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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-08-01 · 12 (8.1935) · p. Seite 477

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
12 (8.1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 477 (sequence 27)
Language
German
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Seite 477 HANDSCHUHE SCHALS STRÜMPFE GÜRTEL ^SoLflUER BADE-ANZUGE KRAGEN erankfurt {hbuidenstr.3-5 und allgemeine bürgerliche Gleichstellung sich bis Ende der vierziger, in einigen aber bis in die sechziger Jahre hinauszögerte, so dringt vielfach . eine erschlossene Familienerinnerung, über unsere Großeltern und Urgroßeltern bis vor die Zeit unserer völligen gesellschaftlichen Bewegungsfreiheit. — Nachdem sich wiederum für un£' die Tore schliessen, ist es ratsam und lehrreich, diese „Erinnerungen", die in der Epoche des Aufstiegs und der „Gleichstellung" verschüttet und überdeckt waren, wieder aufzunehmen und festzuhalten. Zwar finden sich nicht in jeder Familienbibliothek vergessene Aufzeichnungen, die uns einen vollen Einblick oder Rückblick gewähren, aber fast in jeder Familie sind in einem Schreibtischfach oder sonst in einer verborgenen Schublade oder Schrankecke alte, häufig unbeachtete Familienpapiere (Geburtsurkunden, Heiratsverträge u. a.), vielleicht auch in einer verschliessbaren Truhe sorgfältig und liebevoll zusammengebundene Paketchen mit Briefe 1 — etwa Verlobungsbriefe der Großeltern — aus der Kleinstadt, vom Landort. Wenn wir genau hinschauen, Seite für Seite, Brief für Brief, entziffert sich zwischen den zärtlich verehrungsvollen Liebesworten das tägliche, berufliche Leben in der Kleinstadt. Weiter blicken wir hinein in das Zusammenleben der Familie, es eröffnet sich der Pflichtenkreis der Frau im Geschäft und in einer weiter ausgedehnteren Wirtschaft als heute (Brotbacken, Geflügelzucht für den eigenen Bedarf), und, eingefügt in das oft aorgenreiche Arbeits- und Familienleben, erschliesst sich selbstverständlich der Kreislauf der Samstage und Feiertage. Zwischen solchen Korrespondenzen finden sich dann auch adressierte Briefumschläge mit Geschäftsaufdrucken, alte Rechnungen, Haushalts/büeher, auch mal zufällig Geschäftsbriefe, aufgeklebte Ausschnitte aus den Standesamtsregistern, alles Kleinigkeiten, die anseheinend keinen Wert, und für. die wir nicht den Platz haben, sie aufzubewahren. — Aber es sind gerade häufig diese zufälligen Nichtigkeiten, die, sinnvoll zusammengefügt, einen ganzen Zusammenhang aufleuchten lasten. Aus einer Briefadresse kann eine Familienverbindung deutlich werden, und der genaue Geschäftsaufdruck kann sehr deutlichen Aufschiusa Über die Art des Geschäftes vermitteln. Die standesamtliche Registrierung „Bürger und Kaufmann" 1849 in einer süddeutschen Residenzstadt besagt aber, daß die volle Emanzipation und die Einordnung in den „bürgerlichen Beruf" vollzogen war. Mit diesen Familienpapieren befindet sich in der Obhut der Frauen ein wichtiges Quellenmaterial, das vielfach unbeachtet bleibt, zerstreut, oder auch — weil als lästig empfunden — vernichtet wird, das aber in einer sachlichen Auswertung Grundlage für eine Familienforschung bieten kann. Einer jüdischen Familienfor&chung wird es jetzt, wie wir bereits aufzeigten, für diesen uns zunächst zugänglichen Zeitpunkt, darauf ankommen, die Aufstiegs- Abstiegskurve aufzuweisen, im Zusammenhang damit die Berufslage, — den Umschlag vom Wanderhausierhandel zu bürgerlichen Berufen, die berufliche Differenzierung —, die Abwanderung vom Land zur Stadt, von der Kleinstadt zur Großstadt zu erkennen, nicht zuletzt aber zu zeigen, wie der „Zusammenhang der jüdischen Familie" und das Verhältnis zur jüdischen Tradition jeweilig von Bedeutung ist und seine Wirkung ausübt. Der Jüdische Frauenbund hat es sich zur Aufgabe gemacht, dafür zu werben, daß auch dieses einzelne Familienmaterial, was „als nur vom familiären Interesse" noch gerade aufbewahrt wird, ausgewertet und wenn möglich ihm zugänglich gemacht wird. Es wird eine Anregung zur Festhaltung genealogischer Daten bis zur dritten Generation (Grosseltern ) geben. Es wird angenommen, dass auch auf diese Weise und durch die Festhaltung charakteristischer Familienerinnerungen ohne grossen Aufwand an Zeit und Geld eine Familienforschung in grösserem Rahmen durchgeführt werden kann und damit für eine jüdische Geschichts- und Gesellschaftsforschung wichtigem Material der Vergessenheit und der Vernichtung entzogen werden kann. Toni Oelsner Brennabor, Adler, Wanderer Opel, Festino Reparaturen an allen Fabrikaten SEEWALD nur Zeil 19 3 PUNKTE machen unseren diesjährigen Saison - Schluss - Verkauf besonders vorteilhaft. Unsere schönen Sommerstoffe, unsere guten Strümpfe, Hemden, Tricotagen und die vielen anderen Ueberraschungen G. m. b. H. Kronprinzenstrasse 21 Salomon & Co. f Anzeigen und Empfehlungen aus allen Geschäftszweigen finden Sie im Gemeindeblatt. Kaufen Sie bei unseren Inserenten Es gibt nur einen „Porzellan-Bär"

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