Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 13 (9.1935)
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 509 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 509 Noch einmal und immer wieder Hauswirtschaft! So alltäglich und selbstverständlich der Begriff Hauswirtschaft auch ist, so einfach angeblich in seiner Problematik, dass es beinahe müssig erscheint, diese Frage immer wieder aufzurollen, die Zeit und ihr Geschehen machen es notwendig, stets von neuem an diesem vPfeiler des Familien-und Gemeinschaftslebens zu rühren. Und damit ist auch schon gesagt — im Gegensatz zu mancher oberflächlichen Auffassung — welch tiefe Bedeutung der Hauswirtschaft in unserem Lebensraum beizumessen ist. Es ist noch nicht allzu lange her, dass Volkswirtschaft und Hauswirtschaft einander gegenübergestellt wurden, dass die Hauswirtschaft als kleinste aber wichtigste Zelle im wirtschaftlichen Organismus bezeichnet wurde. Daraus erwuchs dann die wirtschaftliche Bewertung der Hauswirtschaft für Volk und Familie und die wachsende Verantwortung für ihre Trägerin, die Hausfrau. In unserem jüdischen Lebensbezirk, abgegrenzt von der Umwelt, haben manche Probleme für den Einzelnen wie für die Gesamtheit neue Bedeutung gewonnen. In vorderster Keihe stehen die Fragen beruflicher Ausbildung und Umschichtung, bestimmend für unsere Lebensgestaltung. Die männliche Jugend und auch die Älteren mußten neue Wege einschlagen, aus Akademikern wurden Handwerker, aus Kaufleuten Landarbeiter für Palästina. Und die Frauen? Die heranwachsenden Mädchen? Wie ist ihre Stellung den neuen Verhältnissen gegenüber? Wir haben hier zweierlei zu beachten: die Arbeit der Frau im Hause und die Ausbildung der weiblichen Jugend. In beiden Fällen ist eine Umstellung meistens geboten; durch die Veränderung der Verhältnisse, den Zwang nach grösserer Sparsamkeit bedarf auch die bereits durch Erfahrung gereifte Hausfrau heute oftmals neuer Kenntnisse zu vereinfachter und rationeller Haushaltführung. Nie gekannte Schwierigkeiten tauchen auf, Arbeiten müssen selbst verrichtet werden, die bisher häuslichen Hilfskräften überlassen waren, es gilt sich „umzustellen" in des Wortes wahrster Bedeutung. Hier die Not der Hausfrauen, einerseits und andererseits die Berufsnot unserer jüdischen .jungen Mädchen, die nicht erkennen wollen, daß sie noch immer an einem Beruf achtlos und geringschätzig vorübergehen, der ihnen heute — sowohl in der alten Heimat wie im Aufbaulande Palästina — fast allein Aussicht auf Erwerb und Entfaltung ihrer Kräfte bietet. Wir wollen hier nicht von landwirtschaftlichen Betrieben, von Massenküchen, von der Ausbildung durch Hachscharah sprechen, sondern vornehmlich vom Einzelhaushalt, von der Hauswirtschaft in der Familie. Und da muß es einmal klar und deutlich ausgesprochen werden: wenn aucH Heim und Familie seit jeher das Zentrum der jüdischen Frau gewesen sind, eine Tradition im berufsmässigen Sinne der Hauswirtschaft besteht bei unseren Frauen und Mädchen nicht. Dieser Mangel macht sich, bereits jetzt bitter fühlbar; es fehlt an jüdischen häuslichen Hilfskräften, es fehlt an -'inem Nachwuchs in der Hauswirtschaft. Trotz aller Not und Härte der Zeit findet unsere weibliche Jugend noch nicht den Weg in den Haushalt, ihr ureigenstes Arbeitsgebiet. Hier gilt es aber auch ein Mahnwort an die Mütter zu richten, die noch vielfach der Meinung sind, der hauswirtschaftliche Beruf sei nicht „gut genug" für ihre Töchter. Mit diesen Vorurteilen muß heute gebrochen werden, soll nicht noch weit grössere Berufsnot die Folge sein. Die Hausfrauen, die Kraft und Eignung dazu fühlen, müssten sich ent.schliessen, junge jüdische Mädchen zur Anlernung in ihrem Haushalt aufzunehmen, da Haushaltungsschulen und Heime zur Ausbildung nicht genügen. Es ist geradezu ein Gebot der Selbsterhaltung, diesen Weg zu gehen. Der Frieden und das Behagen des Familienlebens liegen in der Häuslichkeit begründet. Heute mehr denn je, da das Heim unsere Zuflucht bedeutet. Und die Hausfrau, die ihm Licht und Freude verleihen soll, braucht das moderne Rüstzeug durchdachter planmässiger Haushaltführung. Darum soll auch ihr die Möglichkeit zur Schulung und Weiterbildung in praktischen Kursen geboten sein, wie sie der Jüdische Frauenbund in seinen Hausfrauengruppen veranstaltet. So sehen die jüdischen Hausfrauen eine doppelte Aufgabe, die ihrer Erfüllung harrt: die Heranziehung der weiblichen Jugend zum hauswirtschaftlichen Beruf und ihre Schulung und Umstellung, wie sie die Zeit erfordert. Stephanie Forchheimer Wiener Frauen Fanny von Arnstein, Cäcilie von Eskeles In Oesterreichs Hauptstadt war, wie auch in Berlin, die gesellschaftliche Emanzipation der Juden der politischen voraufgegangen. Jüdische Häuser wurden hier wie dort Mittelpunkt geistiger und ästhetischer Kultur. Die Salons der Rahel, der Herz, der Mendelssohns sind Stätten, an denen Gelehrte, Künstler, Männer der Politik und der Wirtschaft, hohe Würdenträger, Adlige und Fürsten ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität zu edlen, geistigen Genüssen sich zusammenfanden. In Wien sind es besonders zwei jüdische Frauen, die ihren Einfluß auf das geistige Leben der Stadt ausübten: die Schwestern Fanny von Arnstein und Cäcilie von Eskeles. Sie sind l'Me u. Flschwarcn m m FIsch-ScMoss mhi &uä£üätsSe0iu£ie inmassr: luowi« oronthal -_RSINKKSTR»11 Alle Briefschaften und Geschäftspapiere unt. Garantie der Vernichtung kauft zu Tagespreisen Büro u. Stadtlager: Gr. Frledbargerstr. 13-17 Tel. 22544 Werk: Oberursel i. T. 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