Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 13 (9.1935)
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 492 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 492 Dr. jur. Julius Sonn — Steuer-, Rechtsu. Devisensachen — Umwandlung v. Gesellschaften — Auseinandersetzungen Frankfurt a M., Horst Wesselplatz 14, U. — Tel. 22798 ner Anstalt die Führerin, seinen Kindern eine zweite Mutter durch seine Verehelichung mit Ida Mayer, in der er fand, was er wünschen konnte: eine liebevolle Gattin, eine treue, gütige Erzieherin seiner Kinder, eine rastlose Helferin im Beruf, eine glänzende Organisatorin, eine seilen begabte Pensionatsleiterin. Mit Eifer und Tatkraft übernahm die erst 26jährige die reichen Pflichten ihres Berufes, die Pflichten der Mutter und die Ueberwachung des grossen Haushalts in dem an Bäumen immer mehr wachsenden Hause in der Theobaldstrasse. Die „Heinemann'sche Schule", das „Heinemann'sche Pensionat" wuchsen und blühten — es war eine Lust, darin zu leben und zu wirken. Im Januar 1898 traf der harte Schlag das Haus und die Schule — Heinrich Heinemann starb. Da stand die heute Gefeierte allein, auf ihr lasteten unzählige Pflichten. Aber jetzt offenbarte sich erst ihre Tatkraft: der Gatte war der Konzessionsträger der Schule gewesen. Nun musste die Tiefgebeugte in der Zeit des Schmerzes, unter dem Druck der ganzen und schweren Arbeitslast die zur Uebertragung der Konzession erforderliehe Rektorprüfung ablegen. Daneben bestand die Sorge, ob die ersten jüdischen Häuser des Kontinents, ja der Welt, die seither die Schülerinnen und Pensionärinnen schickten, das Vertrauen auf die Frau allein übertragen würden. Die 54jährige, willensstarke Frau legte die Rektoralsprüfug ab und übernahm die Leitung des Institutes. Schule und Pensionat blühten weiter, dank auch der Mitwirkung des inzwischen zum ausgezeichneten Lehrer herangereiften Sohnes. Als Dr. Isaac Heinemann jedoch einem Rufe als Professor nach Breslau folgte, die Mädchenschulreform Umstellungen verlangte, und die Schule nur auf Kosten des reüssierenden Pensionats bestehen konnte, wurde dieses von der Schule getrennt und 1917 an Frau Amalie Rosenthaler verkauft. Die Schule bestand noch unter anderer Leitung bis 1922. Unsere Jubilarin aber gab sich nicht der verdienten Ruhe hin. Die Gefeierte, stark im Gottvertrauen, voll von Lebensmut, hat sich lange im Vorstand der Sehulküchenkommission der Jüdischen Haushaltungsschule betätigt. Unermüdlich gibt sie und mit ausgezeichnetem Erfolg seit Jahren in uneigennützigster Weise französische Unterrichtskurse in der Frauenvereinigung der Frankfurt-Loge. Zahllose Schülerinnen in aller Welt, inzwischen zu Gattinnen, Müttern und Grossmüttern, zu bewährten Menschen geworden, preisen die Lehrerin, Leiterin und Freundin ihrer Jugend und stehen noch heute mit ihr in engster Verbindung. „Viel sind der Frauen, die sich wacker erweisen, aber Du überragst sie alle. Lobet sie ob der Frucht-ihrer Hände: Oeffentlich rühme man ihre Werke.". (Spr.* Sal. 31) Idealer Aufenthalt! Erholung! Sonne! COLLE ISARCO am Brennero HOTEL GUDRUN In schönster, ruhiger Lage. Familiäre Harmonie. Moderner Komfort. Beste Wiener Küche. Pensionspreis 23-30 Lire. Die Familie Königswarter Die Königswarter waren eine alte Frankfurter Bankiersfamilie. Die Stadt Frankfurt verdankt ihr zwei grosse gemeinnützige Stiftungen. Am 17. März 1873 errichtete Zacharias und Isaac Königswarter und Frau Liesette zum Andenken ihrer im' jugandlichen Alter verstorbenen Söhne mit einem Kapital von 300.000 Gulden die „Arthur undEmilKönigswarter'scheUnterriehts- und Studienstiftung" mit dem Zwecke, „befähigten hiesigen jungen Leuten bei ihrer Ausbildung für einen wissenschaftlichen, kaufmännischen oder technischen Beruf zu unterstützen". Dem Vorstand gehörten nach der Stiftungsschrift ausser dem einen Stifter Isaac