Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 11 (7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 418 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3094266-3094412-3094423--4740-3099540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 418 Die Landschaft Palästinas von Kabbiner Dr. Salzberger Wer die deutsche Landschaft in .Sinn und Seele trägt, während er Palästina bereist, wird manches ihm vertraute Bild vermissen. Da ist kein Strom, der majestätsch breit an grünen Rebenhängen, an Felsen mit romantischen Ritterburgen vorbeir rauscht, in dessen Wellen sich himmelragende Dome, sich feierliche Städtchen und freundliche Dörfer spiegeln. Da sind keine Kornfelder, deren Halme meilenweit im sanften Winde sich neigen und beugen, keine dichten Laub- und dunklen Nadelwälder auf lieblich geschwungenen Hügelketten oder trotzig getürmten Gebirgen. Obzwar es Monate hindurch regnet, ist der Boden doch arm an Wasser, nicht ein Fluß ist schiffbar, und auch der größte, der Jordan, fliesst zumeist in schmalem Bett dahin. Das Land ist arm an Wald und Wiesen, und selbst was in .einem kurzen Frühling, der auf die Regenzeit folgt, dort grünt und blüht, verwelkt und verdorrt bald, wenn unter der sengenden Sonne eines langen Sommers auch die reißenden Bäche in den Tälern versiegen. Die Eigenart der palästinensischen Landschaft liegt, wie schon oft bemerkt worden ist, in etwas anderem: in dem Sichdrängen der Gegensätze auf einem Raum, der nicht länger als 200 km und kaum breiter als 140 km im Durchschnitt ist. Im Westen das Meer, im Osten die Wüste, im Norden Libanon und der Hermon, von ewigem Schnee bedeckt, im Süden das heiße „Trockenland" — bis auf Gletscher und Urwald sind alle Landschaftsbilder vorhanden. Aber eben weil die Fläche so klein ist, fehlen auch die Uebergänge. Wie es keinen Herbst, sondern eigentlich nur Sommer- und Winter- (Regen-) Zeit gibt, wie beinahe ohns Dämmerung Tag in Nacht und Nacht m Tag übergeht, so stehen in Palästina widerstreitende Bildungen der Natur unvermittelt nebeneinander. Symbolisch dafür sind die beiden Berge, zwischen denen Sichern, das heutige Nablus, liegt: im Süden Gerisim, „der Berg des Segens", grün und mit reichem Baumwuchs, im Norden Ebal, „der Berg des Fluches", kahl und öde. So durchfliesst der Jordan hier den tiefblauen Genezareth, den schönsten See des Landes, um zwei Stunden später in das Tote Meer sich zu ergiessen, in dem kein Leben sich regt, über dessen erstorbene Uferberge kein Vogel fliegt. Und wieder eine halbe Stunde von dieser Stätte des Todes entfernt, taucht wie eine Fata Morgana mitten in der Wüste Jericho mit seinen Palmen und Bananen vor dem überraschten Wanderer auf. Dicht hinter der flachen Meeresküste und ihren Hügeln von Dünensand streckt sich die Saron-Ebene mit ihrem herrlichen Blumenflor von Krokus und Anemonen, Tulpen und Hyazinthen. Von der Akko-Bucht nach Südosten öffnet sich Emek, das größte Tal des Landes mit seinen fetten Boden, der Wiesen und Aecker nährt, und ein wenig weiter südlich führt durch die nackten Felsen des Gebirges Juda der Weg nach Jerusalem hinauf. Man steht auf dem Skopus, dem alten „Späherberg" bei der heiligen Stadt und sieht über grüne Täler zu ihr hinüber, aber auf der anderen Seite schweift der Blick über unzählige kahle Kuppen bis zu den in bläulichem Dunste schimmernden Bergen von Moas. Palästina hat seinen Charakter im Laufe der