Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-09-01 · 13 (9.1935) · p. Seite 510

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
13 (9.1935)
Date
1935-09-01
Page
Seite 510 (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3094266-3094412-3094425--4842-3099644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 510 Töchter des von Friedrich dem Großen zum Oberältesten sämtlicher jüdischen Gemeinden Preussens ernannten, durch Eeichtum, Wohltätigkeit und vornehme Gesinnung gleich bekannten Daniel 11 z i g, dessen ideales Menschentum sich in den beiden Töchtern besonders widerspiegelte. Wohl die bedeutendere von beiden ist Fanny (Vögele), am 29. November 1757 in Berlin geboren. Noch in jungen Jahren vermählte sie sich mit dem später in den Adelsstand erhobenen Wiener Bankier Nathan Arnstein. Als eine „hohe, schlanke Gestalt, strahlend von Schönheit und Anmut, vornehmen Tons und Betragens, lebhaften Ausdrucks, scharfen Verstandes, Witz mit fröhlicher Laune vereinend, nicht ohne Belesenheit und fremder Sprachen wie der eigenen mit Meisterschaft kundig", so wird sie geschildert. Dank der sorgfältigen Erziehung und ihres starken Interesses, schrieb sie ein vorzügliches Deutsch, beherrschte die französische Sprache mit aussergewöhnlicher Gewandtheit und konnte sich in der englischen wie in der hebräischen Sprache verständigen. Kein Wunder, daß diese junge, hübsche und überaus kluge Frau in Wien gar bald die exklusiven und geistigen Kreise zu fesseln wusste, daß in ihrem vornehmen Hause viele bedeutende Menschen sieh um sie sammelten. Hier in diesem Haus am hohen Markt entfaltete Frau von Arnstein eine segensreiche Tätigkeit. Arme kamen aus allen Schichten der Bevölkerung, wurden verpflegt, mit Geld versorgt, es wurde ihnen zu Stellung oder zur Weiterreise verholfen. Kein Tag verging, ohne Hilfe am Nächsten zu leisten, die ihr selbstverständliche Pflicht geworden. Und es ist eines ihrer vielen Verdienste, daß sie, die zeitlebens gute Jüdin geblieben (im Gegensatz zu anderen der Zeit), durch ihre vornehme Art, ihre aussergewöhnliche Wohltätigkeit, ihre Menschenliebe, ihr soziales Empfinden dazu beigetragen hat, die freie, geachtete, dem Zwange der Vorurteile enthobene Stellung, deren sich die Juden in Wien erfreuen könnten, zu schaffen. Nach der Schlacht von Austerlitz, nach dem Kriege von 1805, dessen Ausgang ihr wie ein persönliches Leid auf der Seele lastete, wandte sie ihre tätige Hilfe den Armen zu, die durch den Krieg Geld und Besitz verloren hatten. Unter den vornehmsten und höchsten Damen Wiens, die eine „Gesellschaft zur Unterstützung von Notleidenden" gründeten, stand Fanny von Arnstein mit an erster Stelle. Auch hier war jedes Vorurteil vor einer klugen Helferin einer echten, wahren Gesinnung und Zuverlässigkeit gefallen. Fanny von Arnstein war die einzige Jüdin unter diesen Fürstinnen, Gräfinnen und Diplomatenfrauen. Als diese Gesellschaft in Baden bei Wien 1811 den Grundstein zu einem Krankenhaus legte, spendete Frau von Arnstein allein nahezu 7000 Gulden für die charitative Einrichtung. — Zur Zeit des Wiener Kongresses findet sich in ihrem Haus fast das ganze diplomatische Korps ein: man konnte zu gleicher Zeit den Herzog von Wellington, Cardinal von Consalvi, Fürst von Hardenberg, Freiherrn v. Humboldt, Prinz von Hessen Homburg, Graf von Bernstorff, Graf von Münster, Freiherrn von Neipperg sehen, die sich in den mit erlesenem Geschmack ausgestatteten Räumen