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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-08-01 · 12 (8.1935) · p. Seite 458

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
12 (8.1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 458 (sequence 8)
Language
German
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HANS MARCUS TREUHANDER FACHBERATER FÜR STEUER¬ UNDDEVISEN RECHT GOETHE STR.5 TELEFON28561 um Ephraim. Jud-Salomon Moyses-Samuel Kirchheim-Löb Moyses- Lehmann Feist-Eaphael Löb-Joseph Abraham-Jacob Ephraim-Löb Guntzenheimer-Moyses Jacob-David Ephraim-Noe Isaac - Moyses Setzer. Die Zahl der Einwohner muss sehr gewechselt haben. 1671 war* ihre Zahl auf drei zurückgegangen, und man wollte sie, wie das damals in den darmstädtischen Landen geschah, aufs Land verweisen. Der Landgraf lehnte diesen Antrag ab, aber er wollte keine neuen jüdischen Ansiedler aufnehmen. Landgraf Friedrich II, mit dem silbernen Bein, beabsichtigte seine Residenz zu vergrössern. Er erliess daher 1698 einen Freiheitsbrief, in dem er Juden, die sich in der Luisenstadt anbauen wollten, versprach: Schutz und Schirm und Holz und Stein ohne Entgelt und weiter auf 10 Jahre völlige Freiheit für „ihr Exercitium religionis in ihrer Schul" und noch andere Erleichterungen. Unter seinem Nachfolger entstand die ..Judenstrasse" (jetzt Wallstrasse) . Im Laufe der Zeit wurden die Meinungen und Ansichten humaner, und am 7. März 1848 erliess Landgraf Gustav eine Verordnung: „Auch in orts- und stattsbürgerlicher Beziehung soll fortan kein Unterschied mehr zwischen Unseren christlichen und jüdischen Untertanen stattfinden". Die Verhältnisse der ansässigen Juden wurden durch eine Juden Ordnung geregelt, zuerst 1539 durch den damaligen Landesherrn Philipp den Großmütigen von Hessen. Eine weitere Ordnung ^erfolgte 1684, die letzte unter Landgraf Friedrich Jacob 1737. Wo vorher der Gottesdienst abgehalten wurde, ist nicht festzustellen, aber gemeinsamer Gottesdienst war von 1684 an gestattet. Mit der Erteilung dieser Erlaubnis wurde gleichzeitig ein Vorsteher ernannt. . , Nach 100 Jahren wurde unter Landgraf Ludwig die Aufnahme jüdischer Kinder in die „Allgemeine Bürgerschule" verfügt. Am 15. Dezember 1808 wurde angeordnet, daß jeder israelitische Familienvater für sich und seine Nachkommen einen bestimmten deutschen Familiennamen wählen mußte. Der Leibzoll wurde am 6. XI, 1803 aufgehoben, nicht aber das Schutzgeld. Den Leibzoll mußten alsdann nur ausländische Juden bezahlen. Die 1701 errichtete Synagoge wurde 1864-66 nach, den Plänen des Baurats Holler durch eine neue ersetzt und besteht heute noch in der damaligen äusseren Form. Wo das alte Gebetahaus über 150 Jahre stand, erhebt sich heute ein großes Wohnhaus in der Wallstrasse. . ' Das erste Gemeindehaus erstand 1764 in dem Hofe hinter der Synagoge. Als es baufällig wurde, wurde das jetzt noch benutzte Haus im Garten der Synagoge errichtet. Es enthält das rituelle Bad, Bet- Schul- und Versammlungsräume. Es wird in den letzten Jahren immer mehr benutzt. Ueber die erste Begräbnisstätte fehlt jede Kunde. Vielleicht wurden die Dahingeschiedenen bei dem Dorfe Niederstetten beigesetzt. Das Dorf wurde im 30jährigen Krieg völlig zerstört; aber wo es stand, heisst heute noch ein Stück Feld „Judenacker". 1684 haben die Juden beantragt, ihren Friedhof mit einem Zaune umgeben und Leichensteine aufrichten zu dürfen. 