem die Firmen, die in New York eigene Häuser errichtet hatten, führten Frankfurt ein großes Geschäft zu. Nachdem bereits Ende der vierziger Jahre amerikanische Werte an die Frankfurter Börse gelangt waren, darauf aber erhebliche Verluste entstanden, hat erst der Sezessionskrieg die Kapitalausleihungen nach den Vereinigten Staaten beschleunigt. Die F i - nanzierung der Nordstaaten erfolgte zum größten Teil von Frankfurt aus und die Gewinne, die die Käufer nach einigen Jahren erzielten, hoben den Emissionskredit der Frankfurter Börse. Seligmann & Stettheimer waren eine Zeitlang die offiziellen Bankiers der Union. In den 80er Jahren trat im amerikanischen Geschäft, dem wichtigsten Gebiet des Frankfurter Emmissionsmarktes, vor allem Speyer-Ellissen an die erste Stelle, deren Spezialität die Emission von amerikanischen Eisenbahnwerten wurde. Wenn auch das Rothschildsche Monopol für europäische Staatsananleihen lange Zeit blieb, haben doch auch von den jüngeren Firmen verschiedene sich zu Staatsbankiers entwickelt, so das Bankhaus Erlanger, das luxemburgische, serbische und bayerische Werte in Frankfurt einführte, Jakob S. H. Stern mit italienischen und gemeinsam mit Rothschild einer französischen Anleihe, Sulzbach mit russischen Emissionen. Noch erheblicher war die Bedeutung der jüngeren Firmen auf neuen Arbeitsgebieten der Banken. Die größte Aktivität entfalteten hierbei Erlanger und Sulzbach; die er- Neuwahl & Co. KOMMANDIT-GESELLSCHAFT FRANKFURT/M., HORST-WESSELPL.14 Ausführung sämtlich, bankgeschäftltcher Transaktionen '.' Stahlkammer FROHMANN & Co, BANK UND ASSEKURANZ OUIOLUETTSTRASSE18,1. TEL. 77147 Reldubank-Glro-Konto

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