Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 11 (7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 427 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 427 gelassen), die Bedeutung der Predigt, die Stimmung von Chanukkah. Auch in Kleinerem (Gestaltung des Werktaggottesdienstes) wird sich den Suchenden eine Diskrepanz zwischen Erlebtem und hier Verzeichnetem ergeben. Es hat nichts mit Parteigeist zu tun, wenn wir meinen, daß man eben das Judentum nicht vollständig darstellen kann, ohne auch seine Gestaltung durch den Liberavalismus zu beachten. Wir wünschen dem Autor eine erneute Möglichkeit, in anderem Gewände und ausführlicher, vom praktischen Judentum zu künden; wünschen aber auch, daß der „Amateur" dann doch einen Professionellen zu Rate zieht, auf daß einige sehr störende Mängel unterbleiben. Dr. H. Lenne Höxter: Quellenbuch, Kleine Ausgabe 1935. J. Kauffmann Verlag. Frankfurt am Main. - ' . Es war ein glücklicher Gedanke des Verfassers, seinem fünfbändigen Quellenbuch ein einbändiges hinzuzufügen. Dies geschah in der richtigen Erkenntnis, daß zwar ein an die Quellen des jüdischen Wissens und Lebens heranführendes Werk einem jedem Schüler zugänglich gemacht werden müsse, daß aber eine so weitreichende Verbreitung des Werkes in seiner bisherigen Form aus Ersparnisgründen nicht möglich war. Die aus diesen Gründen geschaffene verkürzte Ausgabe überrascht durch die geschickte, sinnvolle Auswahl aus £ler Fülle des zur Verfügung stehenden Materials; sie hat zudem eine handliche und sorgfältige Ausstattung. Im Hinblick auf Inhalt und Form des Buches darf man wohl sagen, daß es über seinen eigentlichen Zweck hinaus auch Erwachsenen, die sich um die Erarbeitung jüdischen Wissens und vor allem um die Erlernung der Geschichte und die Erkenntnis ihrer großen Zusammenhänge bemühen, Wegweiser sein kann, umso, mehr, als es mit der Aufnahme von Werken und Autoren aus der neuesten Zeit in die Problematik unserer Gegenwart einmündet. — Besondere Anerkennung verdient es, daß Proben in hebräischer Sprache als Anhang dem Buche beigegeben sind, avomit eine richtige und dringliche Forderung der Gegenwart erfüllt sein dürfte. Man möchte dem neuen Höxter'schen Buch über seinen eigentlichen Zweck hinaus weiteste Verbreitung in all den jüdischen Kreisen wünschen, die jüdisches Wissen zu erarbeiten und in den Sinn des Judentums einzudringen sich bemühen. Dr. Salomon Das jüdische ABC, Ein Führer durch das jüdische Wissen, herausgegeben von Emil Bernhard Cohn. Berlin 1935. Verlag Erwin Löwe. In den wenigen Wochen seit dem Erscheinen hat „Das jüdische ABC" eine weite Verbreitung gefunden. Neben der schon äusserlich anziehenden Note verdankt es diese Aufnahme der leicht eingänglichen Darstellung von vielen hundert Ereignissen, Persönlichkeiten, Eigenarten der jüdischen Geschichte und Gegenwart, die hier vereinigt sind. Unter den Stichworten fehlt kaum eines, das man in einem Führer durch das jüdische Wissen zu suchen berechtigt ist. Und wenn auch die Darstellung nicht, immer gleichwertig, die Angaben nicht immer erschöpfend, die Verteilung der Lichter nicht ohne Tendenz sind, bleibt das Buch doch mehr als eine Anleitung: es ist anregend und vermag auch denen Bereicherung zu bieten, denen die Grundfakten des jüdischen Wissens nicht fremd sind. — Die Illustrationen des Buches befriedigen nicht. Ghr. Neue Bändchen der Bücherei des Schocken-Verlags Nr. 30. Jüdische Volkslieder. Ausgewählt, aus dem Jiddischen übersetzt und erläutert von Ludwig Strauss. Das jüdische Volkslied, in Deutschland noch zu wenig bekannt, ist in doppelter Hinsicht anziehend und 'bedeutsam. Es spiegelt in der Ursprünglichkeit, die jeder Volksdichtung eigen ist, jüdische Denkart und jüdisches Empfinden wieder. Es zeigt aber auch so vielfache Berührungen und Zusammenhänge mit dem deutschen Volkslied, daß es für die vergleichende Volksliedforschung ebenso wie für die Kenntnis der Geschichte des geistigen und kulturellen Lebens der Juden aufschlußreich ist. Die vielseitige Auswahl, die Ludwig Strauß aus den großen Sammlungen übertragen hat, gibt das dichterisch Wertvollste und das Bezeichnendste. Man erkennt, daß der Uebersetzer wirklich das vermieden hat, was er in