1703 hatte die Gemeinde ein Stück Feld zu Bestattungszwecken angekauft, aber erst von 1790 an erfolgten die Beisetzungen ausschliesslich auf ,' dieser Ruhestätte, dem Seulberger Friedhof. Er liegt am südlichen \ Rand des allen Besuchern Homburgs wohlbekannten Hardtwaldes,' ist jetzt von Gestrüpp nahezu völlig zugewachsen. Ein etwas:1 höher gelegener Teil wird als Oberurseier Berg bezeichnet, weil, an dieser Stelle die Einwohner der Oberurseier Gemeinde, soweit sie es gewünscht hatten, die ewige Ruhe und den ewigen Frieden fanden. Diese Begräbnisstätte wurde bis 1868 benutzt. Seitdem "erfolgen Beisetzungen nur noch auf dem nördlich von Homburg gelegenen Friedhof. Von 1710-1757 bestand eine jüdische Druckerei in, Homburg, aus der einige bekannte Bücher hervorgingen. Zeit-; weise fand die Druckerei in der landgräflichen Druckerei im'j Waisenhaus Unterkunft. *);! Auf das Schulwesen der Gemeinde, wie auf die Geschieht« der Wohlfahrts- und Wohltätigkeitsvereine, die teilweise übet, 200 Jahre bestehen, soll heute nicht eingegangen werden. | Die Zahl der Familien war zeitweilig über 100 gestiegenjf aber in den letzten Jahren hat die Zahl der Geraeindemitgliedeiff teils durch Tod teils durch Abwanderung wesentlich abgenommen^ Aber wir wollen und dürfen nicht mutlos werden. Die 600jährig# Geschichte lehrt, daß Zeiten großer Bedrängnis und Kümmernisyj Zeiten des Rückgangs der Gemeindemitglieder (1761 nur noetyi drei) im Vertrauen auf den Allmächtigen ertragen und über«! wunden wurden. Möge Er auch fürderhin Seine schützende Hand über die Gemeinde und ihre Mitglieder halten! Möge sie wachsen, und gedeihen zu Seiner Verherrlichung und zur Verherrlichung. Seines Heiligen Namens! *) Näheres bei A. Freimann in: Zeitschrift für hebräische Bibliographie. 1918, Seite 14 und ff. Jahrg. XXI. Neues Jüdisch-Deutsch eine sprachgeschichtliche Beobachtung von Professor Dr. Heinrich Loewe, Tel-Aviv Jüdisch-Deutsch und Jiddisch sind scharf zu unterscheiden. Gewiss stammen sie aus einer Wurzel. Aber die Entwicklung hat sie längst auseinander geführt. Es ist ein Irrtum, wenn Jiddischisten alte jüdischdeutsche Sprachdenkmäler und Reste voi. Volksliteratur, der jiddischen Sprache und Literatur zuzählen. Erst recht sind heute „Jiddisch" und , Jüdischdeutsch" weit von einander entfernt. Jüdischdeutsch ist eine aussterbende Mundart der deutschen Sprache. Jiddisch wird mit Recht als Nebenspräche bezeichnet, .die linguistisch den gleichen Ursprung hat wie das Hochdeutsche, und ihm in Wortschatz und Satzbau nahesteht. Namentlich viele wesentliche Dialekte werden vom Hochdeutschen aus leicht verstanden. Aber es hat in seinem Verhältnis zur deutschen Sprache eine wesentlich andere Stellung als das Jüdischdeutsche, das jetzt gelegentlich fälschlich auch jiddisch genannt wird. Jüdischdeutsch ist ein sterbender Dialekt, Jiddisch eine lebendige Sprache. Das Jiddische war bis vor kurzem eine sich ausbreitende Sprache. Es hat nicht bloss im Osten Juden, die früher andere Sprachen redeten, in seinen Bereich gezogen, es hat Länder und Meere mit den wandernden Juden überschritten und sich bisher in diesen Ländern zu erhalten gewusst. Jetzt freilich ist es, obwohl eine jiddische Literatur entstanden ist, wiewohl man sich bemüht, auch ein wissenschaftliches Schrifttum in ihm zu schaffen, wenngleich es jetzt große Tageszeitungen in dieser Sprache gibt, im Volksmunde in starkem Rückgang begriffen. Man konnte während der Kriegszeit die interessante Beobachtung machen, daß die Kinder der eifrigsten Jiddischisten in Polen nicht in. jiddischer Sprache auf wuchsen, weil die Eltern es vorzogen, mit ihnen nur Polnisch zu sprechen. In Polen wird heute in weiten Kreisen das Jiddische von der polnischen Sprache aufgezehrt. Erst recht ist das in Amerika der Fall, wo das ältere Geschlecht noch in der jiddischen Sprache lebt, wo aber die Jugend oft die Eltern nicht versteht, und wo es nur eine Frage der Zeit ist, daß das Jiddische auf

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