Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 11 (7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 426 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 426 Reparaturen in eig.* Werkstätte unrcui. Uhren nehme ich hei Neokaui in Zahlung der jüdischen Existenz bezeichnen; ,darauf war sein Denken und sein Tun in gleicher Weise immer gerichtet. Ganzheit jüdischen Seins: dies ist der Name all seiner Arbeit gewesen. Wir folgen in den Briefen, und das Ist wichtiger als irgendwelche „Entwicklung", dem' Werkstattweg dieser Arbeit: er führt zu ihm selber, zu Menschen, zu Dingen und Beziehungen, zu Heiligtum und Alltag, zur Fremde und zum Eigenen. Rosenzwclgs Arbeit nimmt ihren Ausgang nie von einer „Idee" oder einem , Weren des Judentums", sondern, stets die Wirklichkeit be"abend und nicht überflüssigerweise verteidigend, von aller und jeder jüdischen Erfahrung. Da ist jene periphere Erfahrung reiner eigenen Ursprünge in ihrer Verklammcrung mit allem Austen, das sich zunächst für „die Welt" ausgibt, um sich immer deutlicher als Umwelt zu enthüllen; da ist der kämpferisch erstarkende und währende Fortgang zu den Quellen des Judentums und zum Sein des jüdischen Menschen, im zwiefachen Hinblick auf Hermann Cohen und Martin Buber; da ist die Gewinnung der großen Sicht auf das christliche Europa, im Deutschen am reinsten sieh darstellend, aus d"r (uni nur deshalb wird sie gewönnen) das Jüdische sich stets sinnfälliger und sinnstärker erhebt; da ist schliesslich und wirklich schliessend die nun nicht mehr gedachte, sondern genannte und gelebte echte W e 11, von keiner Umwelt anders mehr berührt als in messianischer Gewissheit der Einung: die Welt der Weisung mit der erneuten und vertieften Einsiebt in die offenbarende Sprache und die Welt des Gesetzes in der lebendigen Hinwendung zu ihrer biKdend-erlösenden Kraft. Bosenzweigs jüdisches Dasein geht aus dem Briefwerk als Deutung und Leitung in unser Leben ein. Wir danken der Frau, die, wie er einstehend für die Sache der Treue, seinen Briefen das Tor ins Leben geöffnet hat. Die Hellige Schrift, neu ins Deutsche übertragen*) In erfreulich kurzer Zelt sind dem ersten Band der von Harry Torczyner herausgegebenen neuen Bibelübersetzung, der Thcra. die Nebiim risehonira als zweiter Band gefolgt. Der Inhalt dieses etwas schmaleren Bandes wird mit „Volksgeschichte" umschrieben. In der Tat handelt es sich hier* im Unterschied zur Thora nicht um ein Miteinander von Erzählung und Gesetz, nicht um Verkündung ven religiös-sittlichen Lehren und Ge'jcten, von ki'lturellen und rituellen Vorschriften, sondern um cir:e — freilich durchaus vom Religiösen her orientierte — Geschichte des israelitischen Volkes, beginnend mit seinem Einzug in Kanaan unter Josua, führend über die Kämpfe der sogenannten Richter, über das Wirken des Propheten Samuel und die Einsetzung des Königtums, über die Gründung und Festigung des Zwölfstämmereichs unter den Königen Saul, David und Salomo, wobei der Bau und die Einweihung des Tempels auf dem Morija die Krönung darstellt, über den Zerfall des Reiches und das Schicksal Israels und Judas unter eigenen Königen, bis zur Deportation der zehn Stämme nach Assyrien und bis zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels und zum Beginn des babylonischen Exils. Bei aller Verschiedenheit des Stils, die etwa das Buch Josua verglichen mit dem Buch der Richter und dieses wieder im Vergleich mit den Büchern Samuel aufweist, geht doch spürbar ein Zug durch diesen Teil der Bibel. So wirkt auch die Uebersetzung, obwohl nicht weniger als vier Mitarbeiter — in der Reihenfolge der Bücher: Elias Auerbach, Sally Gans, Julius Galliner und *) Frankfurt a. M. 1935, I. Kauf mann-Verlag. Jeder Art. iDleonenbao. Ruf: BrOder- 43233Grinnnslr. 