Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 13 (9.1935)
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 493 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 493 Bilder der Arbeit E i Kalender Der Kalender des Jüdischen Frauenbundes für das Jahr 5696 ist der jüdischen Arbeit gewidmet. Wie der Künstler die arbeilenden Menschen sieht und wie der Photograph die jüdische Jugend bei ihrer Arbeil beobachtet, ist in 36 Bildtafeln dargestellt. Dabei ist die Abfolge von Bild und Text die bereits bewährte: in sinnbetontem Zusammenhang.auch mit den Abschnitten des jüdischen Jahres, den Thora- Abschnitlen und Festen, sind die Bilder ausgewählt und die Texle herangezogen worden. Arbeil und Können der Juden, der jüdischen Jugend besonders sind Woche für Woche der Begleiter durch ein jüdisches Jahr, das die Arbeitskraft und den Arbeitswillen aller erfordern wird. So möchte man glauben, daß dieseZusammenstellung etwas für die Geschichte Gülliges hal, weil sie aus dem geistigen und sozialen Leben unserer Zeit kristallisiert, was an entscheidenden, fördernden Arbeilen zu leisten war und noch geleistet werden muß. In der Anordnung der Bilder hätte man gewünscht, daß die in den ersten Wochen des Jahres beigegebenen vorzüglichen Reproduktionen von Kunstwerken über das ganze Jahr verteilt worden wären und daß dadurch die gleichfalls in einer geschlossenen Abfolge wiedergegebenen Photo-Reporlagen gelockerier und deshalb tindringlicher zur Wirkung kämen. In der Trennung von Bildern der Arbeit, die der Künstler geschaffen und denen, die der Photograph feslgehallen hat, liegt ein Ordnungsprinzip, das wir nicht gutheißen möchten. Der schöne, überaus praktische Kalender ist ein gleich ehrenvolles Zeugnis für die Arbeit des jüdischen Frauenbundes wie für die Druck- und Verlagsfirma. Mit der Ausstattung, dem Druck, besonders dem klaren, schönen Druck der Klischees, hat sich die Firma Gebrüder Braun in Frankfurt am Main erneut als hochqualifiziert erwiesen. Ghr. Jüdische Jugend lernt bei Martin Buber Fot. Sonnenfeld Für den Jüdischen Kulturbund Der Jüdiche Kulturbund Berlin geht in sein drittes Jahr. Die Bewegung, die er im Sommer 1933 hervorgerufen hat, ist inzwischen über ganz Deutschland gegangen. Sie lebt im Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland und sucht geistige Anregung und künstlerische Erhebung noch in die kleinsten jüdischen Gemeinden Deutschlands zu bringen. Berlin aber, das fast ein Drittel aller deutschen Juden umfasst, bleibt Kern und Mittelpunkt dieser Kulturarbeit. Der Berliner Kulturbund ist groß, aber er ist im Verhältnis zum Umfang der Berliner Gemeinde längst nicht groß genug, denn es dürfte nicht möglich sein, daß Juden, die den sehr bescheidenen Monatsbeitrag für die Mitgliedschaft noch aufbringen können, nicht auch Mitglieder des Kulturbundes sind. Hier handelt es sich ja nicht nur darum, für hunderte, von jüdischen Künstlern und Geistesarbeitern, denen jede andere Wirkungsmögliehkeit genommen ist, ein neues Schaffensfeld zu finden und zu erhalten — hier handelt es sich nicht nur darum, allen unseren jüdischen Mitbürgern in dieser schwersten Zeit eine heilsame Ablenkung, eine wohltätige Zerstreuung durch Gaben der Kunst, durch Theater, Musik, Wort und Schrift und Bildnerei zu gewähren —, der eigentliche Sinn des Kulturbundes besteht darin, der Gefahr innerer Erstarrung zu wehren, Gefühl und Geist jüdischer Menschen mit den grossen Werten künstlerischen und denkerischen Lebens in Beziehung zu halten. Darum scheint es uns Sache jedes selbstbewußten Juden, in den Kulturbund einzutreten und seine Bestrebung durch aktive Mitarbeit so stark und so erfolgreich zu machen wie möglich. Reichsvertretung der Deutsehen Juden Baeck Hirsch Zehtralausschuß der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau Borchard Adler-Kudel Jüdische Gemeinde zu Berlin Alexander Klee Preussischer Landesverband jüdischer Gemeinden Wolf Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland Singer Centraiverein Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens Julius Brodnitz Reichsausschuß Jüdischer Jugendverbände Friedrich Brodnitz Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten Löwenstein Zionistische Vereinigung für Deutschland Moses Meyer Vereinigung für das religiös-liberale Judentum Stern Simon Jüdischer Frauenbund E.-V. Ottilie Schönewald Berliner Mit dem Aufruf „Für den jüdischen Kulturbund" wendet sich die Gesamtheit aller Juden in Deutschland durch ihre massgebenden Vertretungen an jeden einzelnen jüdischen Menschen. In Frankfurt hat gleich zu Beginn der Kulturbundbewegung der, Kulturbund Rh ein -Main entscheidende Arbeit geleistet, deren Erfolge heute bereits weit über seinen Bezirk hinaus anerkannt sind. Damit gewinnt der Aufruf für die Mitglieder unserer Gemeinde doppelten Nachdruck, weil sich hier der Hinweis auf zwei erfolgreiche Arbeitsjahre mit einem wertvollen Programm für 1935 /36 verbindet. Es verschmilzt die Pflege der allgemeinen, kulturellen Werte in Musik, Theater, bildender Kunst und Kunsterziehung mit der Förderung der Interpretation des Schaffens jüdischer K ü n s 11 er. Werdet Mitglied im Kulturbund Rhein-Main! Jüdischer Kulturbund Rhein-Main Geschäftsstelle Gärtnerweg 62. Tel. 52638