Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 12 (8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 462 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 462 Frau Jac. E. Eisenmann Versicherungen aller Art, auch Krankenversicherungen. Uhlandstrasse 40 ptr. Fernsprecher 42493 berufen, sclüiehte Menschlichkeit nicht nur zu predigen, sondern vorzuleben, d. h. Leben und "Denken in Einklang miteinander zu bringen und in allem Maß zu halten. Kultur ist eine Bereicherung der Natur, vor der Ueberkultur flüchtet sich alle Natur, weil sie Unnatur ist. Man trage in der Sommerfrische seinen Geist nicht zur Schau, prunke nicht mit seinem Witz, mache daraus kein grelles Schild. Wo viel Inhalt ist, da bedarf es keiner schreienden Reklame. Man lerne, die Menschen von ihrer besten Seite zu nehmen. Die Lebensklugheit besteht darin, mit allen Menschen fertig zu werden, d. h. die richtige Art zu finden, wie sie behandelt werden müssen. Man rege sich nicht auf über Anschauungen, die den unsrigen widersprechen. Man bilde sich nicht ein, die Menschen zu bekehren, wo sie sich ändern, geschieht es meistens durch neue Erlebnisse, selten durch unsere Beeinflussung. Proselyteiimacherei ist nicht nur in der Religion, sondern auch auf allen Geistesgebieten eine unschöne Sache. Jeder gehe seinen Weg zu Gott und zu seiner inneren Harmonie, wenn nur das Ziel richtig ist. > Man vermeide es, aufzufallen — im Guten wie im Bösen. Lieber wenig beachtet sein, als die mißtrauische Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Man sei gefällig, ohne Gegenleistung zu erwarten. Man gebe sich natürlich, aber nicht intim, behalte sein inneres Heiligtum für sich, dann wird es am wenigsten entweiht. Man halte sich nicht nur in Kleidung und Lebensäusserung, sondern auch in geistig-seelischen Dingen in gewissen Grenzen. - Man vergesse bei allem aber nicht, den jüdischen Menschen mitzunehmen, nicht sorgfältig versteckt, sondern ehrlich und offen. Man zeige den Juden, wie er ist, den Juden, der weder mit seinem Judentum prunkt, noch sich dessen schämt, sondern es als selbstverständlich und gegeben und mit Würde trägt, wie sein Menschentum. Literarische Rundschau Philo-Bücherei Nr. 1. Hermann Sinskeimer: Rabbi, Golem und Kaiser. Sinsheimer hat versucht, der vielbehandelten Legende vom hohen Rabbi Low eine neue Form zu geben. Aber diese Form ist — schon der wenig glückliche Titel lässt das befürchten — nicht einheitlich genug, um zu fesseln. Die Darstellung arbeitet mit zu verschiedenartigen stilistischen Mitteln, die sich nicht zu einem Bau zusammenschliessen. Auf eine allgemeine Einleitung über, die Ghettojuden des 16. Jahrhunderts folgt die prüfende Betrachtung der Gestalt RabbjL Löws, dann, nicht im Ton frischer Erzählung, sondern wieder als ein zu sehr mit Erklärungen arbeitender Bericht, die Erschaffung des Golem. An die Charakteristik Rudolfs II. schliesst sich das Gespräch zwischen Kaiser und Rabbi. Es ist zu bedauern, daß Sinsheimer das am besten gelungene Hauptstück, eben die berühmte, vom Geheimnis umwobene Audienz, so breit eingeleitet hat. So tritt man an die Szene nicht mit unbefangenem Glauben heran; es ist vorher so vieles dargelegt und erläutert worden, daß man das Spiel nicht als Dichtung unmittelbar empfindet. Die Aeusserungen des Rabbi in' der Audienz wirken dann auf den Leser nicht echt genug, um die Zufriedenheit und Huld des Kaisers verständlich zu machen. Nr. 2. Leo Hirsch: Gespräch im Nebel. Schlicht, nie der Phantasie eigenmächtig nachgebend, nur das Ueberlieferte bildhaft und anschaulich gestaltend, hat Leo Hirsch einen Tag aus dem vorletzten Lebensjahr Spinozas festgehalten: Leibniz besucht Spinoza, Wer das ausgezeichnete volkstümliche Büchlein kennt, in dem der so früh dahingegangene bedeutende Spinoza-Forscher Carl Gebhardt den jüdischen Philosophen dargestellt hat (es ist in Reclams Universalbibliothek erschienen), der spürt, auf welch treuen Grundlagen Leo Hirschs Geschichte aufgebaut ist. Und wer ohne Kenntnis der Spinoza- Literatur dies Werkchen dichterischer Einfühlung geniesst, der erfreut, sich an der Feinheit, mit der sich das innerste Wesen des stillen Denkers ihm offenbart, indem es sich von der sicheren Art des jungen genialen Weltmannes Leibniz abhebt. Auf das Gespräch, dessen Höhepunkt Spinozas erschütternder Bericht von der grauenvollen Ermordung seines großen Freundes Jan de Witt ist, folgt die schöne Schilderung, wie Leibniz in dem Manuskript der „Ethik", auf das er seit Jahren begierig ist, liest, während Spinoza im Nebenzimmer seine Linsen schleift. Ein wundervoller Ausklang: in der Aufregung, mit der Leibniz blätternd den seelischen Reichtum, die Güte und Gottesliebe des als Atheisten verschrieenen Juden erkennt, in der Verwirrung und Schweigsamkeit, mit der Leibniz Abschied nimmt, wird die tiefe Wirkung von Spinozas großem Werk lebendig. Nr. 3. Max Samter: Der Gast. Eine Erzählung. Eine ernste Geschichte von gedanklicher Tiefe, in Klarer, dem Inhalt angemessener ruhig edler Sprache erzählt. Man folgt mit Teilnahme der äusseren Handlung. Aber man empfindet das Schicksal der Menschen, die so lange tüchtig und tätig unter den Bewohnern der abgelegenen Insel gelebt haben und doch eines Tages als Fremde angesehen und~ verdrängt werden, zu sehr als mit Verstand und Gefühl gestaltetes Sinnbild und zu wenig als eine blutvolle, ans Herz greifende Dichtung von wirklichem Leben. dh. Abraham Heschel: Maimonides. In der Sammlung „Judentum in Geschichte und Gegenwart". Berlin 1935, Erich Reiss Verlag. Wenn in der Fülle der Maimonides-Bearbeitungen dieses Jubeljahres ein Werk aufgeführt werden und seinen Platz behaupten will, so muß es tchon einen fast aussergewöhnlichen Beweis seiner Existenzberechtigung erbringen. Der junge Berliner Gelehrte Abraham Heschel hat es fertig gebracht, nicht nur sich zu behaupten, sondern mit seiner Veröffentlichung eine wirklich vor-; handene Lücke zu schliessen. Trotz der heftigen Bemühungen; JUWELEN GOLD SILBER TRAURINGE BESTECKE echt Silber u. 100er Versilberung Armband- Uhren | UHREN-REPARATUREN zuverlässig, preiswert] An- und Verkauf aus Privatbesitz stets Gelegenheiten POSENiÖOSEN SILBERSCHMIEDE ( KAISERSTR. 5 W FRANKFURT AM MAIN