Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 13 (9.1935)
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 486 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 486 nehmen, daß an 8 Abenden Oper, Schauspiel und Kleinkunst geboten werden soll. Die Mitglieder des Kulturbundes und der beträchtliche Kreis Frankfurter schauspielerischer Kräfte werden den Ausbau des Programms in dieser Richtung begrüssen. Unter den Autoren und Solisten führt das Programm manche Frankfurter Namen auf. Damit soll den Ansprüchen Genüge getan werden, die eine lokale Note in der Programmgestaltung wünschen. All dies und die Kunstausstellungen, die Atelierbesichtigungen, die Studios können nur gefördert und erreicht werden, wenn die jüdische Öffentlichkeit gewillt ist, das anzunehmen, was ihr hier geboten wird: die Preise halten sich im Rahmen des für die Durchführung unbedingt Erforderlichen, das Programm ist vielseitig, lebendig, ja sogar aktuell, die Veranstalter sind vom besten Willen beseelt. Während Lehrhäuser und Kulturbünde die unkodifizierte Anerkennung der jüdischen Oeffentlichkeit besitzen, arbeitet eine dritte Gruppe jüdischer künstlerischer Unternehmungen ausserhalb organisatorischer Bindungen und, was mehr besagen will, ohne Bindung an ein Stammpublikum. Zu Unrecht hat man sich daran gewöhnt, diese Veranstaltungen als „wild" zu bezeichnen. Eine ganze Reihe von Konzerten und Vorführungen, die auf diese Weise zustande kamen, halten durchaus den Rang der Leistungen, die wir etwa vom Kulturbund her gewohnt sind. Freilich, und das soll hier mit aller Offenheit ausgesprochen werden, hat es sich, ergeben, daß in manchen mitunter von keiner künstlerischen Instanz verantworteten Veranstaltungen auch Kräfte solistisch auftraten, denen in früheren Jahren mit vollem Recht der Anspruch auf solistische Qualität bestritten werden musste. Die begreifliche Vermengung von Mitgefühl an dem Lose der schwer um ihre wirtschaftliche Lebensführung kämpfenden Künstler und Bedürfnis nach Entspannung haben den Boden bereitet, auf dem das oft undurchdringliche Gestrüpp von wertvollen und belanglosen Veranstaltungen gedeihen konnte. Die in diesen Tagen bekanntgegebene Verordnung über die notwendige Zugehörigkeit der Veranstalter und Ausführenden; zum Reichs: verband der Jüdischen Kulturbünde lässt vermuten, dass;. zugleich «ine Reinigung unseres „Veranstaltüngs^etfiebes durchgeführt werden kann. ^Notwendig" 'Tbierzu ist jedoch, dass die für die Zulassung" von Vefänstaitungen , verantwortlichen jüdischen' Instanzen das Eigenleben bewährter Organisationen (etwa Gesellschaft für jüdische Volksbildung), den Anspruch künstlerisch qualifizierter Vereinigungen (etwa Chorvereinigungen, Jüdische Tonkünstler) respektieren und die Schapensrechte solcher Vereine und der qualifizierten Einzelpersönlichkeiten anerkennen. Es wird, so scheint es, weder hier noch in anderen grösseren jüdischen Gemeinden Deutschlands im kommenden Winter über Mangel an geistiger und künstlerischer Anregung zu klagen sein. Wir wollen hoffen, daß Erscheinungen des letzten Winters, die zu einer betriebsamen Ueberfütterung des Publikums führten, unterbleiben. Damit würde ^zugleich auch ein Wunsch all der Kreise erfüllt werden, die würdiges und zurückhaltendes Benehmen der Juden auch in Zukunft gewahrt sehen wollen. Die Umwelt darf nicht durch äussere Begleiterscheinungen von Abendveranstaltungen (Autoauffahrten, Gruppierungen vor den Lokalen usw.) den völlig irrigen Eindruck erhalten, als herrsche im Kreise der Juden Sorglosigkeit und Unbedenklichkeit. Das Bedürfnis nach Bildung und Entspannung soll nicht bestritten werden, wahre Bildung, wertvolle Entspannung sind jedem Einzelnen unserer Gemeindemitglieder von Herzen zu wünschen. Nur darf die Forderung' von der Gemeinschaft an jeden Einzelnen gestellt werden, die vor kurzem der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in folgendem Aufruf ausgesprochen hat: „Heute wie jederzeit ist äusserste Zurückhaltung die selbstverständliche Pflicht eines jeden iveranwortungsbewussten