7 Benno Jacob — sich darin teilen, dank der harmonisierenden Ueberarbeitung durch den Herausgeber einheitlich. Was von dem ersten Band der Uebersetzung gesagt wurde, gilt auch von dem vorliegenden: sie ist eine ausserordentlich sorgfältige und saubere Leistung. Mag die Wiedergabe des Textes, besonders in seinen poetischen Einlagen, hie und da durch eine ganz ungewohnte Deutung den Kenner stutzig machen, mag auch den Laien die Wahl eines Ausdrucks, den die deutsche Sprache so nicht kennt oder verwendet, bisweilen befremden, im Ganzen wird die Treue, die Einfachheit und die Verständlichkeit, auch der Geschmack, mit denen das gewaltige Werk dem deutsch sprechenden Leser unserer Tage nahegebracht wird, volle Anerkennung verdienen. Rabbinsr Dr.. Salzbo-rger Einführung ins Judentum Unter den verschiedenen Aufgaben, die die neue Zeit dem deutschen Judentum gebracht hat, steht die sogenannte Einführung ins Judentum mit an erster Stelle. Diese Bedeutung kommt ihr deshalb zu, weil es nötig ist, unfreiwillig ins Judentum Gewiesene zu freiwillig und mit Freude sich ihm zubekennenden Juden zu machen. Diese Aufgabe der Einführung und Heimführung ist aber aus manchem Grund recht schwer. Man soll in eine Welt einführen mit Wort und Lehre, deren wesentliche Teile sich vielleicht nicht so sehr vor leb ren lassen als vielmehr vorgelebt sein wollen. Schwer ist es also für den Lehrenden, aus seines Lebens geheimsten und tiefsten Quellen lehrbare Gestalt zu gewinnen, noch schwerer für den Lernenden, nur mit dem hörenden Ohre oder dem lesenden Auge in die Tiefe der Stimmung ixnd heimisch umhüllenden Wirklichkeit zu dringen. Es muß darum ein doppeltes Wagnis — und zugleich eine unabweisbare Notwendigkeit — schon lange gewesen sein, eine solche Einführung zu schreiben. Wenn sich Leo Hirsch in seinem Buche „Praktische Judentumskunde" im Vortrupp-Verlag, Berlin, dieser Aufgabe unterzogen hat, so muß ganz unv3ibrämt die Frage gestellt werden: ist ihm der Versuch gelungen? Die Antwort auf die Frage kann nicht eindeutig gegeben werden. Wenn wir trotzdem zunächst sagen müssen, daß er misslungen ist, so aus einem — scheinbar — äusserlichen Grunde. Eine solche Einführung, die mit Lust und Freude gelesen werden soll, durfte niemals im Gewände eines Schulbuches erscheinen. Wir könnten uns denken, daß etwa durch Illustration der wesentlichsten Erscheinungen des jüdischen Lebens, durch Beigabe von Noten, durch viel übersichtlichere Gestaltung des Textes ein ganz anderes, erfreulicheres, einladenderes Bild des Werkes hätte entstehen können. Und dieses . wäre deswegen sehr nötig gewesen, damit dem neu Hinzukommenden diese Welt auch in ihrer ersten Vermittlung nicht nur als eine zu erlernende, sondern als eine schöne und die Sinne erfreuende hätte begegnen können. Weil das hier nicht der Fall ist, fürchten wir, daß viele das Buch voll Interesse zur Hand nehmen und bald wieder — zu wenig von der Form gefesselt — weglegen werden. Wir bedauern das um so mehr, weil andererseits der Verfasser ein wirkliches Geschick erweist, nicht nur zu lehren, sondern das Gemüthafte nahezubringen. Es gelang ihm in einer Reihe von Fällen die tatsächliche Stimmung in einfachen und doch sicheren Worten festzuhalten. So etwa bei der Schmone Esr'e des Alltags, eder beim „Stöbern", oder vor allem bei allem, was mit dem Jom Kippur zu tun bat. Die reich eingestreuten Erzählungen und Episoden — namentlich aus dem Kreise des Chassidismus — in Verbindung mit einem feinen Geschmack in der Auswahl der übersetzten Gebete beweisen ihrerseits, daß wir es mit einem fähigen Interpreten unserer Schätze, zu tun haben. Es ist nun nicht Raum, den doch vorhandenen Mängeln, die zum grossen Teil im Einzelnen und Kleinen liegen, Wort zu geben. Die Disposition (I. Der Tag des Juden. II. Das Haus des Juden. III. Das Jahr des Juden) hätten wir uns hier und da übersichtlicher gewünscht. Manches uns recht wichtig Erseheinende vermissen wir. So den Hinweis auf die Bedeutung des Hebräischen als Gebetssprache, oder auf die Rolle, die Palästina und Jerusalem durch alle Zeiten im Leben des religiösen Juden gespielt haben. Wir vermissen dies um der Beziehung zur Gegenwart willen. Bedauerlich nicht nur, sondern pädagogisch unverantwortlich ist ein anderer Mangel. Fürwen schreibt Hirsch? Wir glauben für die neu Kommenden. Sie werden alle kommen im'Wege des liberalen Judentums. Sie werden darum aber des öfteren vor den Kopf gestossen sein, in diesem Buche der Einführung Dinge dea Judentums, die ihnen sehr vertraut sind, gar nicht vorzufinden. Die Einsegnung der Mädchen (sie wird fast sichtbar unerwähnt