Jahrtausende gewiß nicht verändert. Es ist noch heute das Land der Berge und Ebenen, wie die Bibel es nennt, ein zerklüftetes Land. Aber wenn sie es zugleich als das gute Land preist, das Land der Wasserläufe, Quellen und Seen, die in den Tälern und auf den Bergen entspringen, ein Land von Weizen und Gerste, Weinstock, Feigen- und Granatbaum, ein Land voll Oliven und Honig, so dürfen wir annehmen, daß es ehemals doch noch ein anderes Aussehen hatte. Diese Berge und Hügel waren ehedem nicht kahl, sondern trugen Wälder mit weithin schattenden Bäumen, aus deren Zweigen der Psalmist die Vögel singen hörte, diese Felsen deckte einmal hohes Buschwerk, worin feierliche Rehe lagerten und wilde Panther lauerten. Es gab eine Zeit, wo man nicht wie heute aus fremden Ländern Holz einführen, wo man nicht Eukalyptusbäume pflanzen; mußte, um den Boden zu entsumpfen. Da war der Libanon bedeckt von Zedern, da gab es Eichen und Platanen, Tamarisken und Terebinthen, Pappeln und Weiden, Palmen und Kiefern und Zypressen die Menge. Die schier endlosen Kriege, die das Land seit Jahrtausenden heimgesucht haben, die Entvölkerung, die sie zur Folge hatten, die Vernachlässigung durch die jeweiligen Herren Hessen die Höhen veröden, die Flusstäler versanden, die künstlichen Kanäle verfallen, den Humusboden abschwemmen und die Ebenen versumpfen. Noch vor zwanzig Jahren ist der Stolz des neuen Palästina, der mit so großen Hoffnungen gepflanzte Herzl-Wald, ein Opfer des Krieges geworden. Aber wie heute dort, wo der ob seiner Schönheit gefeierte Karmel ins Meer hinausspringt, sein Haupt ein junger Pinienwald beschattet und dort wo einst die Rosen und Lilien von Saron blühten, viele Meilen in Länge und Breite Orangengärten schwer von Frucht und Duft erstehen, so wird Palästina durch den hingebenden Fleiß und die aufopfernde Arbeit junger, jüdischer Generationen auch sein eigen Angesicht verjüngen. Am 15. Schwat, dem Tage, an dem nach alter Ueberlieferung in den Bäumen dort die ersten Frühlingssäfte emporsteigen, zieht die gesamte Schuljugend des Landes aus Städten und Dörfern ins Freie, um Bäume zu pflanzen. So pflanzt sie die Zukunft. Und über, dem neuen Land wölbt sich doch der gleiche Himmel wie einst, da die Propheten Gottes Gerechtigkeit kündeten und die Dichter seine Herrlichkeit besangen: ein Himmel tiefblau, den größten Teil des Jahres hindurch, von dem des Tages die Sonne zwar glühenden Brand versendet, aber auch jede Landschaft in scharfen Konturen zeigt und in ein wunderbares Farbenspiel taucht, ein Himmel, von dem des Nachts der liegende Halbmond Berge und Täler, Fluss und Seen, Städte und Dörfer mit einer bei uns nicht gekannten Helle zauberisch beleuchtet, von dem die Sterne durch die reine Atmosphäre klar wie nur im Hochgebirge strahlen. Aber auch wenn dunkle Wolken vom Meer aufsteigen und rasch der Himmel sich verfinstert, wenn die Stürme brausen, die Blitze zucken und die Donner rollen, daß des „Meeres Wogen brüllen", „der Libanon tanzt" und „die Wüste erzittert", spürt noch der Mensch unserer Tage etwas von der erhabenen Schönheit des Landes, auf das nach Moses Wort „die Augen des Ewigen ständig, vom Anfang bis zum Ende des Jahres" gerichtet sind. Die Frankfurter Bank, Neue Mainzerstrafje 69 gegründet 1854 Tel. 20901 übernimmt die Ausführung aller bankmässigen Geschäfte Spareinlagen gegen Sparbuch Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen