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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-10-01 · 1 (10.1935) · p. Seite 9

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
1 (10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Seite 9 Aus der Geschichte jüdischer Bankhäuser in Frankfurt a. M. A. von Lothar Bauer Di\ Mittlertätigkeit in der Wirtschaft, die das Bank $f A ■ gewerbe in allen seinen Zweigen darstellt, ist an vielen Stellen •'(von Angehörigen einer Gruppe begonnen worden, die im Rahmen .der allgemeinen Bevölkerung eine Minderheit darstellt oder die r.aus anderen Gegenden eingewandert ist, so der Hugenotten in . Paris oder der Spanier in Amsterdam. Die Verbindungen, die eine solche Minderheit gewöhnlich über weitere Gebiete hin hat, und die fachlichen und sprachlichen Kenntnisse von Eingewanderten befähigen diese ebenso zu solcher Art wirtschaftlicher Betätigung wie andererseits die Abschliessung anderer Gewerbe (infolge der mittelalterlichen und späteren Vorschriften) ihnen keine andere Wahl als die kaufmännische Wirksamkeit im allgemeinen und daraus die geldvermittelnde Hess. Auch in der Frankfurter Wirtschaftsgeschichte bestätigt sich diese Erscheinung. Infolge der zahlreichen Verbindungen, die Frankfurt als Messplatz und als Verkehrsknotenpunkt nach Norden, Süden und Westen unterhielt, sind seit Anfang des 17. Jahrhunderts, also seit der Zeit, in der sich ein Geldverkehr in modernem Sinn zu entwickeln begann, zahlreiche Familien niederländischen, französisch-hugenottischen und italienischen Ursprungs eingewandert, deren Namen zum Teil noch heute in der Bankwelt Klang! haben. Zu den Frankfurter Bankfirmen aus jener frühen Zeit gehören die Häuser Behagel, Gontard, de Neufville, Brentano, Guaita, die freilich nicht allein Bankgeschäfte, sondern zumeist auch noch den Warenhandel betrieben und erst anfangs des 19. Jahrhunderts, wie auch andere, ein- und erst anfangs des 19. Jahrhunderts sich für das eine oder das andere entschieden haben. Die engen Grenzen, die den Juden berufsmässig gezogen waren, verbunden mit dem kanonischen Zins verbot der Kirche, Hessen ihnen kaum eine andere Möglichkeit als die, Handels- und Geldgeschäfte zu betreiben. So ist die Tradition der Frankfurter jüdischen Bankgeschäfte noch viel älter als die der christlichen, denn einzelne Familien können bis ins 16. Jahrhundert hinein ihre berufliche Zugehörigkeit verfolgen. Leider ist die Geschichte des Bankwesens in Frankfurt a. M. und besonders die der jüdischen Häuser verhältnismässig wenig erforscht und selbst die zahlreichen Darstellungen, die von dem Werden des Hauses Rothschild als des bedeutendsten Repräsentanten gegeben worden sind, gelien mehr auf die politischen und familiären Ereignisse ein als auf die wirtschaftlichen. Die Frankfurter Rothschildschen Archive sind nicht mehr vorhanden, die mancher anderer wichtiger Firmen sind ebenfalls nicht geöffnet worden und werden leider zum grossen Teil vernichtet oder verloren gegangen sein. Es ist bezeichnend, daß nicht eine Monographie eines Frankfurter jüdischen Bankhauses vorhanden ist, im Gegensatz zu anderen Städten, wo aus der Geschichte der verschiedenen Firmen wertvolle Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte im allgemeinen entnommen werden können. Wenn auch so zahlreiche Lücken nicht im einzelnen ausgefüllt werden können, lässt sich immerhin ein Bild der Gesamtentwicklung gewinnen. Am Anfang der Geschichte jüdischer Bankiers seit Beginn des 16. Jahrhunderts steht — wir folgen der ausserordentlich umfangreichen und meist zuverlässigen Quellenarbeit von Dietz' Stammbuch der Frankfurter Juden — ein Mitglied der Familie G o 1 ds chgj_idt. „Joseph zum goldenen Schwan", der als der bedeutendste'"jüdische Finanzmann des 16. Jahrhunderts bezeichneti wird. Zu einer Zeit, in der Augsburg das Zentrum des deutschen und des Welthandels war, fungierte er als Agent augsburgischer Häuser an der Frankfurter Messe und stand in engen Geschäftsbeziehungen zu den Fugger, Herbrot, Paumgartner, also allen großen augsburgischen Häusern. Wohl durch diese Beziehungen vermittelte er Anleihen für eine große Zahl deutscher Fürsten und besorgte zugleich die Anlage ihres Kapitals. So wurde er vor allem auch der Bankier des Frankfurter Rates, der sich wiederholt für seine Verbindlichkeiten verbürgte. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die eine Anzahl Augsburger Häuser gegen 1560 geriet, brachten auch Josef in Bedrängnis. Man beschuldigte ihn der Fälschung von Schuldscheinen und der Unterschlagung von Geldern, ohne daß dafür Bankhaus Lincoln Menny Oppenheimer Paul Strasburger & Co. BANKGESCHÄFT Frankfurt a. M., Bockenheimer Anlage 32 TELEFON-SAMMEL-NUMMERN Ortsverkehr: 58044 .-. Fernverkehr :54057 Stahlkammer Neue Mainzersfrafje 68 S. MERZBACH ipimiiiumin»^^ Gegründet 1832 Offenbach am Main — Frankfurt am Main Heinrich Cahn & Co. Taunusstrasse 7 Gegründet 1873 Telefon 34247/8 An- und Verkauf von Werfpapieren Individuelle Vermögensberatungu Verwaltung. Vermietung von Schrankfächern. Ausführung sämtl. übrigen bankmäßigen Geschälte Frankfarfer Strasse 43 Kaiserstr. 14 (Hapaghaus)

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