Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 1 (10.1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 ein Beweis geliefert werden konnte. Die Bilanz, die Josef vor- | legte, zeigte Schulden von 102 000 Gulden, aber Forderungen von 162 000 Gulden, Beträge, die für die damalige Zeit sehr erheblich <• sind. Der Frankfurter Rat, der der größte Gläubiger war, setzte Josef in Haft, in der er 1572 starb. Im Laufe des 17.Jahrhunderts tritt in der Geschichte der Banken die Finanzierungsaufgabe zurück gegenüber den Heereslieferungen, die insbesondere die Kriege Ludwigs XIV. notwendig machten. Aus diesen Lieferungen entwickelte sich für die jüdischen Kaufleute die Stellung des Hofbankiers, der den Fürsten des Absolutismus das Geld für ihre riesigen Ausgaben schaffen mußte. Die Beispiele hierfür sind bekannt; da in Frankfurt selbst keine Hofhaltung war, finden sich im Laufe des 18. Jahrhunderts nur Hoffaktoren der kleineren fürstlichen Höfe um Frankfurt, wie etwa 1700 der kurpfälzische.Salzpächter Aron JSßßiv der würzburgisehe Finanzagent Liebmann Moses Metz, um 1750 dann eine Reihe kaiserlicher Hoffaktoren. Zu der "Bedeutung, die etwa in Wien Samuel und Wolf Oppenheimer sowie Samson Wertheimber innehatten, sind diese Frankfurter Bankiers nicht gelangt, aber der bedeutende Kapitalmarkt Frankfurt brachte offensichtlich zahlreiche Geschäftsbeziehungen nach überall hin. Verwandtschaftliche Verbindungen zu den Frankfurter Familien Jtjani^ und Spejrer, die zu den reichsten der Stadt gehörten, führten die Geschäfte""fler Wiener Agenten über Frankfurt. Auch andere jüdische Hofbankiers in Dessau, Dresden und Hannover waren durch Heiraten mit den süddeutschen Familien verschwägere, und es hebt sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts deutlich eine jüdische Finanzaristokratie ab, die fast nur untereinander heiratete. Diese engen Beziehungen wiederum erleichterten den Bankfirmen eine Aufgabe, die ihnen der belebte Güteraustausch und der Beginn der Industrialisierung stellten, das Wechselgeschäft. Etwa von 1760 an bezeichnen sich die Bankfirmen als Wechselhäuser, einzelne schon etwas früher, wie etwa die Firma Isaak zur Kann, deren Inhaber Moses Kann als der „größte Gelehrte und geachtetste Mann der Frankfurter Gemeinde" (Dietz) galt. Zusammen mit seinem Bruder Beer Löw Isaak, der später im Verfolg der Kulp-Kann' sehen Wirren sein ganzes Vermögen verloren hat, soll er zeitweise einen Besitz von etwa einer halben Million Gulden gehabt haben. Neben dem Wechselgeschäft betrieben freilich diese Bankiers, wie die christlichen Firmen derselben Zeit, zumeist noch ein Warengeschäft. Während allerdings die christlichen Bankiers besonders ausländische Waren, wie Spezereien, Häute, Farbwaren, verkauften, beschäftigten sich die jüdischen Firmen vorwiegend mit Manufakturwaren und mit J u w e 1 e n. In der Zeit, bevor das Haus Rothschild seine Bedeutung erlangte, waren die FRIEDRICH BRESLAU BANKGESCHÄFT CRONBERGERSTRASSE 9 Telefon 78813 — zur Börse 20941 Individuelle Ausführung aller bankmSssigen Geschäfte S.& H. Goldschmidl BANKGESCHÄFT Cergr. 1866 INHABER: Emil Oettinger, Robert Goldschmidt, OHo Goldschmidt angesehensten Firmen dieser Art Isaak Michael Speyer Söhne (erloschen 1841), Beer Nehm Rindskopf (1760-1823), Mayer Getz Amschel & Sohn (bis 1830), deren Inhaber 1785 preussischer Hoffaktor wurde, Jakob Baruch, Börnes Vater, (Firma erloschen 1856), Benedikt Beyfus, seit 1733, ab 1811 Gebrüder Beyfus, von 1857 bis 1895 L. von Steiger & Co., sowie die Firmen Ellissen (Elias-Sohn), deren'Inhaber 1797 der zweitreichste Mann "der Gemeinde mit einem Vermögen von fl. 165 000 war. und dessen Schwiegersohn der Gründer von Lazard Speyer-EUissen, wurde. Der reichste Mann der Gemeinde war müTeinem Vermögen von fl. 420 000 Isaac Michael Speyer zu derselben Zeit, in der Mayer Amschel Rothschild ein Vermögen von fl. 60 000 versteuerte. Jedoch war damals bereits eine neue Zeit für das Bankgewerbe angebrochen. In den Vordergrund trat mit dem Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr das Emissionsgeschäft von Staats- und Fürstenanleihen, das christliche Firmen schon früher betrieben hatten. Da aber die jüdischen Häuser über erhebliche Anlagemittel verfügten, hatten sie schon um die Mitte des Jahrhunderts teilweise die Emissionen übernommen. So wird berichtet, daß Domenico Brentano & Söhne 1746 vier hessen-darmstädtische Obligationen von je fl. 5000 an die Firma David Mayer Juda zu fl. 14 000 verkauft hat. Die erste jüdische Firma allerdings, die selbständig Emissionen übernahm, war das Haus Rothschild. Der Aufstieg dieser Firma, die im Verlauf weniger Jahre nicht'nur das bedeutendste Bankhaus Deutschlands, sondern ganz Europas wurde, ist zur Genüge bekannt. Mayer Amschel Rothschild gewann das Vertrauen des Kurfürsten von Kassel, der als der größte Kapitalist seiner Zeit geschildert wird, und vermochte mit diesem Geld, das er zeitweise allein verwaltete, große Anleihen durchzuführen, insbesondere zunächst an den dänischen Staat. Trotzdem hätte von Frankfurt aus die Firma der fünf Brüder nie ihre Bedeutung erlangt, wenn nicht der fähigste der Familie, Nathan, von England aus auf geschickte Weise die Subsidien für die auf dem Kontinent gegen Napoleon kämpfenden Armeen „transferieren" Hess, wobei im Hinblick auf die Absperrung durch Napoleon Gewandtheit und Mut notwendig waren. Die Transporte wurden gewöhnlich durch den an der französischen Küste wartenden Bruder James in Empfang genommen und weiter geleitet. Das Geheimnis des Erfolgs der Rothschild bestand darin, daß sie als erste die Aufgaben eines internationalen Zahlungsverkehrs erkannten und durch ihre Verteilung auf fünf Plätze und Länder, verbunden mit einem starken Familienzusammenhalt, geschäftliche Möglichkeiten ausschöpfen konnten, die die Bedürfnisse einer neuen Zeit brachten. Die Blütezeit der Häuser, deren Stammsitz zwar in Frankfurt lag, deren Schwergewicht aber sehr bald nach London, Wien und Paris verlagert JAKOB H. KOHNSTAMM BANKGESCHÄFT BÖHMERSTRASSE 9 TELEFON 51827 Bankg eschäft Ferdinand Sander gegr. 1816 speziell: Vermöge nsberatung Vermögensanlage Vermögensverwaltung Frankfurt a. M, Kaiserstr. 47 Telefon 31883 Auf Wunsch unverbindlicher Besuch