Juden. Er, meidet die grossen Schankstätten und Cafes, er unterlässt überflüssige Promenaden, er zieht den Aufenthalt im eigenen Hause vor. Wer sich zur jüdischen Gemeinschaft bekennt, wer nicht als verantwortungsloser Aussenseiter gelten will, muß sein Verhalten in der Oeffentlichkeit ebenso wie im eigenen Kreise so einzurichten wissen, wie es die' Würde unserer Gemein- . schaft und das Bewusstsein der Verantwortung ihr gegenüber erfordert."; Dieser berechtigten Forderung, die für alle Juden in Deutschland Gültigkeit hat,-braucht nichts hinzugefügt, .zu werden. " .. ' . . Ghr. Raheis Grab von Rabbiner Dr. Salzberger Der älteste Judenfriedhof der Erde, wohl an zweitausend Jahre alt, steigt mit Tausenden von horizontal liegenden flachen Steinen oder Steinsärgen gegenüber der Altstadt von Jerusalem aus dem Kidron-Tale den Oelberg hinan. Aber jeder Fussbreit Boden im heiligen Land ist ja getränkt vom Marke noch früherer Geschlechter. Dort liegen Israels Stammväter und Stammütter, seine Richter und Könige, seine Priester und Propheten und ungezählte Namenlose seines Stammes begraben. Nur die zwei Grossen, die ihr Volk am heissesten geliebt, die am härtesten um seine Seele gerungen und um seine Heimat gelitten, ruhen jenseits der Grenzen Palästinas als seine treuen Wächter: auf dem Gipfel des Nebo, der über den Jordan hinüber nach dem verheissenen Lande schaut, starb Mose, der Knecht Gottes — „niemand kennt sein Grab bis auf diesen Tag", und irgendwo in Aegypten, wohin er wider seinen Willen mitgeschleppt worden war, hauchte unter den Steinwürfen seiner eigenen Volksgenossen der greise Jeremia seine Seele aus. Die Mohammedaner freilich lassen Allah, um den Gläubigen die Wallfahrt dahin zu erleichtern, Moses Grab nach dem Westufer des Toten Meeres versetzen. Einer Vorschrift des Sultan Saladdin zufolge pilgern die Muslemin noch heute um die Zeit des jüdischen Passah-Festes alljährlich in feierlichem Zuge und unter dem immer wiederholten Rufe: „Es gibt keinen Gott ausser Allah,: und Mohammed ist Allahs Gesandter, zur Moschee des „Nebi Mousa", die sich über der angeblichen letzten Ruhestätte des grossen Vorläufers ihres Propheten erhebt.. . . ..Während, dem Judentum bei alier, gebotenen und geübten Pietät gegenüber den Toten der Gräberkultus fernliegt, haben die Mohammedaner eine grosse Anzahl heiliger Gräber im Lande Israels. Unter ihnen sind nicht wenige Gräber der israelitischen Vorzeit oder was die Anfänger des Islam dafür halten. Dabei ist bezeichnend, daß sie mit Ausnahme etwa von Simson, dessen Grab im Heiligtum der Philisterstadt Gaza gezeigt wird, nur den Gräbern der religiösen Genien des israelitischen Volkes Verehrung zollen; sind nach ihrer Meinung doch diese die Wegbereiter für den wahren Glauben. Als höchste Erhebung ragt über Jerusalem ein Berg mit dem Dorf Nebi Samwil, so genannt nach dem Propheten Samuel, vielleicht das alte Mizpa, wo er das Volk richtete. Weithin sichtbar ist der Turm einer Grabeshalle, die im vorigen Jahrhundert die Araber über dem angeblichen Grabe dieses ersten Jüngers Moses dort errichteten. Hier versammelten sich seit dem Mittelalter Juden Palästinas und der angrenzenden Länder an jedem 28. Ijar, dem Tage, der nach der Überlieferung als Todestag Samuels gilt. Ein anderer Gipfel» östlich des Jordan, mit herrlichem Blick auf Palästinas Berge, ist nach H o s e a, dem letzten Propheten des ZehnstämmereichSj benannt; hier soll er nach arabischer Tradition bestattet sein, hierher wallfahren darum noch heute die Beduinen, um Opfer darzubringen. Selbst das Grab des fragwürdigen Propheten: Jona wird an dem Ort, wo er geboren ist, im ehemaligen Gath, Chef er, unweit Nazareth, von ihnen verehrt. Ungleich grössere Verehrung aber gemessen die Grabstätten der- - Patriarchen Israels, was nicht verwunderlich ist, da Mo^ hammed nach der Bibel sein Volk, die Araber, auf IsmaeL den,' Sohn Abrahams, zurückführt. Abraham istihm ein Prophet, wie Adam und Noati, wie Mose und Jesus, ja Abraham ist ihm derbesondere „Freund Gottes". Es ist also nur natürlich, daß seine.