zusammenfanden und hier geistige und künstlerische Anregungen gaben und empfingen. Zur gleichen Zeit als Frau von Arnstein 7000 Gulden für ein Hospital spendete, sandte ihre jüngere Schwester, Cäcilie von Eskeles (geb. 1760 in Berlin gen. Zippora), die gleiche Summe an den Convent der Elisabethinerinnen, welche ohne Unterschied der Religion der leidenden Menschheit dienten. Auch hier bei der Jüngeren ist erster Grundsatz: Hilfe zu leisten, wo immer es auch nötig. Menschenliebe, Nächstenliebe! Sie, die um einige Jahre Jüngere, hatte nicht die Lebhaftigkeit und äussere Schönheit Fannysj aber, sie vereinigte mit feinstem Takt ein ebenso reiches Wissen und hingebende Bereitwilligkeit. Auch ihr Haus sieht einflussreiche Menschen, den Armen und Ärmsten wird es mit der gleichen Liebe geöffnet, Not gelindert, tätige Hilfe geleistet. Ja, Cäcilie "von Eskeles gab mit vollem Herzen und mit vollen Uänderi für alle: für Juden und Nichtjuden — unterstützt von ihrem Gatten Bernhard Eskeles, der, weil er unter Aufopferung seines Privatvermögens dem österreichischen Staate viele Millionen in dem französischen Kriege rettete, in den Ritter- und Adelssian:! erhoben wurde. Arme und Leidende jeder Art, Künstler, Gelehrte, geistig strebende oder durch irgend eine Tüchtigkeit ausgezeichnete Menschen betreuten sie beide auf das Allerbeste und wurden ihnen so zum rettenden Elternpaar. Soziale Einrichtungen wurden geschaffen, mit Sachkenntnis, Richtigkeit und daher meist mit Erfolg geleitet. Bei ihrem Tode hinterliess Cäcilie von Eskeles viele tausend Gulden, die für wohltätige Zwecke verteilt wurden. So haben die Schwestern Fanny von Arnstein und Cäcilie von Eskeles als gute Jüdinnen für die Menschheit und für das Judentum gelebt und gearbeitet in jener Zeit des Ringens um Freiheit und Gleichheit; sie sind dadurch zum Beispiel geworden für alle Zeiten. Ali Galliner Ortsgruppe Frankfurt des Jüdischen Frauenbundes Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes teilt mit : Der Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden bittet „an den Sukkoth Tagen jüdische Kinder aus den kleinen und kleinsten Gemeinden, aus all den Orten, in denen ein geregelter Gottesdienst leider nicht mehr stattfinden kann, in die etwas grösseren, die Mittelgemeinden und Grossgemeinden zu nehmen, ihnen dort Gelegenheit zu geben am jüdischen Gottesdienst teilzunehmen, die Symbolik des Feststrausses und der Sukkah kennen zu lernen und so in engere Verbindung mit jüdischem Brauch und jüdischem Leben zu kommen." Wir gehen dieser Anregung des Preussischen Landesverband gerne nach und bitten unsere Mitglieder, die bereit sind, während der Sukkoth Tage Kinder bei sich aufzunehmen, sich unter Angabe ob es sich um einen rituell oder nicht rituell geführten Haushalt handelt, bei Frau E1 s e K a t z, F r a n k f u r t / M. F r i e d r i e h" Strasse 3 zu melden. Cie kürzeste und bequemste Verbindung über Triest mit den 8000 BRT großen, vollständig neu eingerichteten Schnelldampfern Oerusalemme * GaUlea * Palestina Erste Klasse und Touristenklasse Fahrpreise ab Triest nach Jaffa oder Haifa l Klasse RM354.65 inkl.Taxen ab 1. Mai RM 272.15 rour.-KI. RM 122.10 inkl.Taxen Auf Wunsch rituelle Verpflegung Abfahrten von Triest jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag, 13 Uhi Auskünfte, Buchungen durch LLOYD TRI EST! NO Frankfurt/M., Kt.Ä!?5420, sowie alle bedeutenden Reisebüros

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.