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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-09-01 · 13 (9.1935) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
13 (9.1935)
Date
1935-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IS Vor der „Saison" Der Tradition und Erfahrung einer Reihe jüdischer Organisationen Deutschlands, die seit Jahrzehnten Literatur, Geschichte, Kunst unter den Juden pflegen, ist es zu danken, daß die Ausschaltung der Juden und ihrer Produktion aus dem künstlerischen und geistigen Lehen Deutschlands nicht zu einer geistigen Stagnation des jüdischen Puhlikums und zu einem wirtschaftlichen Zusammenhruch der geistig und künstlerisch Tätigen geführt hat. Bis in die kleinsteh Gemeinden der deutschen Judenheit drang früher die Bildungsarbeit solcher Organisationen, die ihrer Art nach privat, die jedoch im besten Sinne allgemein - nützlich war. Die Anteilnahme der Juden an solchen Bemühungen stand im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Beteiligung an dem öffentlichen Wirken der Volkshochschulen, Theater, Konzertvereinigungen, Museen: In dem Masse, in dem die Juden hier gesehen waren, hier aktiv und passiv wirkten, verminderte sich ihre Beteiligung an den Kulturauf gaben des engeren jüdischen Kreises. Das Jahr 1933 hat erwiesen, wie lebenswichtig für den geistigen Fortbestand und die geistige Weiterbildung der Juden all das war, was von den kleinen jüdischen Bildungs- und Kunstvereinen erhalten worden war. Wenn es nun auch galt, völlig neue Gebiete des geistigen Lebens, die vorher von anderen Stellen gefördert worden waren, zu erhalten und aufzubauen, wenn es auch notwendig war, Grundsätze aufzugeben und von Bedürfnissen her neue Zielpunkte zu setzen, wenn auch — nicht die geringste Schwierigkeit — aus den privaten Vereinsauf gaben grosse durchorganisierte jüdisch-öffentliche Planarbeit werden musste--das bedeutsame Neue, das nun heranwächst, konnte sich auf manche jüdisch geschulte und erzogene Menschen berufen. Das gilt vor allem von den jüdischen Lehrhäusern, die in grösseren und kleineren Gemeinden entstanden sind. Aus dem geistigen Leben des heutigen Judentums sind sie nicht mehr wegzudenken, und die Vorstellung, dass sie eines Tages aus Mangel an Mitteln ihre Tätigkeit verringern oder beenden müssten, lässt die bange Sorge aufkommen, was dann mit den geistig Hungernden, den Jungen und Alten bei uns geschehen soll. In diesen Lehrhäusern und in den mit ihnen verwandten Volksbildungsgesellschaften wird heute die wertvollste Bildungsarbeit geleistet, die von und für Juden im letzten Jahrhundert in Deutschland zu beobachten war. Innerhalb der deutschen Judenheit erfüllen sie die wahrhaft bildende, geistig formende Funktion. Frankfurt kommt es zu, die Arbeit seines Lehrhauses im besonderen Masse zu stützen. Von hier aus hat das Lehrhaus seinen Ausgang genommen, hier sind die ersten Versuche gewagt," die ersten Erfolge errungen worden, von hier aus hat in allen Gruppen der deutschen Judenheit als Vorbild gewirkt, was wir selbst immer, aufs neue mit Dank empfinden: die stille sachliche Arbeit, der Ernst und die Gewissenhaftigkeit, die Weite in der Beengung, die Gemeinsamkeit der Lehrenden und Lernenden. Auch im kommenden Lehrabschnitt wird das von Professor Dr. Martin Buber geleitete Frankfurter Jüdische Lehrhaus seine Arbeit fortführen. Der Lehrplan, der auch diesmal einen geschlossenen Rahmen darstellt; wird! demnächst bekannt gegeben werden. Die jüdische Erfahrung, auf die sich die Lehrhäuser berufen können, fehlt dem zweiten Faktor der Kulturarbeit der Juden in Deutschland: dem Jüdischen Kulturbund. In klarer Erkenntnis des Ablaufs der Ereignisse haben im Frühjahr 1933 Berliner Persönlichkeiten des jüdischen Lebens die Initative ergriffen, die aus den Bühnenensembles und Konzertgemeinschaften ausgeschiedenen jüdischen Künstler zu sammeln und mit ihnen Konzert- und Theateraufführungen zu veranstalten. Auch in anderen Städten des Reichs setzten ähnliche Bemühungen ein, die in Frankfurt, unsere Erinnerung daran ist noch sehr frisch, schli«aslich zur Gründung des Jüdischen Kulturbundes, Bezirk Rhein-Main, geführt haben. Von Anfang an waren die Kulturbünde Gegenstand grundsätzlicher Diskussionen. Weil ihr Bestehen die Bereitschaft einer breiten Schicht erfordert, galt es die verschiedensten Bedürfnisse und jüdischen Anschauungen einzubeziehen. So wurde es für die Kulturbünde unmöglich, die eindeutige Programmlinie zu finden, die die Lehrhäuser einhalten. Was den Einen zu jüdisch war, war den Anderen zu wenig jüdisch, was Vielen als literarischer Wert erschien, musste Anderen langweilig sein. Immerhin ist es im Laufe der beiden Arbeitsjahre den Kulturbünden gelungen, den Rang ihrer Leistungen immer mehr zu steigern. Und so sind auch die jüdischen Kreise durch die künstlerischen und literarischen Leistungen versöhnter geworden, denen mancherlei persönliche und sachliche Konstellationen innerhalb der Kulturbünde bedenklich erschienen und Grund zur Zurückhaltung gewesen waren. Diese Kreise des Publikums sollten freilich bedenken, daß nur durch ihre tätige Mitwirkung innerhalb der Kulturbünde ihr Anspruch auf Kritik zur Geltung gebracht werden kann und darf. Der Aufruf des Berliner Jüdischen Kulturbunds, den wir an anderer Stelle veröffentlichen, fordert in diesem Sinn den Einsatz aller für die Erhaltung der Kulturbünde. Was für dort verlangt wird, gilt in verstärktem Mass für die Kulturbünde ausserhalb Berlins. Auch der Frankfurter Jüdische Kulturbund ist auf jeden angewiesen, und es wird uvermeidlich sein, daß bei der Bereitschaft aller Kreise auch deren Wille und Bedürfnis stärker durchdringen wird. Das Programm, das der Jüdische Kulturbund, Bezirk Rhein-Main, für den Winter 1935/36 vorlegt, ist überaus reichhaltig. Neben 6 Orchesterkonzerten unter Leitung von Hans Wilhelm Steinberg und 3 Chorkonzerten mit Orchester unter Leitung von Dr. Nathan Ehrenreich sind 6 Kammermusikabende in Aussicht genommen. Man wird es dankbar ver-

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