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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-08-01 · 12 (8.1935) · p. Seite 461

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
12 (8.1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 461 (sequence 11)
Language
German
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Seite 461 Philosophie der Sommerfrische*) von Fabius Schach Die TJeberschrift klingt ein wenig anspruchsvoll, aber — es gibt heute eine Philosophie von „Wenn auch", „Dennoch", „So wohl als auch", „Vielleicht doch","warum nicht also auch eine Philosophie der Sommerfrische? Sie wendet sich, wie alle Philosophie, an ein relativ kleines Publikum. Denn es werden dieses Jahr viel weniger jüdische Sommerfrischler sein. Wirtschaftliche und seelische Not hält gar viele zurück. Aber es gibt doch viele, für die die Ausspannung kein Luxus ist, die in der Sommerfrische nicht nur Erholung, sondern auch seelische Zuflucht suchen. Und die Frage „wohin?" ist dieses Mal für den deutschen Juden besonders schwer. Daß kein Jude einen Ort aufsucht, an dem Juden ausdrücklich oder angedeutet unerwünscht sind, das fordert das jüdische Selbstbewüsstsein, der gerechte Stolz. Aber auch in den anderen Orten ist Zurückhaltung geboten. Die Theorie, daß die Juden völlig unter sich bleiben und in der Sommerfrische jeden Verkehr mit Nichtjuden meiden, ist kaum durchführbar. Wenn man sich von uns absondert, so wollen wir uns niemand aufdrängen. Es gibt eine Mitte zwischen Aufdringlichkeit und Schüchternheit, das ist die Wahrung der Würde, ohne Übermut, die Wahrung der Distanz mit feinem Takt. Man hat Vorurteile gegen uns, um so mehr ist es unsere Pflicht, alles zu vermeiden, was ihnen Nahrung und Berechtigung gibt. Man sieht in uns etwas Fremdes, um so mehr muß es unsere Aufgabe sein, uns zu zeigen, wie wir sind, Menschen mit Schwächen und"Tugenden, ein Produkt geschichtlicher und sozialer Erziehung. Der Jude ist' der Prototyp des Aristotelischen „Zoon politikon", er ist vom Hause aus eine gesellige Natur, mit dem Bedürfnis zu geben und zu nehmen, und in der Sommerfrische, wo man sich natürlicher, schlichter gibt, kann man seine Natur am besten studieren. Und der Eindruck des Einzelnen ist oft maßgebend für ") Mit gütiger Erlaubnis der Jüdischen Allgemeinen Zeitung das Bild, das man sich von der Gesamtheit macht. Anschauung ist, wie das Wort besagt, ein Schauen, um daraus eine Überzeugung zu gestalten. Es ist meistens so, daß manche zum Judenhaß gelangen, weil sie einen oder zwei unsympathische Juden kennen gelernt haben. Sie haben nicht die Möglichkeit zu unterscheiden, was zufällig und was typisch ist. Sie beurteilen das Gewordene, ohne den Werdeprozeß zu kennen. Nirgends wird so leicht aus dem Einzelnen ein Typus gemacht, wie beim Juden. Daher soll sich jeder Jude bewusst sein, daß er im öffentlichen wie im privaten Leben eine höhere Verantwortung trägt. Vor allem meide man jede politische Diskussion. Die Politik gehört nicht in die Natur. Es ist nicht unehrlich, wenn man die Tatsachen als gegeben anerkennt und die Vergangenheit als gewesen ansieht. Man ist nicht unhöflich, wenn man auf politische Gespräche nicht eingeht. Es gibt genug menschliche und geistige Fragen, die einen Einheitsboden für Kulturmenschen bilden können. Man lerne, wenn es sein muß, einsam zu sein mit der Natur, ohne sich unglücklich zu fühlen. Man schwinge sich zu. der Kunst hinauf, sich selbst zu genügen, sich selbst seelisch zu beköstigen. Wir gehören das ganze Jahr häufig allen, nur nicht uns selbst. Es kann nur von Vorteil sein, wenn man in den Stunden der Sommerfrische sich selber ganz angehört. Man lerne bescheiden sein, ohne zu klagen und zu tadeln. Je weniger Ansprüche wir stellen, desto größer ist die innere Zufriedenheit, desto geringer der Abstand zwischen Wollen und Haben. Natur und Luxus sind unversöhnliche Gegensätze, wer frei sein will in der Natur, muß sich auch frei machen können vom Ballast angelernter und angewohnter Bequemlichkeiten, die in Wirklichkeit manchmal eine Last bedeuten. Man streife alle Ueberkultur ab, bleibe aber Kulturmensch. Gerade uns Juden wirft man häufig mit Kecht ungesunde Ueberkultur vor, und doch sind wir durch Religion und Geschichte äst i na Die kürzeste und bequemste Verbindung über Triest mit den 8000 BRT großen, vollständig neu eingerichteten Schnelldampfern Gerusalemme Galilea * Palestina Erste Klasse und Touristenklasse. Fahrpreise ab Triest nach Jaffa oder Haifa I. Klasse RM 354.65 inkl.Taxen ab 1. Mai RM 272.15 Tour.-Kl. RM 122.10 inkl.Taxen Auf Wunsch rituelle Verpflegung Abfahrten von Triest jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag, 13 Uhr Auskünfte, Buchungen durch LLOYD TRI ESTI NO Frankfurt/M KawerstraBe 2°. r i a 11 rv i u r i/ ivi., Telefon 23754 sowie alle bedeu'enden Reisebüros r MÄNTEL/ \ COMPLETS ' IHR ERSTER WEG zu MODE RICHTER KLEIDER BLUSEN H. ISAAC, ANZEIGEN-VERTRETER Da meine 1894 gegründete Annoncen-Expedition nicht mehr zugelassen ist, habe ich die Vertretung einer bedeutend anerkannten Annoncen-Expedition übernommen und bin in der Lage ihre Anzeigen-Aufträge für alle Zeitungen ued Zeitschriften entgenzunehmen. RAVENSTEINSTRASSE 11 TELEFON 44888

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