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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-09-01 · 13 (9.1935) · p. Seite 512

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
13 (9.1935)
Date
1935-09-01
Page
Seite 512 (sequence 30)
Language
German
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Seite 512 wenns not tun sollte, so leicht nicht wieder die Anknüpfung, wird finden können. Wer beschäftigt sich heutzutage ernsthaft mit den Wandlungen in der Staatslehre und wer schlägt noch den „Faust" auf? Und wie hält man es, so wird mancher fragen, mit der Religion? Hier ist der Führer nun schon so vieler junger Generationen noch immer der Mann, in dem Orient und Okzident sich " begegnen, Martin Buber: spürbar bei der deutsch jüdischen Jugend, sehr stark bei den Werkleuten, die sich offen zu ihm bekennen, und am wenigsten (aufschlußreicherweise) bei der nach „Erez" aufbrechenden Arbeiterjugend der Bonim. Der Verband der jüdischen Jugendvereine, der seine Stellung allmählich wieder zu finden bestrebt ist, und erst recht die misrachistische und agudistische Jugend bleiben in diesem Zusammenhang ausserhalb der Erörterung. Ein sehr beliebtes Wort in der Nachfolge Bubers ist „die Askese vor dem Gesetz", die man üben müsse, weil die Religion zu hoch stehe, als daß man sich zu ihr bekennen könne, ohne sie, im Ganzen wie in ihren einzelnen Erscheinungsformen, an sich selbst als sinnvoll empfunden zu haben. Eine solche „Askese" führt leicht so weit, daß man den Namen Gottes nicht nur nicht „unnütz", sondern überhaupt nicht mehr aussprechen will» oder — aussprechen kann. Aber richtig ist an dieser Haltung übersteigerter Ehrlichkeit das Gefühl, dass manches Überkommene zerbrochen, „der Beruf unserer Zeit zu religiöser Gesetzgebung" aber nicht vorhanden ist; sie ist noch nicht reif dazu: die „dialogische Begegnung" ist noch nicht vollzogen. Gleichwohl beginnt sich der Weg zu ihr schon abzuzeichnen. In der Erarbeitung des „Tenach" will man wieder zu den Quellen jüdischen Weltempfindens zurückkehren, unter Überspringung der Kommentatoren und — allerdings — auch der Liturgie. Die < Gründe, aus denen heraus man sich in jene Zeiten und Welten aufs neue zu versenken versucht, mögen wer weiss woher genommen sein: wir sind sicher, dass am Ende dieses Weges, ja, auf jeder Seite, die man, während man ihn begeht, umblättert, dem Lesenden leise wie dem Elia am Horeb der grosse Name sich verdeutlichen wird. So hat die jüdische Jugendbewegung unserer Tage mehr in sich und über sich Gemeinsames, als es . ihre Trennung nach Bünden und Gruppen wahrhaben will. Dr. Werner Cahnmann-Münehen Eine Barmizwoh-Stunde Im Unterrichtsraum der Westend-Synagoge versammelten sieh ungefähr 30 Knaben. Ein jeder beteiligte sich eifrig am Unterricht. Ueber dieses rege Interesse war ich sehr erfreut. Als ich einem der anwesenden Knaben den Satz: „w'ohawto Treacho komaucho" (Liebe deinen nächsten wie dich selbst) erklärte, ereignete sich etwas Merkwürdiges: Aus den Reihen der Knaben hörte ich dazwischenrufen: „Blödsinn!". Betroffen schaute ich auf, und zu meiner Ueberraschung sah ich vor mir nicht das Gesicht eines schlecht erzogenen Menschen, sondern ein paar grosse, offene, -ehrliche Augen begegneten meinem Blick. Auf meine Frage: „Wie kommst Du zu dieser Aeusserung?" antwortete mir der Junge: „Es ist unmöglich, daß man den anderen so lieben kann, wie sich selbst." Einige Knaben kicherten, sonst herrschte grosse Spannung. Was mochte wohl jetzt die Antwort ihres Lehrers sein?-- Mit der Antwort verband ich zunächst eine Frage. „Weisst Du mein Junge, wo dieses Gebot steht?" — Eine kleine spannende Pause. „Dies Gebot steht im dritten Buch Mose: Sidra Kdauschim. Schon im Anfang dieser Sidra finden wir die Worte: Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige euer Gott! Also, mein lieber Freund, wenn auch dieses Gebot der Nächstenliebe an alle gerichtet ist und alle Menschen nach dem Höchsten streben sollen, so kann es doch nur von dem befolgt werden, der von dem ersten Gebot der Heiligkeit erfüllt ist, also von der Grösse der Idee durchdrungen ist, daß der Mensch als Ebenbild Gottos geschaffen sei.--Noch einen Beweis will ich Dir, mein Freund, geben: Im zweiten Buch Mose in den 10 Geboten heisst es: Du sollst nicht gelüsten nach dem* Weibe deines Nächsten oder seiner Magd oder seinem Knecht oder seinem Ochsen oder seinem Esel oder nach allem, was deinem Nächsten gehört.--Bedenke, was mit diesem Gebot von uns Menschen verlangt wird: Ein S i c hselbstbegnügen! Mit dem zufrieden sein, was man hat; und nicht trachten nach dem Besitze des anderen! Auch hier, mein Freund, geht den 10 Geboten ein Gesetz voraus — nämlich dieses: „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heilig Volk". — Nur von Auserlesenen, die sich zum Höchsten durch- und emporgerungen haben, wird das Höchste verlangt. Bist Du nun, mein lieber Junge, mit meiner Erklärung zufrieden?" Ich sah eine stille Begeisterung in seinen Augen und von seinen Lippen löste sich ein reines, überzeugtes „j a". Der Rest des Unterrichts verlief noch schöner und anregender als bisher. Eine freudige Stimmung schien über uns allen zu schweben und zwei Menschen gingen bereichert und beglückt nach Hause. Naumow Fleischmann Kunst stopf erei u. TeppIdi'Reparatur.en Erstes Geschäft am Platze ff. Referenzen Tel 55117 ITXmim oederweg 2t IVOnig Gr.Bockenh.Str.41 ■% C 17. 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