Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-07-01 · 11 (7.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
11 (7.1935)
Date
1935-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094412-3094423--4739-3099539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

FRANKFURTER ISRAELITISCHES GENEINDEBLAn Amtliches Organ der Israelitischen Gemeinde Das Gemeindeblatt erscheint monatlich.---- — — Preis der Einzelnummer 25 Rpfg. — JahresBezng ... Fernsprecher: Sammel-Nnmmer Bf. 27544. — Postscheckkonto: für Gemeindemitglieder viertel jährlich 45 Rpfg. (einschl. Znitellnngs- und Erheb ongskosten). für Nichtmitglieder der Gemeinde RM. 3.— znzttglich Porto. — Schriftleitang: Fahrgasse 146; _____r___________________________ ________Jckonto: Frankfurt a. M. Nr. 33521. — Anzeigenrerwaltung: Annoncen-Expedition M. Isaac & Co., Rarensteinstrafle 11. I., Fernsprecher 44868 and 44888. — Anzeigen nach. Tarif. — Anzeigenschluß für nächste Nummer: 22. Juli — Die Schriftleitung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblattes nur die prengesetzliche Veranrwortung. Nachdruck nur mit Erlaubnis der Schriftleitung gestattet. 13. Jahrgang Frankfurt a. M., Juli 1935 Nr. Ii Zur Erinnerung an Baronin Adelheid von Rothschild S.A. Ganz unvorbereitet erreichte uns die Kunde vom Hinseheiden der Frau, die wir in Frankfurt mit Stolz die unsrige nannten. Frau Baronin Edmond von Kothschild ist nicht mehr: sie ist am Samstag, den 22. Juni 1935, in Paris verschieden. Die Beisetzung fand, ohne daß es uns möglich war, an ihr teilzunehmen, am 25. Juni statt. In tiefer Trauer beklagt die Gemeinde Frankfurt den Heimgang der edlen Frau, der sie vor allem die Stätte verdankt, an der die Gemeinde-Verwaltung ihren Sitz hat, das ehemalige Rothschild'sche Bankhaus in der Fahrgasse, mit dem hier untergebrachte Museum jüdischer Altertümer, das der Kunstsinn und die Freigebigkeit der hohen Gönnerin ausserordentlich gefördert hat. Frau Baronin Adelheid ist am 19. August 1853 als älteste Tochter des Barons Wilhelm von Rothschild und seiner Gattin Mathilde in Frankfurt geboren und verlebte in der Grüneburg ihre Jugend. Mit inniger Liebe hing sie an ihrem Elternhause. Nachdem sie am 31. Oktober 1877 ihren Vetter Edmond de Rothschild, den Chef des Pariser Bankhauses, geheiratet hatte, kam sie noch immer zu den Festtagen ins Elternhaus zurück, brachte in späteren Jahren ihre Kinder mit, die unsere Synagogen besuchten, und feierte die Familienfeste (Barmizwa) mit den Eltern und Verwandten. Sie war der Liebling ihres Vaters, mit besonderer Liebe war ihr die Mutter zugetan, die kluge und kunstsinnige Frau Baronin Mathilde. Von ihr hatte sie nicht nur die große Güte und den Sinn für Pflege der Musik, sondern auch das großzügige Wohltun. Nach dem Hinscheiden ihrer Eltern nahm sie deren Schöpfungen, in Frankfurt und ausserhalb, in Obhut. Das Rothschild'sche Altersheim auf der Zeil, das Rothschild'sche Kinderheim am Röderbergweg, das Georgine Sara von Rothschild'sche Hospital, um nur einige zu nennen, stattete sie mit Mitteln aus, die es ermöglichten, diese Frankfurer Wohlfahrtsanstalten zu erhalten. Ihrem hochherzigen Sinn verdankt die M. A. von Rothschild'sche Lungenheilstätte in Nordrach (bad. Schwarzwald) ihre Begründung, segensreiche Existenz und Erhaltung. Wer könnte die Namen aller Anstalten nennen, die durch ihre Beiträge gefördert wurden! Nur die Minka von Goldschmidt- Rothschild'sche Stiftung am Gumpertz'schen Siechenhaus, die den Namen ihrer Schwester trägt, die mit Baron Max von Goldscnmidt- Rothschild verheiratet war, und die Lungenheilstätte in Bad Soden sollen wegen ihrer großen Bedeutung für die deutsche Judenheit besonders hervorgehoben werden. Wie viele Tränen hat die gütige Frau getrocknet, wie viele Existenzen erhalten und aufgerichtet! Wer könnte die Zahl der Armen und Kranken nennen, denen sie geholfen! Neben all dem Wohltun hat sie Sinn für das Schöne in hohem Masse besessen und betätigt. Mit goldnen Lettern steht der Name der Baronin Edmond von Rothschild auf der Marmortafel verzeichnet, die die Spender der Frankfurter Stadtbibliothek nennt. Die große hebräische Abteilung dieser Anstalt verdankt ihrer Hilfe die wertvollsten Handschriften und Bücher. Sie hat ein besonders großes Interesse der Bibliothek ihrer Heimatstadt zugewandt und zu ihrem Aufblühen beigetragen. Hier kann nicht von all dem gesprochen werden, was sie für Museen, Bibliotheken, Gelehrte und Künstler in Paris und Frankreich getan hat. So hat sie das große französische Künstlerheim gestiftet und erhalten und war Protektorin vieler Krankenanstalten und Waisenhäuser in Frankreich. Für alles Gute, Wahre und Schöne war ihr Sinn aufgeschlossen. Vorbildlich war ihr schönes Pariser Heim im Faubourg St. Honore. Wer einmal das Glück hatte, Gast in ihrem Hause zu sein, mußte von Bewunderung für die edle Frau ergriffen werden, an der der Gatte mit rührender Liebe hing, die ihm eine Genossin im biblischen Sinn war. Nahm sie doch an des Baron Edmonds großzügigen Schöpfungen im heiligen Lande tätigsten Anteil. Sie begleitete ihn auf seinen Reisen dorthin und förderte, ohne nach aussen hervorzutreten, alle seine edlen Werke. Nicht mit Worten zu schildern ist die Liebe, mit der sie ihre Kinder umhegte, die Güte, mit der sie an allen Mitgliedern ihrer weitverzweigten Familie hing, deren unbedingtes Vertrauen und innigste Zuneigung sie besass. Was die Familie, die Judenheit, ja die Menschheit durch den Heimgang dieser edlen Frau verloren hat, ist nicht auszudenken. Die Frankfurter israelitische Gemeinde wird ihrer immer in Dankbarkeit und Verehrung ergeben bleiben. Das soll das Gelöbnis dieser Stunde sein. Professor Dr. Freimann Kultussteuern sind nicht mehr an die Finanzkassen, sondern an die Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde, Fahrgasse 146 (Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 800) zu zahlen. ]

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.