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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-10-01 · 1 (10.1935) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
1 (10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 zeigt Ihnen als das massgebende Spezialgeschäft FRANKFURT SM BIEIDENSTR.3-5 für modische Kleinigkeiten eine Fülle Neuheiten. Knöpfe, Blumen, Garnituren, Handschuhe, Gürtel, Strümpfe als ich drei Monate alt war, kündete ich, daß ich einst die Tora mitten aus dem lodernden Feuer empfangen würde. Ich ging in den Palast des Köngs und nahm ihm die Krone vom Haupt. Und als ich achtzig Jahre alt war, tat ich Zeichen und Wunder in Ägypten und führte die seehshunderttausend vor den Augen Ägyptens heraus, spaltete das Meer in zwölf Stücke, wandelte bitteres Wasser in süsses; aufstieg ich den Weg zum Himmel, kam in Krieg mit den Engeln, ich siegte üher das obere Gefolge und offenbarte ihre Geheimnisse den Menschen. Ich sprach von Angesicht zu Angesicht mit dem Heiligen, gelobt sei er, empfing die glutvolle Tora aus seiner Rechten und lehrte sie Israel. Ich führte Krieg mit Sichon und Ogj den zwei heidnischen Helden, denen in der Zeit der Flut das Wasser nur bis an die Knöchel ging, so hoch war ihr Wuchs, mit meinem Stahe schlug ich sie beide: Sonne und Mond ließ ich halten auf der Höhe der Welt. Wer unter allen Menschen konnte solches vollbringen? Weg von mir! Ich gebe dir meine Seele nicht. Da kehrte Samael um und brachte die Botschaft vor Gottes Majestät. Aufs neue aber sagte der Heilige, gelobt sei er, zu Samael: Geh und hole Mosches Qj *■ bürgt für: f / /&Ät? / fi V ß GescbmacK flnalifät 4 " fyoxAM*- ^TJs yuüiiiui Preiswürfliglieil Seele! Er zückte das Schwert aus der Scheide und stand wider Mosche. Der aber ergrimmte über ihn, nahm den Stab, auf dem der unaussprechbare Namen eingegraben war, und traf den Samael mit aller Kraft, bis er vor ihm floh, er lief ihm nach mit dem unaussprechbaren Namen and raubte ihm das strahlende Horn, das er zwischen seinen Augen trug, und machte ihn blind. Soweit gelang es Mosche. Aber nun sprach der Heilige, gelobt sei er: Nun ist die letzte Stunde dir gekommen. Da sprach Mosche: Herr der Welt! Gedenke mir den Tag, da Du Dich mir am Dornbusch offenbart, und wie ich vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Sinai stand, ich bitte Dich, überantworte mich nicht dem Todesengel! Da erging eine Stimme von oben: Fürchte dich nicht, ich selbst werde mich um dich bemühen und um dein Begräbnis. Sprach Mosche: Warte nur noch, bis ich Israel gesegnet habe; all meine Tage fanden sie an mir nicht die Ruhe des Gemütes, weil ich immerzu sie warnen und zurechtweisen mußte. So fing er denn an, Stamm um Stamm zu segnen, jeden für sich. Doch als er sah, daß die Stunde drängte, schloß er sie alle in einen Segen zusammen. Und er sprach zu w-SnS WlllWß Ü9SS9D n bekannter Güte Filialen in allen Stadtteilen Israel: Viel habe ich euch gequält wegen der Tora und der Gebote, jetzt aber — verzeihet mir. Sie antworteten: Unser Herr, unser Lehrer, es sei dir verziehen. Aber wir haben dich auch vielfach gekränkt und deine Mühe gemehrt, verzeihe du uns. Er sprach zu ihnen: Es sei euch verziehen. Eine Stimme erscholl: die letzte halbe Minute ist gekommen, da du abscheiden mußt. Er legte seine Arme aufs Herz und sprach zu Israel: Seht, so ist das Ende des Menschen. Es stieg der Heilige, gelobt sei er, aus den obersten Himmeln hinunter, Mosches Seele zu holen. Mit ihm drei Engel des Dienstes, Michael, ■■ Gabriel, Sagsagel. Michael breitete Mosches Bett aus, Gabriel breitete ein linnenes Tuch hin zu Häupten und Sagsagel eines zu seinen Füssen. Michael stand auf der einen Seite, Gabriel auf der anderen. Der Heilige, gelobt sei er, sprach zu Mosche:. Mosche, schließe deine Augen; er schloß sie. Lege deine Händev auf die Brust; er legte sie auf die Brust. Schliesse deine Füsse aneinander; er schloß sie aneinander. Zu dieser Stunde nun rief der Heilige, gelobt sei er, die Seele aus dem Leibe Mosches. Er sprach zu ihr: Meine. Tochter, hundertundzwanzig Jahre hatte ich bestimmt für dich in Mosches Leib, nun ist deine Zeit gekommen auszufahren, fahre aus, zögere nicht! Sie sprach: Herr der Welt! Ich weiss, Du bist der Herr aller Seelen, und alle Seelen, die der Lebenden und die der Toten, sind in Deiner Hand verwahrt, Du hast mich erschaffen, Du hast mich gebildet, Du hast mich auf hundertundzwanzig Jahre in Mosches Leib getan, gibt es. denn einen reineren Leib als den Mosches? Ich liebe ihn und ich will nicht aus ihm herausgehen. Sprach zu ihr der Heilige, gelobt sei er: Fahre aus, und ich will dich in die höchsten Himmel auffahren lassen und unter den Thron meiner Ehren setzen neben die Cherubim, Serafim und die Scharen. Sie antwortete: Herr der Welt! Von Deiner erhabenen Gegenwart stiegen einst zwei Engel, Asa und Asael, hinunter, sie trugen Begehr nach den Menschentöchtern, sie führten auf der Erde einen schlechten Wandel, bis Du sie zwischen Erde und Himmel hängtest; aber der Sohn Am- - rams, von dem Tage an, da Du Dich ihm im Dornbusch offenbartest, hat er sich seinem Weibe nicht genaht. Ich bitte Dich, laß mich in Mosches Leib. Da bat der Heilige, gelobt sei er, die Seele und im Kuß nahm er sie zu sich. Er selbst weinte, und mit ihm weinte der Geist der Heiligkeit, weinten Himmel und Erde. Die Engel des Dienstes weinten und sprachen (5. M. 33,21): „Gottes Gerechtigkeit hat er geübt". Israel weinte und sprach (5. M. 33,21): „und seine Rechtssatzungen hat er geübt mit Israel". Beide vereint sprachen (Jeschaj. 57,2): „In den Frieden kommt, wo sie ruhen auf ihren Lagern, wer gerade vor sich hinging". Das Andenken des Bewährten ist zum Segen und seine Seele zum Leben der künftigen Welt". So die Legende. Man darf ihrer Schmetterlingsflügel hauchzarte Schönheit nicht durch tastende Deutung zerstören. Nur darauf sei hingewiesen, wie hier der Kampf des Menschen, der die Erfüllung nicht geschaut — und welcher Mensch schaut die Erfüllung? — dargestellt ist, wie hier die „Angst der Kreatur", die ewige Todesangst zum Ausdruck kommt. Darum ist in dieser Legende vom Tode Mosches, des gewaltigsten der Menschen, zugleich auch das Drama vom Tode des Menschen beschlossen.

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