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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-09-01 · 13 (9.1935) · p. Seite 513

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
13 (9.1935)
Date
1935-09-01
Page
Seite 513 (sequence 31)
Language
German
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Seite 513 Ferienspiele 1935 von Kinderhort und Wohlfahrtspflege Auch in diesem Jahr gelang es, trotz erhöhter Schwierigkeiten dem jüdischen Kinder hör t-Bleichstraße gemeinsam mit der jüdischen Wohlfahrtspflege, Ferienspiele, unter Führung von Irma Wolf, der Leiterin des jüdischen Kinderhortes, zu veranstalten. Ein Unbeteiligter kann sich kaum eine Vorstellung davon machen, wieviel Arbeit für Organisation und finanzielle Sicherung geleistet werden musste, um 280 jüdischen Grosstadtkindern die seilene Freude eines fünf wöchentlichen Aufenthaltes in der Natur zu ermöglichen. Der zur Verfügung gestellte,' abgegrenzte Sportplatz liegt am Rande der Stadt, etwas getrennt vom Häusermeer, von Gärten umgeben. Zwei Züge der städtischen Strassenbahn brachten die Buben und Mädels, begleitet von sechs Aufsichtspersonen, um 8 Uhr früh zum Tummelplatz. Dort wurde zunächst eine halbe Stunde Morgengymnastik getrieben, um das folgende Frühstück zu verdienen, das neben mitgebrachtem Brot aus reichlichem frischem Obst, Eiern, Gurken und Schokolade bestand. Der Vormittag wurde mit Wettspielen (Fussball, Tischtennis, Völkerball) und mit Gesellschaftsspielen ausgefüllt. Meisterschaften wurden ausgetragen, es war täglich eine förmliche Olympiade. Die jungen Körper tobten sich aus, badeten jubelnd in den Strahlen der Sonne und sogen Gesundheit und Lebensfreude ein. Mit besonders hellem Jubel wurde der grosse Wasserschlauch begrüsst, der die ganze kleine Gesellschaft in einen Sprühregen hüllte. Punkt 12 Uhr brachte ein Lastwagen der Israelitischen Gemeinde das Essen, das jüdische Notstandsküche und jüdische Haushaltungsschule gut und schmackhaft zubereitet hatten. Grosse Thermophore hielten die sorgfältig und abwechslungsreich ausgewählten Speisen heiss. Frische Luft und viel Bewegung brachten den nötigen Appetit. Nach dem Essen begaben sich die Kinder in kleinen Gruppen zur Ruhestunde, die nicht viel Anklang fand; sie fügten sich aber der Disciplin. Nachmittags wurde der Sport durch Theater spiel (aus dem Stegreif) unterbrochen. Die Kinder inscenierten selbst und erfanden Handlung und Dialog. Es war interessant zu hören und zu sehen, mit welch unbefangenem Charme diese kleinen Menschen die Sprache meisterten, mit welch ausdrucksvollen Gesten sie ihre Reden begleiteten, und mit welchem Humor sie den Dialog erdachten und mimten. — Am Nachmittag gab es kalten Milchkakao, Butterbrote und Eierwecken. Vor der abendlichen Heimfahrt besorgten mehrere kalte und warme Brausen die sehr notwendig gewordene Reinigung. Den Absehluss der Ferienwochen bildete eine kleine Feier in der Toynbee-Halle, in der die Kinder nochmals ihren Dank durch einige lustige Darbietungen zum Ausdruck bringen wollten, wofür sie wiederum mit Eis und Streuselkuchen belohnt wurden. Besonderer Dank gebührt Frau Liesel Simon, die es verstand, mit ihrem netten Kasperlspiel die Kinderherzen zu erfreuen. Der Vorsitzende des Jüdischen Kinderhortes, Herr Oberstudiendirektor Dr. Driesen, sprach in herzlichen Worten allen an den Ferienspielen Beteiligten, jung und alt, insbesondere Frau Professor Freimann (Jüdische Wohlfahrtspflege) und der Leiterin, Frl. Irma W o 1 f, den Dank der beteiligten Gremien aus. Für die Jungens und Mädels war das Erlebnis der Ferienspiele ein Lichtblick in schwerer Zeit. Vom Ferienhilfswerk 1935 des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten Wir hatten nicht zu hoffen gewagt, unter den schwieriger gewordenen Verhältnissen, annähernd der gleichen Zahl erholungsbedürftiger Grosstadtkinder wie im Vorjahre auch in diesem Sommer einen Ferienaufenthalt auf dem Lande vermitteln zii können. Wenn auch die Not grösser geworden war, so hatte sie zugleich den Kameradschaftsgedanken und das Gemeinschaftsgefühl vertieft, und die Werbung für unsere Schützlinge fand so viele bereite Herzen, daß wir wesentlich mehr Kinder als 1934 den Wunsch nach einigen Wochen Ungebundenheit in Wald und Feld erfüllen konnten. 184 Mädels und Jungens aus den grossen Städten unseres südwestdeutschen Landesverbandes (davon allein 140 aus Frankfurt) haben an 63 Plätzen im Taunus, im Odenwald, am Rhein, Main, Lahn, Nahe und Saar das Ferienglück gemessen dürfen. In weit über hundert begeisterten Briefen an den Ferienonkel schilderten die Kinder z.T. ganz allerliebst ihre kleinen Erlebnisse und die herzliche Aufnahme, die sie draussen gefunden hatten. Die strahlenden Augen, die voller gewordenen, nun braun gebrannten Gesichter und die stolz verkündeten Gewichtszunahmen bewiesen bei der Rückkehr, daß in allen Fällen eine gründliche Erholung an Leib und Seele erreicht worden ist. Die gleiche Freude leuchtete aus den Zügen der Eltern, die ihre so wohl aussehenden Lieblinge wieder in Empfang nahmen. Dieses segensreiche Hilfswerk baut sich ganz auf dem Kameradschaftsgedanken auf, und seine Durchführung ist nur dadurch möglich, daß fast alle Leistungen, die zu seinem Gelingen notwendig sind, aus Kameradschaft, d. h. ehrenamtlich bezw. unentgeltlich, dargebracht werden. Da. sind die Ärzte-Kameraden, die sich für die sehr eingehenden Untersuchungen der Kinder zur Verfügung stellen, die Kameraden, welche uns ihre Kraft- und Lastkraftwagen zur Beförderung zu den Pflegeeltern und zurück anbieten, da sind Gönner und Freunde der schönen Idee, die Kleidung, Schuhwerk, Süssigkeiten und auch Barbeträge stiften, Helferinnen, die alles dies ordnen und mit viel Geduld und gutem Humor den Jungens und Mädels die praktischen Dinge verpassen, die Sanitäter und Begleiter der Transporte und dann das Personal der Geschäftsstelle, das in ungezählten freiwilligen Ueberstunden die gewaltige organisatorische Leistung so sicher bewältigte, daß alles militärisch klappte. Welch ungeheure Arbeit hier vollendet wurde, kann nur der erfassen, der einen Blick in den „Betrieb" dieser Tage werfen durfte. Das Hauptverdienst gebührt aber den Familien unserer Kameraden und Glaubensgenossen auf dem Lande, die unsere Ferienkinder auf Wochen als Gäste bei sich aufnahmen; sie haben, trotz der dagegen eingetauschten Freude über das muntere Wesen und gute Gedeihen der ihnen anvertrauten Jugend, der Kameradschaft das bedeutendste Opfer durch all die aufgewandte Fürsorge dargebracht. Auch an dieser Stelle wollen wir allen Beteiligten an unserem Ferienhilfswerk nochmals herzlichst danken.

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