seiner feinen Einleitung mit Recht verurteilt: er hat die Originale nicht verschönert, er bat das J)erbe, Leidenschaftliche ebensowenig gemildert wie das Süss- Zärtliche, er hat auch den oft seltsamen Rythmus nirgends zu "verbessern gesucht. Daß man trotz dieser Treue den Wunsch hat, 45 jS» .0" bürgt für: Gesc&maclc Qualität Preiswllrdigkeit die noch viel stärkere Wirkung der Originale in einem weiteren Auswahlbändchen jiddischer Urtexte — am liebsten mit einer Beigabe von Melodien — zu empfinden, spricht für den Reiz und den Wert des Büchleins, das Ludwig Strauß geschaffen hat. Er vereinigt dichterische Einfühlung, wissenschaftliche Kenntnis des großen Stoffgebietes und die Kunst, gedankenreicher, anregender Erklärung. Ausgezeichnet sind die Erläuterungen zu allen Stücken. Zu den bald schlicht kindlichen, bald nachdenklich symbolischen Liedern religiösen Charakters, zu den Liebesliedern mit ihren vielen Anklängen an altes deutsches Volksgut. Immer weist Strauß vergleichend auf das hin, was das Besondere, Kennzeichnende der jiddischen Dichtung ist. Hochzeit Enttäuschung und Leid der jungen Frau, die Mutter an de.r Wiege, der Jammer des Waisenkindes bilden die Stoffe aus dem Kreis des Familienlebens. Heiteres, wie es das Volkslied vieler Völker kennt, stellt die Klage des ungeschickten Fuhrmanns dar, wehmütig heiter ist die Gestaltung der vielverbreiteten Hasenklage, bei der Strauß feinsinnig als das Neuartige die Solidarität des jüdischen Dichters mit dem verfolgten, von Schrecken, und Pein rings umstellten Tieres hervorhebt. Mit einer Abwandlung des Cliadgad.'a-Liedes, mit einem auch im deutschen Lied vielbearbeiteten Stoff, dem wieder der jüdische Dichter einen neuen, einen tröstlich ernsten Sinn gegeben hat, schliesst das Auswahlbändchen. Nr. 31. Abdias. Eine Erzählung von Adalbert Stifter. Die Weite des Blickes, die der Schocken Verlag bei allen seinen Veröffentlichungen so glücklich bekundet hat, zeigt sich besonders schön in diesem Bändchen. Das Werk eines deutschen Dichters ist gewählt. Aber nicht aus dem äusserlichen Grund, weil hier eine jüdische Gestalt im Mittelpunkt steht. Und nicht mit jenem, bei uns jetzt leider dilettantisch arbeitenden Eifer, der unter dem Schlagwort „Jüdisches in der deutschen Literatur" alles, auch Unbedeutendes und längst Vergangenes hervorholt und der Jugend darbietet. Der Schocken Verlag führt mit Stifters Geschichte von dem Juden Abdias, die nun schon fast hundert Jahre ihren dichterischen Zauber ausübt, auf eine Höhe deutscher Erzählungskunst. Und in dieser Charakternovelle ist mit tiefster Seelenkenntnis und mit Wahrheit ein Jude dzirgestellt, , desson Geschick wir — wie Margarete Susmann in ihrem fein deutenden Nachwort sagt — als Abbild des geschichtlichen Schicksals unseres Volkes überhaupt erkennen". Eine Erhebung, wie wir sie gerade jetzt ersehnen und brauchen, geht von der Erzählung aus. Stifter beginnt mit der Frage: Avarum heute Segen und morgen Leid und Ungemach? Gibt es vielleicht kein unvernünftiges Fatum? Ist nicht alles eine Kette von Ursachen und Wirkungen? In der Laufbahn des Juden Abdias, der Aveit über hundert Jahre alt wird, gibt der Dichter mit milder Weisheit die AntAvort, und auch Avir sehen ergriffen in unserem Schicksal keinen Zufall mehr, sondern Folgen, kein Unglück mehr, sondern Verschulden. '__________________ . :.........dh. Ein jüdisches Leseheft Berthold Auerbach. Eine Auswahl aus seinen Schriften. Herausgegeben und eingeleitet von E. Gut. (Jüdische Lesehefte Nr. 6. Schocken Verlag.) Die jüdischen Lesehefte sind als Stoff für den deutschen Unterricht in jüdischen Schulen gedacht. Sie können, mit Verständnis für künstlerische Werte ausgewählt und ohne eine durch Zeitströmungen bedingte Ueberstürzung geschaffen, als Ergänzung des deutschen Schrifttums der jüdischen Jugend im deutschen Unterricht Selbstbesinnung und Freude bringen. Mit Recht ist bei den Schriften, die Studienrat Dr. Lese h nitzer unter Mitwirkung der Reichsvertretung der deutschen Juden herausgibt, die Form dünner, billiger Bündchen gewählt. Nicht ein umfangreiches Lesebuch, das durch jüdischen Inhalt den bisherigen ERICH WIENER GENERAL-AGENT DER „VICTORIA ZU BERLIN' GffRTNERWEG 5, TEL. 54460