Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 11 (7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 424 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S^ite 424 Dr. jur. Hugo Hoff mann Generalvertreter der Victoria-Versicherung Kaiserstrafje 2 * Fernsprecher 24841/2 arrivierter Autoren wagen. Unter den bedeutenden zeitgenössischen Schriftstellern haben sich — um nur wenige Namen herauszugreifen — Schnitzler, Hamsun, Kaiser, Schiekele, meistens sogar mit mehreren Stücken, dem Leiter und dem Ensemble des Neuen Theaters anvertraut. Mit dem Fingerspitzengefühl des echten Theatermannes hat Arthur Hellmer es verstanden, schauspielerische Begabung heranzuziehen und — was noch mehr bedeutet — zur Entfaltung zu bringen. Die Fähigkeit einen Darsteller richtig zu beschäftigen und ihn auf seine eigene Linie zu bringen, war diesem hellhörigen und beweglichen Bühnenleiter wie nur wenigen eigen. Am Neuen Theater, das ihm keineswegs nur schnell durchmessene Uebergangsstation, sondern vielmehr breite Plattform vielseitiger Entwicklung gewesen ist, hat Eugen Kloepfer seinen Aufstieg als Charakterspieler "begonnen, hier haben Otto Wallb u r g, Paul G r a e t z, Jenny S c h a f f e r, Erika Glaessner, ihrer Wesensart entsprechend beschäftigt, schon die individuellen Züge ihres Talents herausgearbeitet. - Die große Linie der Theateraufführung Hellmers kam auch dadurch zum Ausdruck, daß er sein Publikum mit allen berühmten Gastschauspielern und bedeutenden Ensembles bekannt gemacht hat. Wegener, Steinrück, Bassermann, Kayss- 1 er, Moissi, Pallenberg, unter den Frauen die Triesch, Höflich, Eysoldt, Massary, Dorsch, sie alle gehörten mit vielen anderen Grössen deutscher Schauspielkunst zu den oft einkehrenden Gästen seines Hauses. Ein 24 Jahre umspannender, inhaltvoller und würdiger Abschnitt Frankfurter Kunstgeschichte ist mit dem Ausscheiden Arthur Hellmers zu Ende gegangen. Der Mann und sein Werk wird in der Erinnerung unzähliger Theaterfreunde lebendig bleiben, die Hellmer und seinen Künstlern Stunden' der Entspannung und der Erhebung zu danken haben. Artur Holde Aussprache Wir Vierzigjährigen Nicht von denen unter uns soll hier die Rede sein, deren ganzes materielles Dasein vernichtet ist, und die nicht mehr ein und aus wissen vor der Not des Tages. Zwar wissen wir nicht, ob ihr Schicksal nicht in wenigen Jahren auch das unsere sein wird. Aber im Augenblick leben wir noch von wenigen Ersparnissen oder auch einer kleinen Pension, wir haben ein Dach über dem Kopf und zu essen, es ist noch nicht die leibliche Not, die uns bedrückt. Wir haben nicht auf jem Leben des Aufstiegs und des Erfolges zurückzublicken wie unsere Alten, wir können auch nicht so voraussetzungslos dem Leben entgegentreten wie unsere Zwanzigjährigen. Mit zwanzig Jahren lagen wir im Schützengraben und als wir zurückkehrten, war es nicht leicht, das unterbrochene Studium zu Ende zu führen. Als wir schliesslich das Examen hinter uns hatten, hatte die Inflation das früher vorhandene Vermögen zerstört. In einem Augenblick scheinbaren Aufstiegs hatten wir eine Familie gegründet und uns eines bescheidenen Glückes erfreut. Zwar üben wir zum Teil noch einen Beruf aus, wenigstens behauptet dies ein Schild an unserem Büro oder auch das nicht mehr. Fehlt es uns auch an Vielem, so haben wir doch eins: Zeit, sehr viel Zelt. Wenn wir Kinder haben, können wir uns ihnen reichlicher widmen. Wir ersetzen die abgeschaffte Hausgehilfin, wichsen Stiefel, bohnern, helfen beim Abspülen, auch die im Krieg erworbenen Kochkenntnisse werden nicht immer zur Befriedigung der Gattin hervorgeholt. Wir haben unsere Bibliothek geordnet und katalogisiert, haben im Haus gehämmert, getischlert und Nägel eingeschlagen. Wir haben schwer im Garten gearbeitet. Wir lesen viel, treiben fremde Sprachen und holen unser Briefmarkenalbum, den Stolz unserer Schulzeit, wieder hervor. An Beschäftigung fehlt es uns also nicht. Wenn es geradezu Anfang des Monats ist, gehen wir auch in ein Konzert oder besuchen einen Vortrag. Manchmal halten wir auch die Fiktion des Berufes aufrecht, fahren morgens mit der Mappe zur gewohnten Stunde in die Stadt und holen uns Bücher in der Bibliothek. So sieht im Wesentlichen unser gegenwärtiges Leben aus, manchmal erscheint es uns phantastisch und unwirklich und manchmal ohne Trost und ohne Hoffnung. Was kann für uns geschehen? Gebt uns Arbeit, irgendeine Aufgabe, die durchaus nicht unserem Wissen und unserer früheren Stellung entsprechen muß. Wir brauchen irgendetwas, was uns an die Gemeinschaft kettet und uns fühlen lässt, daß wir nicht allein sind. Könnte nicht das Jüdische Lehrhaua auch in den Morgenstunden Kurse aus allen Wissensgebieten in Form von Arbeitsgemeinschaften einrichten? Könnte man uns nicht in den Jugendverbänden häufiger zu Vorträgen heranziehen? Könnten nicht häufiger Führungen, Wanderungen und Spaziergänge stattfinden, die uns das grausame Gefühl der Isoliertheit nehmen? Ich glaube, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um auch uns Wirkungsmöglichkeiten zu geben, die uns mit der Gesamtheit, verbinden. Denn wenn bisher noch nichts für uns geschehen ist, so liegt es wohl zum größten Teil daran, daß andere zur Zeit dringlichere Aufgaben zu bewältigen waren. Vielleicht genügen aber diese Zeilen, um alle in Frage kommenden Stellen mit einem Problem zu befassen, das nicht unlösbar erscheint. Dr. E. S. Wirkungsvolle Anzeigen im Israelitischen Gemeindeblatt sind Anzeichen einer klugen Geschäftsführung . und führen zum sicheren Eriolo! Seit Jahrzehnten leite ich mein grosses Fachgeschäft nach diQsen Grundsätzen steon.necken Poister-iYiooe' aus eigener Fabrik Kunstseide 24.- 20. 19.50 17.50 15.- 12.- m. weiß. 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