Königswarter noch der Frankfurter Bürgermeister Dr. C. N. Berg vom Magistrat, Dr. C. J. T. Mommsen als, Direktor des Gymnasiums, F. Borgis, Ad. B. H. Goldschmidt und Ralph Merton an. Nach dem Tode von Isaac Low Königswarter wurde von dessen Erben in London, Paris, Wien und Hamburg im Jahre 1886 eine weitere grosse Stiftung zu seinem Andenken errichtet: die „Stiftung der Familie Königswarter". Unbemittelten Einwohnern der Stadt Frankfurt sollten bei Zahlung der Mieten erleichternde Beihilfen gewährt werden. Am Stiftungshaus in der Hans Handwerkstrasse - Ecke Schöne Aussicht ist noch heute im Treppenhaus und über dem Eingang eine Gedenktafel zu sehen. Nach den Statuten sollte bei der Vergebung der Stiftungsmittel keinUnterschied des Glaubensbekenntnisses bei den Bewerbern gemacht werden, „doch muß für Israeliten die Hälfte der Reinerträgnisse verwendet werden". Ein letzter Akt der Dankbarkeit an die Familie Königswarter war es, als die Israelitische Gemeinde Frankfurt vor einem Monat das Gebäude in der heutigen Quinckestrasse, das bis zum Jahre 1910 das Gemeindekrankenhaus war und in dem heute das gesamte Wohlfahrtswesen der Gemeinde, die Beratungsstelle, ein Beth Chaluz, das Erwerbslosenheim und andere Gemeindeeinrichtungen ein Heim gefunden haben, „K ö n i g s w a r t e r h a u s" genannt hat. L. W-s. Der gute v f*J^^ Stumpen 1$$^/&a/' ^WAn/w/amaaFm^a^x^yimP^ %XM^sm*fa Geska-Luna leicht und mild........... 64 Geska-Meistermischung im ßeska-Metallelui, ges. gesell. 104 Musikdirektor Aron Friedmann Oberkantor der Jüdischen Gemeinde in Berlin Aron Friedmann feierte, am 22. August seinen 80. Geburtstag. In der Allgemeinen Zeitung des Judentums würdigt Emanuid Kirschner anlässlich des 40jährigen Amtsjubiläums im Jahr 1922 den Kollegen Friedmann u. a. wie folgt: „Wie erst aus der harmonischen Vereinigung und Durchdringung voii Tonika, Terz und Dominante ein voll- und wohlklingender, weithin tönender Akkord erwächst, so ergibt sich auch die respekteinflössende. Persönlichkeit Friedmanns aus seiner Wirksamkeit auf drei sich gegenseitig ergänzenden und durchdringenden Tätigkeitsgebieten, auf dem Gebiete des Kantorats, auf dem des schaffenden Musikers und auf literarischem Gebiete." Spricht unser allverehrter Professor Emanuel Kirschner von Meister Friedmann als von seinem Ziel- und Weggenossen, so möchte ich an dieser Stelle als Schüler des Jubilars Einiges sagen. Friedmann hat sich nicht nur einen grossen Namen geschaffen, sondern, was uns noch bedeutungsvoller ist, einen guten Namen. Dies war ihm nur möglich, weil er als durch und durch gebildeter Mensch und feiner Musiker seine aust-rlesene Persönlichkeit in sein Amt trug. Mit seinem heiligen Amte verband er aufs innigste ein ganzes Leben. Leben und Wirken verschmolzen sich bei ihm zu einer seltenen Harmonie. Für den Schüler und Amtsgenossen ist es reizvoll, den Aufstieg, den Aron Friedmann genommen hat, zu umreissen. Wir sehen ihn im Geiste in seiner frommen Kinderstube, im Cheder, wir begleiten ihn auf seiner Wanderschaft -zu den berühmtesten Chasonim der Zeit, wir folgen ihm im Geiste in seiner grossen Entwicklung, bis er der bedeutende Mann von Ruf wurde. Die Grösse der P e r s ö nl i ch k e i t Aron Friedmanns ist in wenigen Sätzen nicht zu erschöpfen. Leitmotiv seines Lebens und Wirkens waren für ihn als Scholiach zibbur die Worte, die auf seinem königlichen Szepter eingegraben waren: „Da lifne. mi attoh omed". (Wisse, vor wemDu stehst!) So konnte er unbeirrt allen auftretenden Widerständen zum Trotz in seinem segensreichen Wirken uns, seinen Schülern und Amtsgenossen, zum idealen Vorbild werden. Aron Friedmann wirkte in der Synagoge als Kantor, Aron 'Friedmann wirkt in der Welt für uns alle. Mit den innigsten Wünschen für ihn und seine Familie verbinden wir unseren herzlichsten Dank! Admeahw' esrimschanah! Naumow Fleischmann